Das Licht

Auch eine alte Platte von Peter Gabriel hatte ich bei meiner Schwester mitgenommen, ach, Gabriel, sieben Jahre minus zwei Tage älter als ich, Sänger der alten Genesis, deren Lamb on Broadway (1974) immer noch mein Lieblingsalbum bleibt … Aber mein Lieblingssong war nicht auf der Platte, und wie hieß er gleich? Denk mal nach.

Da war irgendwas mit den Augen, etwas wie James Bond, For Your Eyes Only, und auf der Radfahrt nach Freiburg dachte ich daran, und plötzlich wusste ich den Titel, mein Gehirn funktioniert: In Your Eyes. Am Abend hörte ich dann drei Versionen des Songs auf Youtube, und am besten sind natürlich die 11 Minuten eines Konzerts in Italien (er sagt ja Grazie a tutti). Das ist hymnisch und unvergesslich. 2004 in Rom habe ich ein Konzert mit ihm miterlebt, kurz vor meinem Abschied aus der Ewigen Stadt, da hat er es auch gesungen.  

In your eyes / The light, the heat / In your eyes / I am complete / In your eyes / I see the doorway / To a thousand churches / In your eyes / The resolution / In your eyes / Of all the fruitless searches … Oh, I see the light and the heat / In your eyes / Oh, I want to be that complete/ I want to touch the light / The heat I see in your eyes.  

Eindringendes Licht. Unser Wohnzimmer in St. Gallen, damals

Das Licht. Am selben Tag kam eine Mail von White Crow Books zu mir und verriet mit, dass Annekathrin Puhle aus Berlin (ich kenne sie flüchtig; da fällt mir der kürzlich verstorbene Peter Kurzeck ein, der Lesung las: »ein Flüchtling, den ich flüchtig kannte«) im Januar das Buch Light Changes: Experiences in the Presence of Transforming Light veröffentlicht hat.  

Da geht es um Erfahrungen von Menschen, die ein Licht sahen und danach sich verwandelt fühlten. »Geh ins Licht«, sagt Melinda, die entzückende Jennifer Love Hewitt (Love als zweiter Vorname!), die Ghost Whisperin, der oder die Verstorbene solle sich zum Licht hin orientieren; dann kann er/sie in ihm verschwinden und in eine andere Dimension gleiten. Er/sie muss es wollen und muss sich dem grellen Licht stellen, muss abschließen mit der irdischen Existenz, denn anders ist kein Neubeginn möglich.  

Licht in St. Gallen

So erklären sich auch, denke ich, die mysteriösen, erschreckenden Bilder aus dem Tibetischen Totenbuch. Da taucht jeden Tag nach dem Tod ein furchtbarer Gott auf mit strahlendem Licht, mal grün, mal rot, mal blau, und es wird gewarnt: Drück dich nicht, nimm nicht den bequemen Ausgang, rein ins volle Licht! Wenn du dich ins matte Licht schleichst, kommt morgen der nächste Dämon. Das gilt auch für diese Welt: Man muss sich bewusst werden, was los ist und sich dem Problem stellen, sonst verfolgt es einen ewig, und man findet keine Ruhe.  

Lichterscheinungen deuteten immer auf eine Seele hin, und im Todeskampf tritt manchmal ein Lichterball aus. Die Lichter, die von UFOs (Unidentifizierte Flugobjekte) ausstrahlten, konnten die Zeugen hypnotisieren und bei ihnen einen Bewusstseinswandel herbeiführen; kürzlich dachte ich mir, dass UFOs, die ja zu 90 Prozent in der Nacht gesehen werden, vielleicht doch, wie schon Carl Gustav Jung gemeint hat, Signale aus dem Innenraum des Menschen sind.  (Illustration: aus einer russischen UFO-Zeitschrift.) Die Zeugen rufen dann, beeinflusst durch das Licht, zu einer Umkehr auf, und wie früher Engel und Heilige in Visionen zu einem Leben in Gott ermahnten, waren es in den vergangenen Jahrzehnten Geräte am Himmel, die Mahnungen hervorriefen, die sonst nicht gehört würden. (Aber sie werden immer überhört.) Ja, das Licht, das überall ist und an die schöpferische Kraft erinnert, dessen Bote es ist. Darum wünscht manipogo im März allen viel Licht!  

 

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