Neue Räume für alte Räder

Es gibt also einen neuen Papst. Ein bescheidener, sympathischer Mann ist er, der oben auf dem Balkon schon einmal viel gelächelt hat. Francesco — wie Franz von Assisi, der die Menschen und die Natur liebte. Er wäre sicher gern Rad gefahren. Der jetzige Papst soll als Bischof in Buenos Aires in einer Ein-Zimmer-Wohnung gelebt haben und immer mit dem Bus gefahren sein. manipogo wünscht ihm Alles Gute und begibt sich nun in die Ostschweiz. 

Es lag ein Termin bei meinen Freunden vom Old Bicycle Fan Club (OBFC) in Rehetobel bei St. Gallen vor, das jedoch zum Kanton Appenzell Außerrhoden gehört (Autokennzeichen AR). Dort hinauf (900 Meter Meereshöhe) fuhr ich am vergangenen Sonntag zu unserer Jahreshauptversammlung.

Wer mich kennt, weiß schon, dass bestimmt nicht Mitglied eines Vereins bin, der penibel Schriftführer und Kassier neuwählt und den Vorstand entlastet. Bei uns geht es locker und lustig zu. Wir frühstücken gemeinsam, und Kinder laufen herum. Zunächst wandten sich François (Cauderay) und Dani (Bartholdi) kurz an die etwa 35 Anwesenden.

Dani Bartholdy (links) und Francois Cauderay

Dann unterhielt uns glänzend Hansueli Zuberbühler. Er wäre am ehesten unser Papst, mit über 80 Lenzen und rüstig. Ich fürchte aber, im Kanton Appenzell Außerrhoden sind sie evangelisch-reformiert. Unsere Religion, wenn wir davon sprechen wollen,  ist ohnehin höchstens das Fahrrad. Hanueli (so kann man ihn auch nennen) hatte ein 19-jähriges Model aufgetan, das für unseren Verein ein attraktives Aushängeschild sein könnte. Er berichtete aus ihrem Leben, nur noch ein Name fehlte ihr. Mein Vorschlag war Letizia, aber das ist italienisch und wenig Appenzellerisch. Ein »junger Mann« sollte sich mit ihr fotografieren lassen, und ich erklärte mich bereit. Nun soll es aber genug sein mit diesen erotischen Anspielungen, die auf manipogo allmählich überhandnehmen; ich denke, es ist der Frühling. Lieber sollte ich erwähnen, dass wir  ja ein Museum haben mit über 80 alten Rädern, echten Prunkstücken darunter. Ich glaube, das älteste ist von 1880. Der schöne Schopf (Schuppen), in dem sie bislang standen, musste aufgegeben werden, aber nun fanden sie im 130 Jahre alten Spritzenhaus der Gemeinde eine neue Bleibe. Im ersten Stock muss noch ein wenig der Boden hergerichtet werden, aber alles ist gut geworden. Unser Museum hat auch eine neue Homepage.

Später trug Hanueli Letizia (nur ich nenne sie so) hinüber zum neuen Museumssitz, dem alten Feuerwehrhaus (Sprötzehuus) an der Hauptstraße. Da steht sie nun im ersten Stock und schaut auf die Straße hinunter. 

Besonders schön war die Darbietung des Trios Echo vom Gleis, das seine Alphörner wehmütig über das Tal hinübermuhen ließ zur Gemeinde Wald und den dahinter liegenden hohen Bergen, vor allem den 35 Kilometer entfernten Säntis (2501 m). Musik aus dem Alpenland ist immer ein wenig traurig, aber innig. Zwei der Musiker spielen jeden Sonntag und Montag Abend vor dem Kantonsspital St. Gallen einen Gruß an den ausklingenden Tag.

 

Auch die Versammlung klang aus. Ich verabschiedete mich, fuhr mit dem Rad bei Sonnenschein in Richtung Westen, durch St. Gallen und Wil nach Eschlikon, wo ich einen Zug über Winterthur zum Flughafen nahm.  

Am Morgen bei der Abfahrt hatte ich einen Nachbarn getroffen, dann war eine junge Frau mit einem vielleicht vierjährigen Mädchen in den Zug gestiegen, das einen kleinen blauen Roller bei sich hatte; und auf der Rückfahrt stieg eine junge Frau mit einem vierjährigen Mädchen zu, das einen rosa Roller bei sich hatte, und als ich ankam, huschte wieder derselbe Nachbar vorbei, und ich duschte und saß auf dem Stuhl auf der Terrasse, auf dem ich elf Stunden zuvor, vor der Abreise, gesessen hatte. Es war wie eine Komposition; eine runde Sache.        

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