Fernando Pessoa

Ich kann nur so viel Portugiesisch,wie aus dem Spanischen abzuleiten ist. Wenn ich die Sprache lernen wollte, dann nur, um Fernando Pessoa im Original lesen zu können. Oder José Saramago (1922-2010). Er hat Pessoa ein Buch gewidmet und erhielt 1998 den Literatur-Nobelpreis, ging auf der Buchmesse damals an mir vorbei. Todos os Nomes (Alle Namen) zählt zu meinen Lieblingsbüchern.  

In dem Buch Weltsprache Portugiesisch ist ein Gedicht von Pessoa abgedruckt, der die schönsten Gedichte seiner Sprache  geschrieben haben soll. (Für spanischsprachige Gedichte gibt es ja die Seite poesi.as, auf der man nach Autoren und Ländern suchen kann, und Machado und Quevedo sind Autoren, die immer die Lektüre lohnen. Von beiden gibt es zwei: Manuel und Antonio Machado, Francisco und Andrés Quevedo.)

Fernando António Nogueira Pessoa, geboren 1888 und gestorben 1935 in Lissabon, war einer der produktivsten und verwirrendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Berühmt ist sein Buch der Unruhe geworden. Ich wusste, dass Pessoa oft unter Pseudonym schrieb und es ein paar Namen gegeben hatte, sieben etwa. Doch dann stand in der englischen Wikipedia, er habe mindestens 72 verwendet, die er Homonyme nannte, und nicht weniger als 81 sind in einer Tabelle aufgeführt!

Da glaubt man gern, dass Fernando Pessoa unter einer Identitätskrise litt, medial begabt war, das Automatische Schreiben pflegte und alles verschlang, was irgendwie mit Okkultismus zu tun hatte. Er soll gesagt haben, dass er die Personen, unter deren Namen er schrieb (und die er erfunden hatte), im Spiegel sah: Wie sich ihr Antlitz auf das seine legte. Oder dass ihm sozusagen diktiert wurde.

Die drei am häufigsten verwendeten Namen lauteten Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Âlvaro de Campos. Von Caeiro und de Campos erschienen auch Gedichtbände, und wir wissen nicht, von wem genau das nachfolgende Gedicht stammt. Darunter steht Fernando Pessoa, um die Leserinnen und Leser nicht zu verwirren. Eigentlich egal, wie der Autor heißt.

Es ist ein wunderschönes Gedicht, das man auch nicht übersetzen muss. Der Anfang lautet etwa: »O gesalzenes Meer, wieviel von deinem Salz / sind die Tränen Portugals!« Wieviel haben wir gekämpft, bis du unser wurdest! Hat es sich gelohnt? (Valeu a pena?) Alles lohnt sich. (Tudo vale a pena.)

Mar português

O mar salgado, quanto du teu sal
Sâo lágrimas de Portugal!
Por te cruzarmos‚, quantas mães choraram,
Quantos fi
lhos em vão rezaram!
Quantos noivas ficaram por casar
Para que fosses nosso, ó Mar!

Valeu a pena? Tudo vale a pena,
Se a alma não é pequena.
Quem quer passar além do Bojador,
Tem de passar além da Dor.
Deus ao mar o perigo e o abismo deu,
Mas nele é que espelhou o Céu.

 

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