Bestrafte Lehrer

In den vergangenen zwei Monaten im Fernsehen habe ich hier und da einen Tatort gesehen, dann vorgestern Polizeiruf 110 – und schon wieder war da ein Lehrer mit Sado-Maso-Vorlieben wie im Dampfnudelblues. Auch im Frankfurter Tatort, dem letzten mit Joachim Król, war das Opfer ein Lehrer, ein sexbesessener. Komisch.

Ich sehe ja selten Krimis, aber es fiel mir auf: Oft spielen die Geschichten in Schulen. Ein Schüler, eine Schülerin wird vermisst und aufgefunden (im Dortmunder Tatort mit dem Kommissar, den die FAZ den »irrsten Deutschlands« nannte) oder ein Lehrer gerät in Verdacht. Im Frankfurter Tatort Anfang des Jahres hatte ein solcher die Ex-Frau Króls auf der Schulbank vergewaltigt, vor 20 Jahren. Er wurde dann von einem Ex-Schüler ermordet, der traumatisiert und verrückt war.  

Im Dampfnudelblues erwischt es den Höpfl, der als Schuldirektor einen richtigen Sado-Maso-Keller hat. Drei Lehrer in zwei Monaten. Vielleicht sind es noch mehr, 90 Prozent der Krimis entgehen mir ja. Haben die Autoren geheime Ressentiments gegen ihre früheren Lehrer, die sie womöglich für Sadisten halten? Sie reiben sich die Hände und sagen ihren ehemaligen Mitschülern: Ich habe uns gerächt.  

Aber das ist zuviel gedacht. Der Drehbuchautor liest im Internet oder in einem Buch über psychiatrische Störungen herum, Liebeswahn klingt gut, dann fällt ihm Das Schweigen der Lämmer ein mit dem Menschenfresser Hannibal Lecter, der so einen Maulkorb hatte, Hitchcock mit seinen kühlen Blondinen, und die Besetzung ergibt sind: immer Ärzte, Lehrer, Redakteure oder Werbeleute (Frauen mitgemeint).

Gruselig war es schon: diese Kapuzengestalt, die anonymen Briefe, Mails und Botschaften. Mein Buchhändler Marc wusste, wie er sagte, sofort, dass es die Ärztin war; ich hingegen war überrascht. Ich hatte immer nur fasziniert Saschas Lächeln gesehen, mit der er die Ärztin anschwärmte. (Ich begeisterte mich immer für coole Frauen. Fehler. ) Ich hätte wissen sollen, dass die Schuldige immer die andere Frau ist, und sie war auch blond wie alle drei weiblichen Hauptfiguren. Hitchcock hatte auch immer Blondinen im Programm, und in Psycho (1960) trauert er nicht lange über die schöne Janet Leigh, sondern bringt ihre blonde Schwester ins Spiel (Schauspielerin: Vera Miles).  

Ach, und Sascha (Charly Hübner), der gutmütige Kommissar, den man einfach mögen muss! Er ahnt nicht, dass seine Frau eine Affäre mit seinem Freund und Kollegen hat, schickt der Täterin Blumen und lässt sich, noch bevor es ihm gelingt, sie zu verführen, entführen, vor der eigenen Haustür noch dazu, in völlig nüchternem Zustand … das hat Dampfnudel-Qualität. Vielleicht täten Sascha vier Wochen Nachhilfe in Landshut gut. Er würde einen guten bayerischen Kommissar abgeben, bloss daad eahn hoit oana synchronisiern miassn.

Ein Kommentar zu “Bestrafte Lehrer”

  1. Peter Raffler

    Hi Manfred,
    da muss ich wohl wieder mal mehr Krimis gucken um vorbereitet zu sein auf das, was Lehrern offenbar so passiert! Was das Erraten des Täters oder der Täterin angeht: Bei deutschen Serienkrimis fehlt mir da etwas die Erfahrung, bei Agatha Christie hingegen ist es oft recht einfach: Such dir denjenigen (oder diejenige) aus, der ein absolut wasserdichtes Alibi hat. Der war’s. Wenn es zwei sind, dann sind sie Komplizen – siehe „Tod auf dem Nil“. Schwierig wird’s nur, wenn ALLE ein wasserdichtes Alibi haben (z. B. in „Das Böse unter der Sonne) und auch gleich noch ein Motiv dazu … da geht dann die Raterei los.

    Gruß,
    Peter

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