TestpilotInnen (112): Jonathan Ashford
Anthony Chene macht nicht viele Filme, aber wenn er tätig wird, dann passt das. Jonathan Ashford war Mitte April wieder ein großartiger Gast: Saß stoisch da, schwarz gekleidet wie ein buddhistischer Mönch (mit langen Vollbart), lächelte viel und verströmte Güte, und er sprach mit wohlgesetzten Worten: wie einer, der viel über alles nachgedacht hat.
Seine Geschichte hat eine unglaubliche Dramaturgie. Ashford war 46 Jahre alt und Marketing- und Technologie-Berater. Er war gesundheitsbewusst und ging oft ins Fitness-Studio. So beschrieb er sein Leben vor der Nachtoderfahrung:
Ich scherte mich nicht viel um andere Menschen. Ich war materialistisch und anti-spirituell. Mitgefühl kannte ich nicht. Mein ganzes Leben drehte sich um meine Karriere.
Dann hatte er plötzlich einen Kollaps. Und noch einen. Zwei Mal kam er ins Krankenhaus, zwei Mal wurde er wieder entlassen. Er schlief viel. Sein Gesicht war gelb, und eines Morgens um halb fünf wankte er ins Badezimmer, und sein Gesicht und seine Hände waren nun grau. Jonathan nahm das friedlich hin. Erst wisse der Körper, dass es vorüber sei, und dann begreife es der Verstand. Es würde ein sanfter Hinübergang werden. Dann fand er sich in Dunkelheit wieder, ohne Angst und Schmerzen. Dann:
Plötzlich war ich in einer Landschaft, die man am ehesten mit Schottland vergleichen könnte. Alles war lebendig. Sehen und empfinden war eins. Das Licht kommunizierte mit mir. Es war realer als dies hier. Eine nebelhafte Landschaft bewegte sich mit mir mit. Ein Berg nahm Gestalt an. Ein Wanderer wartete auf mich. Er zeigte mir meine verschiedenen Identitäten bislang bis zu meiner jetzigen. Ich verstand, dass ich gestorben war. Er sagte: »Du bist ich und ich bin du.« Man könnte ihm den Namen Jesus geben, aber auch den Namen »Liebe ohne Maß«: Jesus oder Liebe.
Als nächstes erlebte er den Lebensrückblick, spürte sich selbst und sich im Körper von anderen, und manchmal war er auch der Boden, ein Auto, der Himmel, während zwei Leute aus seinem Leben sich beschimpften. Er lernte daraus:
Der Freie Wille wird missverstanden. Es ist der erwachte Zustand. Ja, es ist eher ein Zustand als eine bewusste Wahl: »Ich liebe mich und ich liebe die anderen.« Wir müssen aufwachen und die werden, die wir wirklich sind. Wir sind ein Filter. Unser ganzes Wesen ist ein Schleier, es ist nur ein Kostüm. Du bist so viel mehr.
Jonathan Ashford in seinem zweiten Körper tauchte in eine Leere ein, in Formlosigkeit. Informationen bespülten ihn unendlich lang, es kam ihm wirklich zeitlos vor. Eine Sonne tauchte auf und wurde immer größer, verschlang ihn, und er gehörte dazu, er war auch dieses Licht.
Das Wort G*tt ist so klein. Es weiß ALLES und liebt in diesem Augenblick gerade dich: Als ob alles nur speziell für dich erschaffen worden wäre. Das war die Ewigkeit. Du konntest ALLES fühlen.
Schließlich der Tunnel und die Rückkehr, da Jonathan künftig anderen helfen wollte. Was war das für ein Gefühl?
Ich war neu geboren worden. 3 Stunden war ich weggewesen. Ein neuer Tag. Meine Haut war wieder durchblutet. Ich spürte eine Liebe, die nicht zu erklären war. – Ich bin nicht mehr zur Arbeit zurückgegangen. Ich hatte keine Wünsche mehr. Ich verkaufte alles. Und alle meine Beziehungen starben ab. Dieses Wesen (Jesus oder die Liebe) führt mich weiterhin. Ich bin hier, um zu geben, ich bin ein Vehikel, ein Instrument. Alles ist Kommunikation. Alles versucht, uns etwas zu vermitteln. Nichts ist zufällig.
Du bekommst, was du brauchst. Du wirst maßlos geliebt, das geht über deine Vorstellung weit hinaus. Die andere Seite wird dich nie im Stich lassen. Du bist nicht allein. Verstorbene Freunde sind um dich her, und sie wissen alles von dir: Du hast keine Privacy! Aber es gibt auch auch keinerlei Verurteilung. Bitte um etwas, das du willst! Du bekommst indessen, was du brauchst.
Das Ego will Perfektion. Doch die Perfektion ist auf der Anderen Seite. Hier geht es nur darum, Erfahrungen zu sammeln. Schau in den Spiegel: Du bist die reine Liebe!
Φ Φ
Wow! Das ist eine profunde Nahtod-Erfahrung mit sehr viel Worten zur Lebenskunst. Jonathan Ashford ist nun spiritueller Berater, und von ihm würde man sich gern beraten lassen. Ich habe wieder versucht, ähnlich betörende Bilder einzustreuen, wie Anthony das so unvergleichlich macht. Und der Filmemacher ist auch ein Vehikel: Er zeigt den, der die Erfahrung gemacht hat und lässt ihn reden (wie es auch Franz Dschulnigg tut). Zeugen zu haben ist gut, doch ohne die Kanäle gibt es keine Botschaft.

