Das Herz der heiligen Elisabeth

Bei meinem Aufenthalt in Marburg Ende Mai besuchten wir den Spiegelslustturm, der 1890 erbaut wurde. Durch einen Telefonanruf (06421.590469) kann man das oben angebrachte Herz zum Leuchten bringen; diese nette Aktion für Verliebte wurde jedoch zu Ehren der heiligen Elisabeth erdacht, zu ihrem 800. Todestag am 7.7.2007.

Unten sehen wir den Turm mit meiner Wenigkeit.

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Und schon sind wir wieder im 13. Jahrhundert: Elisabeth, die bereits 1235, vier Jahre nach ihrem Tod, heiliggesprochen wurde, lebte in den letzten Jahren als Schwester für Arme in Marburg. Sie war die Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und Gertrude von Andechs in Oberbayern. Als junges Mädchen wurde Elisabeth mit dem späteren Markgrafen Ludwig von Thüringen verheiratet. Die Ehe war glücklich, und Ludwig behandelte seine Frau vorbildlich.

Sie setzte sich für Arme und Bedürftige ein, gründete ein Hospital am Fuße der Wartburg und verrichtete selbst entwürdigende Tätigkeiten. Ihr späterer spiritueller Lehrer Konrad von Marburg machte sie mit den Lehren von Franz von Assisi bekannt (gestorben 1226) und nahm sie, nachdem ihr Mann auf dem Kreuzzug (von Friedrich II. in die Wege geleitet) 1228 gestorben war, mit nach Marburg.

Denn in Eisenach lebte sie nach dem Tod ihres Mannes wie eine Ausgestoßene, oft im Schweinestall, und man nahm ihr ihre Güter weg. Auch Arme, denen sie zuvor geholfen hatte, behandelten sie schlecht. Ihre drei Kinder konnte sie regelmäßig sehen. Konrad half ihr, in Marburg einen Platz als Spitalschwester zu finden, setzte ihr aber mit seiner Strenge und Härte zu. Damals litt man gern; es schien ein Weg zu Gott. Bei Wikipedia heißt es: »Sie radikalisierte sich in dieser Zeit immer mehr …« So machen sich Ausdrücke im falschen Kontext breit, aus Gedankenlosigkeit, denn bislang wurde sich radikalisieren für rechte Attentäter unserer Tage verwendet.

Es muss eine eigenartige Beziehung gewesen sein, die Sado-Maso streifte: Manchmal zeigte Elisabeth ihren Rücken vor, den er blutig geschlagen hatte, was damals als Flagellation eine übliche Bussübung war. Sie war sein Geschöpf und Projektionsfläche; sie sollte Heilige werden. Nach ihrem Tod 1231 leitete Konrad von Marburg auch gleich das Kanonisierungsverfahren ein, das 1235 zum Erfolg führte, was er selbst nicht mehr erlebte, da er 1233 ermordet wurde. Im Hof Capelle lauerten ihm sechs Adelige auf und erschlugen ihn und seine Diener.

Bald nach dem Tod von Elisabeth kam es zu einigen Wunderheilungen, und ihr Ruf  verbreitete sich überall. Und noch einmal der Autor: vor einer Darstellung der heiligen Elisabeth in Marburg.

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