Flugverkehr (51): das Vogel-Symbol

Den Flugverkehr gibt es, weil das Fliegen und die Vögel mir viel bedeuten. Der Vogel ist ein Symbol der Freiheit. Auch Engel haben Flügel; wohl sind sie ein Zeichen für Transzendenz, für die Verbindung in eine höhere Dimension. Und mit dem Federkiel wurde früher geschrieben. »Hochfliegende« Gedanken flossen einem in die Feder und aus der Feder.

Symbole sind nicht ein für alle Mal festgelegt. Jede Kultur hat andere, und man muss die verwenden, die verstanden werden. Das Symbol (oder Sinnbild) des Vogels wurde zum Beispiel im neuen »Heidi«-Film (Regie: Alain Gsponer, Alm-Öhi: Bruno Ganz, Heidi: Anuk Steffen) schön eingesetzt, den ich kürzlich gesehen habe.

Am Anfang zieht der Adler, der König der Lüfte, seine Kreise. Heidi lebt in ihren geliebten Bergen und ist frei wie ein Vogel. Der Adler steht (oder besser: fliegt) für Heidis Freiheit. Ihr »Großvattr« schenkt ihr einen kleinen geschnitzten Raubvogel, den sie mit dabeihat, als man sie nach Frankfurt entführt. Er versinnbildlicht fortan ihren Traum von der Freiheit ― das, was war und das, was wieder sein soll.

Vogel über Lindau im Bodensee

Als sie wieder zurückdarf, braucht sie ihn nicht mehr. Heidi schenkt den kleinen hölzernen Vogel Klara, der gelähmten Freundin, die in der Großstadt zurückbleibt und durch dieses Sinnbild daran denken soll, was ihr auch möglich sein könnte: sich frei zu bewegen; zu gehen. Gegen Ende sehen wir wieder den Adler, fliegend, und es ist ein majestätisches Bild.

Das klingt vielleicht etwas holzschnittartig, aber der Film ist in jeder Phase überzeugend und nimmt einen emotional mit. Freiheit hat man da, wo man sich ausleben, sich verwirklichen kann. Für den Frankfurter Bediensteten, der Heidi zurückbringt, sind die Berge bedrückend: Warum lebt jemand hier? Für den Frankfurter ist Freiheit vielleicht ein Tag zur freien Verfügung in der Stadt, an dem er tun kann, was er will. Das Symbol seiner Freiheit wären vielleicht einfach die bequemen Kleider für die freie Entfaltung: Jeans und T-Shirt. Wenn er seine Dienstuniform ablegt, ist er frei.

Fliegende Glücksbringer über Sri Lanka

So hat jede Kultur ihre Symbole. Wer heilen will, muss sich der Sinnbilder bedienen, die der Kranke versteht. Damit dringt man zu seinem Unbewussten vor und kann Veränderung bewirken.

Der Schamane »manipuliert Symbole und zeigt damit dem Patienten einen neuen Weg, die Welt zu sehen«, schrieb James Dow in seinem Buch über die Otomi-Indianer in Mexiko (The Shaman’s Touch). Der Schamane steht mit dem Übernatürlichen in Verbindung, aber manchmal arbeitet er auch mit Tricks. Er könnte sein Orakel befragen und den Patienten auf einen vorbeifliegenden Adler hinweisen und ihm sagen: »Schau, das bist du. Du wirst wieder gesund!«

Es gibt auch die Angst vor der Freiheit. Jemand kapselt sich ab oder zieht sich zurück, um schlechte Erfahrungen zu verhindern. Stell  dir vor, du könntest … Die Vorstellungskraft muss angeregt werden, und dazu braucht man ein sprechendes, entsprechendes Bild. Der gute Heiler wird es finden.

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