Zombies

Faces in the Smoke von Douchan Gersi hat noch viel mehr zu bieten, und ich begnüge mich hier damit, das Rätsel der Zombies aufzuklären, wie der Meister es auf fünfeinhalb Seiten tut. Gersi verbrachte ja fünf Jahre auf Haiti und lernte die Gebräuche kennen, weil er das Vertrauen von Zauberern gewann.

Haitianer haben Angst, sich auf dem Friedhof aufzuhalten, denn wenn sie einem Zombie begegnen, einem lebenden Toten also, und er schaut sie an, dann werden sie selber zum Zombie. Man muss Salz dabei haben, um es ihm in die Augen zu schleudern. Bokors (Zauberer) schaffen oft Zombies. Sie haben viel Land, aber keine Lust, für die Arbeitskraft zu bezahlen. Sie brauchen Sklaven. Auch als Trommler sind Zombies zu benützen, meint Gersi. Sie leben nicht lange und sind leicht ersetzbar. (Illustration: Skotografie von Madge Donohue) Gersi, der Abenteurer, gewann das Vertrauen eines bokors, der ihm verriet, wie man einen Zombie macht. Er bedient sich der Zombie-Gurke, eines Pulvers auf der Basis der datura, eines starken Halluzinogens und Barbiturats. Ein bokor, der einen Zombie braucht, sucht jemanden, der einen persönlichen Feind hat, dem er den Tod wünscht. Diesem mischt man das Pulver ins Essen.

Die volle Dosis führt zum Tod, eine gute Dosis zum Pseudo-Tod, einer Art Koma. Das Gift verlangsamt den Stoffwechsel so sehr, dass das Opfer kataton wird (starr). Sein Herz schlägt nur noch zwei- oder drei Mal in der Minute. Für tot gehalten, wird der arme Mensch beerdigt. Douchan Gersi sprach mit Zombies, die erzählten, sie hätten ihre Beerdigung bewusst miterlebt, sich aber für tot gehalten.

Der Zauberer lässt das Opfer in diesem Glauben, wenn er es nach drei Tagen wieder ausgräbt. Er verabreicht ihm ein Gegengift, das den vermeintlichen Toten in einem Monat wieder herstellt. Allerdings verkleidet sich der bokor als Teufel und macht dem Opfer weis, es sei im Totenreich, wonach es fleht, zurückkehren zu wollen.

Der Zauberer unterzieht den Erweckten einer Gehirnwäsche und sagt ihm, er müsse täglich eine magischen Trunk zu sich nehmen. Er inszeniert seine Flucht aus der Hölle, und aus Dankbarkeit schuftet der nunmehrige Zombie Tag und Nacht auf den Feldern. Das Gift und die kräftezehrenden Wochen danach, verbunden mit der Programmierung, haben schwere Gehirnschäden zur Folge. Wenige Zombies können richtig sprechen oder denken; es sind wandernde Leichen. Manche verlieren ihr Gedächtnis und laufen davon, und wenn sie Glück haben, werden sie irgendwo von Angehörigen erkannt. Die meisten aber arbeiten, kehren dann vom Feld heim, reagieren auf keinen Gruß und schauen einen mit leblosen Augen an.

In Posen (Polen) und in Santiago de Chile findet am ersten Sonntag des Monats ein Zombie-Marsch statt. Der chilenische erlebte sogar schon seine 15. Austragung, und 20.000 Menschen nahmen teil.  

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