Fotografieren

Vergangenes Wochenende war Lange Kunstnacht in Landsberg am Lech, und lange heißt in Landsberg: von 18 bis 23 Uhr. Viele Ausstellungen von Malern gab es, aber fast noch mehr Foto-Ausstellungen. Fotografieren tun viele.

Es ist ein höchst beliebtes Hobby heute. Kauf dir eine Kamera, drück hundert Mal ab, und du fühlst dich schon wie ein Profi. Sieht alles echt aus. Und wahr. Klar, in diesem Zeitalter des Realitätssinns und der kurzen Aussagesätze muss das Fotografieren das Malen überholen. »Nichts ist spannender als die Realität«, sagte der Journalist Egon Erwin Kisch. Vielleicht ist man auch gerade dabei, wo was passiert; dann kann man das Foto oder Filmchen sogar verkaufen.

Man glaubt, dass das, was man sieht, alles das ist, was ist. Das Sein erschöpft sich im Seienden; nur das Licht ist manchmal anders. Meine Motivwahl und der Blickwinkel sind mein künstlerischer Beitrag, und so kann es vorkommen, dass zwei Leute dieselbe Stadt so fotografieren, als seien es zwei unterschiedliche Städte.

Das ist aber selten. Es gibt einen unausgesprochenen Kodex der Urlaubsfotografie, und unser Umgang mit den visuellen Medien, unser Konsum prägt unser eigenes Sehen. So sieht dann alles wieder austauschbar aus.

Und woher kommen Lob und Bestätigung? Von den Mitreisenden und den engsten Angehörigen, und man kann selber ja auch toll finden, was man abgelichtet hat. Man kann auch einen Foto-Blog gründen, doch meist bleibt es beim Fotografieren für den Hausgebrauch. Und viele werden im September mit Tausenden Digitalfotos aus dem Urlaub zurückgekehrt sein.

Schon 800 Fotos sind nur mühevoll zu sichten; fotografieren und die Bilder speichern ist leicht, nie war es leichter. Wo man früher nachdachte, bevor man abdrückte, macht man heute schnell vier oder fünf Fotos, dann hat man sie im Kasten, jedoch fängt die Arbeit des Auswählens dann erst an. Ja, Kunst macht Arbeit, und nichts wird einem geschenkt. Heute besteht die Lebenskunst darin, aus einem überbordenden Angebot auszuwählen und – beherzt wegzuwerfen.

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