Bilderwelten

Vor kurzem auf dem Rad ließ ich die Entwicklungen in diesem Jahrhundert Revue passieren: Wie Medien sich darbieten, was uns dargeboten wird und wie das alles unseren Voyeurismus bedient und latente aggressive Triebe … und da ich zuletzt bei der Pornografie angelangt war, wollte ich noch etwas zum letzten Münchner Tatort sagen.

Da ging es um Pornofilmer und einen Mord in der Szene. Sex and Crime. Da wollte man halt wieder einmal niedere Triebe bedienen und spielte mit dem Kontrast zwischen dem soliden Bürgertum und der Halbwelt herum. Über die Pornofilmwelt ließ es sich gut lustig machen, und ihr schlossen sich ja zwei Mädels aus irgendwelchen Gründen an … es war einfach nicht gut motiviert, warum sie das taten. War es ihnen zu langweilig in ihrer Welt? Wenig in der anderen Welt schien attraktiv – ja, ein wenig Ruhm und Geld fiel ab, doch im ganzen: schäbig und lachhaft.

So ist Fernsehen. Man wollte was mit Porno machen, weil das gefährlich klingt. Aber zu ernst wollte man es nicht nehmen, und so wurde keine Aufarbeitung daraus, aber immerhin konnte man ein paar nackte Körper und etwas Herumgehechel zeigen. Wenn das ein paar Leute aufgeilte, gut. Dann kam Fürchte dich, der 1033. Tatort, vom Hessischen Rundfunk. Horror-Elemente. Fürchte dich ist natürlich eine Anspielung auf den Bibel-Spruch Fürchtet euch nicht, in Krimis verfremdet man gern die Bibel, um böse zu wirken; das ist der Antichrist, den die Satanisten herbeizitierten, wenn sie ein Kreuz verkehrt herum aufhängten. Sonst sah ich viel Nebel und die üblichen Horror-Passagen, aber ich verlor das Interesse und die Geduld.

Fußball und Krimis beherrschen das Programm und sind auch Programm. Die Gesellschaft hier sagt: So sieht unsere Welt aus. Kampf gegen das Böse, Kampf jeder gegen jeden, aber nehmt das nicht zu ernst, ihr sollt euch bloß nicht langweilen.Ich weiß nicht, was da los ist. Sie haben sich zurückgekämpft, sagt eine Journalistin zu einem Musiker, der nach einem schweren Unfall wieder auftritt. Der Mann wehrt ab: Er habe mit Hilfe anderer seine Kraft wiedergefunden. Zwei gegen die Sahara las ich heute auf einem Buch; das Original hieß Impossible Journey.  Ist das nur unser Wahn, wir müssten dauernd kämpfen? Bergsteiger kämpfen gegen den Berg, Kranke haben den Krebs besiegt, Krieg und Kampf und Opfer und Niederlage und Sieg … in dieser Welt, in der niemand mehr ums Überleben kämpfen muss! Es sind die Medien, die den Ton prägen.

Und wir wollen euch nicht, sagen die Publizisten, mit Gedanken belästigen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ihren Internetauftritt überarbeitet. Die Zeitung, die immer daherkam wie Le Monde und die Times, ernst und bildlos, bietet sich im Internet nun mit vielen riesigen Bildern an, die vom Text (nun auch mit hässlicher Schrift) unterbrochen werden statt umgekehrt, und an Gossip (Tratsch) wird nicht gespart, Lebenshilfetipps inklusive.

Kulturberichterstattung gibt es auch noch, aber am Rande. Eigentlich ist alles Wirtschaft. Das Ringen zwischen Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur, das vor 30 Jahren, als ich in den Journalismus einstieg (bei dpa), noch unentschieden war, ist nun entschieden. Das Geld hat gewonnen. Die Ressorts gibt es noch, nur die Kultur wurde entschieden eingedünnt. Ich beklage das. Das Guru-Gehabe mancher Feuilletonisten war zwar unerträglich, aber irgendwie dienten sie dem Geist, der in bedrohlicher Weise auf dem Rückzug ist.

 

 

 

 

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