Ins offene Grab schauen

Wollten Sie nicht immer schon einmal wissen, was eine Bestattung in Zürich kostet? Besser nicht; die Auskunft könnte zum sofortigen Herztod führen. Aber diese Frage wird neben vielen anderen in der heutigen Eröffnungsfeier des Friedhof Forum auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld erörtert, das künftig der Bevölkerung für alle Fragen rund um den Tod zur Verfügung steht. Da ich nicht dort sein kann, habe ich das Thema nach den Unterlagen behandelt, also »kalt«: kalt wie der Tod, huhu.

Das Sihlfeld ist ein riesiger Friedhof, und auf dem Stadtplan gesehen, passt in ihn die ganze historische Altstadt vom Hauptbahnhof bis zum Großmünster hinein, von der er vielleicht eineinhalb Kilometer westlich liegt. Sogar ein Shuttlebus von Gräberfeld A zu D ist nötig. Die zentralen Friedhöfe von Chicago, Hamburg oder Rom (Campo Verano) sind sicher größer, aber verlaufen kann man sich auf dem Sihlfeld auch. Ich hatte Anfang September Plakate gesehen, auf denen stand Was kostet der Tod? und Die letzten Minuten, und das hatte mich aufmerksam gemacht. Es ging um das Friedhof Forum.  

Grab auf einem chilenischen Freidhof

Das Forum liegt in der ersten öffentlichen »Leichenhalle« der Stadt Zürich, im Westflügel des Torgebäudes an der Aemtlerstrasse. Als »Service- und Kulturzentrum des Bevölkerungsamtes« wird es sich künftig mit Fragen rund um den Tod befassen. Jeder kann hingehen, denn: »Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung zu Fragen rund um den Tod hat in den letzten Jahren zugenommen.« Was könnten wir bei der Eröffnung erfahren?

Möchten Sie einmal in ein offenes Grab schauen und erfahren, wie eine Bestattung vor sich geht?  —  Unterhalten Sie sich mit einem Bestatter über seine Arbeit und lassen Sie sich die Details eines Bestattungwagens erklären. — Wollen Sie wissen, was eine Bestattung in Zürich kostet? Und wie Sie sich darauf vorbereiten können? (Sparen.) — Grabmalobjekte, die Geschichten erzählen. — Kinder ab 5 Jahren hören eine Geschichte aus Japan und basteln Kraniche.Bestattungsformen in verschiedenen Religionen.

All das ist hübsch und interessant, schön gruselig und … völlig irdisch – wie auch der deusche Bestatterweblog, der derzeit etwas darniederliegt. Alles rund um den Tod gehört auf Erden noch zum Leben, ist Abwicklung, Geschäft, Erledigung und auch Entledigung. Man entledigt sich des Nachrufs und nimmt Abschied. Dennoch ist da in aller Mitten dieses schwarze Loch: Wo sind sie jetzt, die Verblichenen? Sind sie unwiderruflich fort? Wo sind sie? Das wird uns das Friedhof Forum auch nicht sagen können, das ist Sache der Theologie. Vielleicht interessiert es auch keinen. Wir machen ja weiter, sind einstweilen verschont, verlassen den Shuttlebus, gehen zum Essen. 

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Aber diese Sehnsucht! In Stralsund nahm ich in einer Kirche ein Blatt mit, auf dem ein Kirchenlied stand, das sie unvergleichlich wiedergibt.

Lasst mich gehn, lasst mich gehn,
dass ich Jesum möge sehn!
Meine Seel ist voll Verlangen,
ihn auf ewig zu umfangen
und vor seinem Thron zu steh’n.

Süßes Licht, süßes Licht,
Sonne, die durch Wolken bricht:
O wann werd ich dahin kommen,
dass ich dort mit allen Frommen
schau dein holdes Angesicht.

Ach wie schön, ach wie schön,
ist der Engel Lobgetön!
Hätt ich Flügel, hätt ich Flügel,
flög ich über Tal und Hügel
heute noch nach Zions Höhn.

Wie wird’s sein, wie wird’s sein,
Wenn ich zieh in Salem ein,
in die Stadt der gold’nen Gassen!
Herr, mein Gott, ich kann’s nicht fassen,
was das wird für Freude sein!

Paradies, Paradies,
wie ist deine Frucht so süß!
Unter deinen Lebensbäumen
wird’s uns sein als ob wir träumen.
Bring uns, Herr, ins Paradies.

 

 

   

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