Swedenborg

Hat Lavater das Werk Swedenborgs gekannt? Das ist vielleicht nicht so wichtig. Aber über Swedenborg selbst sollte man etwas wissen, denn er war der größte »Jenseitsreporter« aller Zeiten. Gestorben ist er drei Jahre vor Goethes Zürich-Besuch, 84 Jahre alt.

Emanuel Swedenborg war Schwede und begann seine Laufbahn 1716 als Bergwerks-Assessor – wie übrigens auch Novalis rund 70 Jahre später. Machte viele Erfindungen, war Mathematiker und Naturkundler. Im Alter von 56 Jahren hatte Swedenborg eine Erleuchtung, und von da an interessierte ihn die Naturkunde nicht mehr, auch Frauen interessierten ihn nicht mehr; er verkehrte nur mehr mit Engeln und Geistern. Und er schrieb nur noch: viele tausend Seiten (Himmel und Hölle, Himmlische Geheimnisse, Die Enthüllte Offenbarung). 

Der Seher; Detail aus einem Stich des 19. Jahrhunderts

Bekannt wurde er durch den Brand von Stockholm. Bei Wikipedia heißt es:

»Am 19. Juli 1759 beschrieb er von Göteborg aus den 400 Kilometer entfernt stattfindenden Stadtbrand seiner Heimatstadt Stockholm, um damit zu beweisen, dass er über hellseherische Fähigkeiten verfüge.« Das ist natürlich Quatsch; er hat es einfach gesehen und wollte nichts beweisen damit. Auf die Geschichte wird näher in einem Beitrag von Erlendur Haraldsson und Johan Gerding in der Zeitschrift Grenzgebiete der Wissenschaft (Innsbruck) 4/2011 eingegangen, den ich übersetzt habe. 

Der Philosoph Immanuel Kant hat den Fall genauer untersucht und sich in den Träumen eines Geistersehers über Swedenborg lustig gemacht, aber dann schreibt er auch, »abgeschiedene Geister und reine Seelen« könnten »wohl auf den Geist des Menschen, der mit ihnen zu einer großen Republik gehört, wirken«. Und: »Ich gestehe, dass ich sehr geneigt sei, das Dasein immaterieller Wesen in der Welt zu behaupten, und meine Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu versetzen …«

Swedenborg wusste schon alles übers Jenseits, und hunderte spiritistische Bücher, von Medien überliefert, gaben ihm später recht. Er ist wohl wirklich dort gewesen, auf außerkörperlichen Reisen, mit seinem transparenten Duplikat des Körpers. Die Frauen hat er auch nicht ganz vergessen; an vielen Stellen schreibt er über Männer und Frauen im Himmel und widmet sich der Frage, wie es dort drüben geschlechtlich zugehe. In London wirkt die Swedenborg Society.

Man könnte Emanuel Swedenborg als Bindeglied zwischen die Magier/Heiler Agrippa und Paracelsus (um 1500) und etwa Franz Anton Mesmer (um 1800) stellen, den Vorläufer des ›modernen Spiritismus‹. Das wird alles irgendwann  erzählt und ausgebreitet; bei manipogo herrscht wie im Jenseits keine Zeit. 

 

        

 

 

 

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