Die Schwelle

Kürzlich kaufte ich mir die Tabakmischung Royal von Exclusiv. Wie gut erinnere ich mich an die Werbung in den 1960-er Jahren mit dem Soldaten mit der Bärenfellmütze! So lange bin ich schon auf der Welt! Und nun habe ich eine lang gefürchtete Schwelle überschritten, einen runden Geburtstag gehabt …

Ich will die Zahl gar nicht hinschreiben, weil sie nicht zu mir gehört. Aber kein Zweifel ist möglich, jede Mathematik sagt mir, dass ich mich schon seit 60 Jahren auf dieser Welt umtue ― und nun die Schwelle passiert habe, die meine Helden aus Musik und Film ― Brian Eno, Peter Gabriel, Ryuichi Sakamoto und Takeshi Kitano ― längst hinter sich gelassen haben. So ist es.

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Männer dieses Alters haben normalerweise alles erreicht, sitzen in ihren Villen und lassen es ruhig angehen. Es gab auch andere, Hitzköpfe, die immer meine Vorbilder waren: Miles Davis, Götz George und Clint Eastwood. Letzterer ist nun schon 86 Jahre alt, hat mit 85 seinen bislang erfolgreichsten Film gedreht (American Snyper) und war immer viril wie auch die anderen beiden, die nicht mehr unter uns sind. Dass Clint für Trump ist, muss man hinnehmen; er ist halt ein alter Rechter.

Vermutlich rebelliert jeder gegen das Alter, das zu ihm gehört. Die Seele bleibt immer jung. Ist unsterblich. Meine Bilanz fällt freilich nicht überragend aus. Ein paar Bücher geschrieben, die sich schlecht bis gar nicht verkaufen. Da wäre mehr drin gewesen. Aber irgendwie kommt es mir wie ein Wunder vor, dass man alle Klippen und Krisen glücklich umschifft hat und weiter radfahren, schreiben, rauchen und trinken darf!

Alt wie Manfred, das Mammut: Manfred der Autor

Alt wie Manfred, das Mammut: Manfred der Autor

Wichtig ist der Seelenfrieden. Der Wassermann will unabhängig sein und seinen Gedanken nachhängen können. Wenn man ihn in Ruhe lässt, ist er glücklich. Er geht gern den Geheimnissen des Universums auf den Grund ― und hat man diesen Grund mit den Füßen erspürt, ist man geerdet. Dann braucht man keine Erfolge mehr, nur noch Projekte, an denen man arbeitet und wachsen kann. Man wächst bis zum Schluss, irgendwohin. Man braucht nicht einmal die Erleuchtung; nur gesicherte materielle Verhältnisse und die Projekte; ein paar Menschen dazu, für die Seele.

Und manipogo als Tagebuch und Ventil muss ich haben. Damit habe ich vermutlich mehr Leser als mit Büchern. Vergessen wir die Zahl also, streichen wir sie, denken wir an morgen und wohin wir mit dem Fahrrad fahren, welche Bücher wir uns ausleihen, welches Buch vorangebracht werden will. Es bleibt spannend, so alt man auch ist, das sage ich euch!

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