Vier weitere Jahre mit Ann?

Heute wird in der norwegischen Gemeinde Gemeinde Øvre Eiker 30 Kilometer westlich von Drammen der Bürgermeister gewählt. Ich bin gespannt; es bedeutet mir etwas. Die Geschichte dazu ist lustig und auf unserer Ausfahrt mit den alten kleinen Autos passiert, in Hokksund, dem Hauptort der Gemeinde.

Wir fuhren triumphal ein, wurden auf Parkplätze dirigiert und flankierten mit unseren 50 Veteranenautos eine Wahlversammlung. An der Hauptstraße standen zwei Gazebos, links ein blauer, rechts ein roter. Im Hintergrund erhob sich fast drohend das Radhus, um dessen Eroberung es gehen sollte. Eine Kapelle spielte, von der blauen Partei aufgeboten; dann sangen junge Mädchen, von der roten Partei geschickt, Volkslieder. Wir schauten zu.

Ein Mann hielt eine Rede, setzte sich dann die Sonnenbrille auf und verschwand. Sicher der Kandidat, dachte ich, aber mir fiel eine jüngere Frau mit sensationellen blauen Schuhen auf, die über die Straße lief und die Besucher eines Cafés in Gespräche verwickelte. Sicher die Wahlkampfmanagerin, dachte ich mir. Sie gefiel mir. Ich saß abwartend auf einem Poller, und plötzlich stand sie neben mir.

Ich sprach sie an: Die rote Partei, Arbeiderpartei, sei ja wohl links; und die linke, ihre, auch? Ja, antwortete sie, beide seien links. (Ihre Partei, Hǿyre, ist wohl, wir mir erklärt wurde, weniger links, eher sowas wie die FDP, aber was weiß ein Fremder davon?) Die anderen, die Roten, wollten ihnen den Posten wegnehmen, den sie seit 20 Jahren innehätten. Und dann sagte sie ganz schlicht: »I am the mayor.« Ich schluckte. Die Bürgermeisterin, die ihren Posten verteidigte, stand also neben mir! Ich versicherte ihr, meine Stimme hätte sie, wenn ich in diesem Ort lebte. Sie lachte und legte mir die Hand auf die Schulter.

Links the mayor, rechts ihr Bild

Später sprach dann der Gegenkandidat, und unten auf dem Bild sieht man, wie Ann – das war ihr Name, Ann Sire Fjerdingstad, die Erste Kandidatin – sich unwillig abwendet. Sie hatte natürlich auch sonst viel zu tun. Kam aus dem Café, und ich wedelte fröhlich mit ihrem Wahlplakat, und sie nickte. Attraktive Politikerinnen sind ja selten. Ich hoffe, dass Ann gewinnt. Nochmal vier Jahre mit Ann in Øvre Eiker, warum nicht?

Ein Kommentar zu “Vier weitere Jahre mit Ann?”

  1. Manfred Poser

    Aktualisierung vom 16. September, abends:
    Höyre erhielt 37 Prozent, die Arbeiderpartei 29 Prozent der Stimmen. 14.000 Menschen beteiligten sich an der Wahl. Die Sitzverteilung im Gemeinderat (37 Sitze): 15 Höyre, 12 Arbeiderpartei, 4 Senterpartei, 3 Fortschrittspartei, 3 Sitze von kleinen Parteien. Die Arbeiderpartei bekam nur eine Stimme mehr als vor vier Jahren, es sollte also reichen für Ann, da bestimmt die (konservative) Senterpartei mit Höyre stimmt, was die Mehrheit von 19 von 37 bei der Bürgermeisterwahl wäre. manipogo bleibt am Ball. Gruss M. P.

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