Bertolt Brecht

Vor ein paar Wochen hatte ich etwas in Augsburg zu erledigen, und bei dieser Stadt wäre neben deren erstklassiger Fußballmannschaft Bertolt Brecht zu nennen, der daselbst am 10. Februar 1898 geboren wurde (ich an einem 11. Februar). Ich hatte auf der Bahnfahrt den Band Hundert Gedichte (von Brecht natürlich) dabei.

Brecht hat im Verlauf seines nicht allzu langen Lebens (mit 58 ging er davon) 2500 Gedichte geschrieben, und er zählt zu den grössten Lyrikern des 20. Jahrhunderts.

Das Gedicht Vom armen B. B. fängt so an:

Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern.
Meine Mutter trug mich in die Städte hinein
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die Kälte der Wälder
Wird in mir bis zu meinem Absterben sein.

Vers 4:

In meine leeren Schaukelstühle vormittags
Setze ich mir mitunter ein paar Frauen
Und ich betrachte sie sorglos und sage ihnen:
In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.

 

Konnten sie aber doch, denn Brecht war ein treuer Mensch. Seine Frau Helene Weigel soll einmal gesagt haben: »Brecht ist sehr treu, aber zu zu vielen.« Er hatte ein paar Groupies, die um ihn waren und auch in seine Familie eindrangen, und Brechts Tochter gefiel das nicht, sie sagte sogar, diese Frauen hätten seinen Vater zehn Jahre ihres Lebens gekostet.

Der große Stückeschreiber ging ins Exil, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd, und kehrte nach dem Krieg zurück – in die DDR. Mit seinem epischen Theater wurde er in Berlin berühmt. Seine jungen Schauspieler, die er präzise und fürsorglich führte, sollten die Personen, die sie verkörperten, nicht sein, sondern sie sollten zeigen. Der Abstand von Schauspieler und Rolle, die Verfremdung, sollte den Zuschauer zu Einsichten bringen.

1956 starb Bertolt Brecht dann überraschend in Berlin. In seinem letzten Gedicht schrieb er noch:

Als ich in weißem Krankenzimmer der Charité
Aufwachte gegen Morgen zu
Und eine Amsel hörte, wusste ich
Es besser. Schon seit geraumer Zeit
Hatte ich keine Todesfurcht mehr, da ja nichts
Mir je fehlen kann, vorausgesetzt
Ich selber fehle. Jetzt
Gelang es mir, mich zu freuen
Alles Amselgesangs nach mir auch.

 

 

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