Arme Lena

Pfingstmontag lief mein Lieblings-Tatort, der aus Ludwigshafen, wegen Ulrike Folkerts als Lena Odenthal und auch ein bisschen wegen Andreas Hoppe (Mario Kopper), der ja dazugehört. Es war eine traurige Episode; mir dünkt fast, Lena soll abgesägt werden.

Schon im vorletzten Film hatte man ihr Burnout untergeschoben, die Arme hat ja kein Privatleben, wie penetrant wiederholt wird (bei einem Mann kein Problem, bei einer Frau anscheinend schon). In diesem Film war sie nur noch halb präsent, an den Rand gedrängt durch die Ereignisse und die junge blonde »Profilerin«.

Doch diese Profilerin darf nicht richtig karrierebesessen und triumphierend wirken; am Ende knickt sie ein, versöhnt sich mit Lena und will sogar das LKA verlassen. Alle redeten von den Frauen, und dann waren die Frauen allesamt die Verliererinnen und die Opfer − insofern höchst realistisch, könnte man beschönigend sagen, denn der Tatort will ja sehr realistisch sein.

Mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten und EU-Kommissar hatte man zu hoch gegriffen, das war nicht besonders realistisch. Eigentlich hat mich dieser Tatort angenervt. Schon wieder dieses Luxusmilieu, ein aalglatter Hotelmanager, ein eiskalter Vorstandsvorsitzender, die Politik … Es gab ja dieses Jahr schon einige Abschiede von Tatort-Teams, und vielleicht bereitet man auch den Folkerts-Abschied vor, weil man meint, nach 26 Jahren sei es genug.

Tatort-Kommissare dürfen in jedem Alter ermitteln, Frauen vielleicht nicht. Jedenfalls schlich sich bei mir Wehmut ein. Wie schön waren die vielen Ludwigshafen-Tatorte, der Blick auf den nächtlichen Rhein von oben, arme Leute, einfache Leute, und früher waren die Bilder auch nicht so kristallklar, sondern etwas angegraut, scheint mir. Jetzt ist auch Ludwigshafen Hochglanz.

Und dann will Lena auch noch ausziehen, sitzt am Ende inmitten ihrer Umzugskartons. Wie könnte das weitergehen ohne die Lena/Mario-WG mit Rotwein, Fettuccine und langen Gesprächen? Es gilt wohl, langsam Abschied zu nehmen. Ein Generationswechsel steht bevor.

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