Messen und Bauen und heilige Zahlen

Albrecht Kottmann war ein in Stuttgart tätiger Ingenieur, der im Selbstverlag kleine Bücher herausbrachte, die sich mit dem Messen und dem Bauen in der Vergangenheit beschäftigten. In Stuttgart vertiefte ich mich in Kottmanns Arbeiten, der stets mit einem Metermaß durch Kirchen gelaufen sein soll.

Bevor man bauen kann, muss man messen können. Kottmann wies nach, dass die Ägypter schon zwei Ellen kannten. Die kurze Elle war 33,33 Zentimeter lang. Drei Ellen sind unser heutiger Meter, und Elle heißt ja auch ein Knochen zwischen Ellbogen und Handgelenk (der andere ist die Speiche). Die lange Elle maß 52,36 Zentimeter. Anhand der Kirche San Giorgio di Valpolicella wies Kottmann nach, dass die Langobarden ein weiteres Längenmaß hatten, den pes Liutprand, also den Liutprand-Fuß (der König herrschte von 712 bis 744), der 28,6 Zentimeter lang war. Viele Maße in San Giorgio im Etschtal sind durch 28,6 teilbar. (Illustration: Plan unserer ehemaligen Wohnung in Rom)

Nicht erst seit Pythagoras verehrt man die Zahl. 365 ist 5 x 73, und die Umkehrung von 73, die 37, war eine der Glückszahlen der Antike, ebenso wie die 19, denn nach 19 Jahren fielen die Umläufe des Mondes wieder auf dieselben Tage des Sonnenjahrs.

40 und 70 war den Ägyptern heilig, 666 war eine weitere Glückszahl der Antike. Sie ergibt sich durch 9 x 74, und die Umkehrung, 47, ist in 4711 Kölnisch Wasser und in der Boeing 747 verborgen, meint Kottmann. Der französische Esoteriker Papus wies darauf hin, 4, 7, 10, 13, 16 und 19 seien nur Abwandlungen der Einheit, weil deren Quersumme stets 1 ergibt (bei 4 rechnet man 1+2+3+4 = 10 = 1)

Er schreibt noch: »69 und 39 müssen als fast vollkommene Zahlen von Bedeutung gewesen sein.« Da fällt mir ein, dass unsere Autonummer auf Teneriffa (der Peugeot 208) so lautete: 6939 HYL. Perfekt. Hyl, das ist natürlich die hyle des Aristoteles, die Materie, die das Auto ist. Als wir eines Morgens beim Frühstück über Gott sprachen (ich tat es), trug das erste Auto, das mich und mein Rennrad überholte, die Nummer 3602 GOD. Wieder perfekt.

Weitere Erkenntnis Kottmanns: Die Ägypten und die Griechen kannten nur Säule und Balken, die man kombinierte. Es entstanden so Säulenwälder mit daraufgelegten Balken und Dächern. Die Römer übernahmen von den Etruskern, die sie unterwarfen, die Kunst der Wölbung. Die Kuppel des Pantheon und die vielen Kuppeln der Hagia Sophia entstanden so.

Pont du Gard, römisches Bauwerk

Erben der Römer waren Germanen, Romanen und Slawen, Araber, Türken, Perser und Russen. Sie beerbten verschiedene Teile des Römischen Reichs mit unterschiedlichem Entwicklungsstand, was die Unterschiede ihrer Baukunst erklärt. Kottmann: »Während der Völkerwanderung zerfiel das Römische Reich. In Konstantinopel (Ostrom) blieben die Imperatoren an der Macht, in Rom, später in Mailand und Ravenna, starb das westliche Imperium. Beerbt wurde es von den Päpsten.«Nach der italienischen Unabhängigkeit, 1870 erst, war es dann mit der Macht der Päpste vorbei.

La Saracena, ein Haus in Santa Marinella

Eine gewisse Versöhnung zwischen Ost und West erreichten die Sachsen Otto I. und der II. sowie (nach den grausamen Kreuzzügen) die Staufer. Kaiser Friedrich II. siedelte Tausende Sarazenen in seiner Nähe an und liebte die arabische Poesie, und auch sein Sohn Manfred, der König von Sizilien, wurde von den Arabern geliebt.

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