Präkognition bei den Tuareg

Der Abenteurer, Filmemacher und Autor Douchan Gersi (geboren 1947 in der Slowakei als Dušan Gersi) ist sogar von Steven Spielberg als der echte Indiana Jones bezeichnet worden. Von Gersi gab es an der Universitätsbibliothek das Buch Faces in the Smoke (1991), das mich begeisterte. Gersi wuchs im belgischen Kongo auf und verbrachte seine Jugendzeit in Belgien, lebte fünf Jahre auf Haiti und ist derzeit auf Bali ansässig. Es schwindelt einem, wenn man die Liste seiner Filme ansieht. Man meint, einer bräuchte mehrere Leben, um diese vielen, oft geheimen Zeremonien und Rituale in allen Ecken der Welt mitzuerleben und filmen zu können. Seine Forschungen trieben den Slowaken auch in die Wüste, die er mit poetischer Dichte schildert.

»In dieser magischen Wüste, in der das Leben nur einer langen, letztlich tödlichen Krankheit gleichen will, leben die Tuareg — ein Volk, das stets plötzlich aus einer Welt aufzutauchen scheint, die nicht die unsrige ist. … Ihre Gesichter werden von vier Meter langen weißen oder blauen Schleiern bedeckt, die nur die stechenden Augen sehen lassen. … Sie werden die blauen Männer der Sahara genannt.«

Tuareg, fotografiert von mir, 1978

In ihrer Einsamkeit erleben sie präkognitive Episoden.  Eines Tages sagte Oizek zu Douchan: »Die Karawane kommt bald.« Woher er das wisse? Aischa habe es ihm gesagt. Sie könne mit ihrem Ehemann telepathisch kommunizieren. Seit zwei Tagen sei sie nervös und beobachte den Horizont. Die Karawane war vor drei Monaten aufgebrochen und sollte in wenigen Wochen oder in zwei Monaten eintreffen.

Gersi fragte Aischa, die erklärte: »Ich habe meinen Mann im Morgenwind gerochen.« Dann stieg sie auf den Hügel und roch die Brise und meinte, heute Abend werde er kommen. Um fünf Uhr am nächsten Morgen wird Douchan sacht geweckt. Aischas Ehemann war gekommen, aber alleine. Die Vermutung, die Karawane werde kommen, hatte sich als trügerisch erwiesen. Der Eindruck war richtig, doch man darf nichts hinzu interpretieren.

Ψ Ψ Ψ

Diese Präkognitionsgeschichten (wie die von vorgestern) lassen mich nicht los. Und als ich auf meiner Reise in Vevey war und das Grab von Graham Greene suchte, geriet ich an einen jungen Mann mit schwarzem Anzug — den Verwalter eines Hauses, das der berühmte Architekt Le Corbusier an der Seefront erbaut hatte. Ich fragte nach dem Friedhof, er zurück: »Wegen Graham Greene?«

Sofort war er wieder da und zeigte mir ein Buch über die Jahre Greenes in Vevey, und in dem Buch deutete er auf ein Bild des Autors und sagte, als sage er das nur für mich: »Es gab einen, der Graham Greene ähnlich sah, ein Betrüger. Er erkundigte sich, wohin Greene reisen würde und fuhr vorher dorthin, spielte seine Rolle. Als der echte Greene kam, fragte der Hotelbesitzer: ›Aber Sie waren doch schon hier?!‹« Das erinnert schon stark an den letzten Beitrag, die Aussendung von Gedankenformen, oder?

Einen Kommentar schreiben: