Flugverkehr (43): Skifliegen in Vikersund

In Norwegen fiel Jan eines Morgens ein, wir könnten nach Vikersund fahren. Sportbegeisterte kennen diesen Namen: Da fliegen die Skispringer, da wird Skifliegen betrieben, und die tollkühnen Männer kommen 100 Meter weiter als die Springer. Der Weltrekord liegt bei 251,5 Metern, aufgestellt in Vikersund von dem Norweger Anders Fannemel am 15. Februar 2015.

Von 12. bis 15. Februar 2016 findet dort wieder ein Weltcup statt. Die Zuschauer hoffen auf einen neuen Weltrekord. Es hat ja kein Ende mit der Weitenjagd, auch wenn der Weltverband gern eine Bremse einbauen möchte, wie es der Fahrradweltverband tat, als der Schotte Graeme Obree mit einer abenteuerlichen Konstruktion den Stundenweltrekord von Francesco Moser verbesserte – übrigens in Norwegen, in Hamar 130 Kilometer nördlich von Oslo.

Vikersundbakken: Blick nach oben

Also gab er neue Regeln heraus, denn man will zwar Rekorde, doch zu den eigenen Bedingungen. Das ist wie bei der katholischen Kirche, die zwar von Gottes Allmacht spricht, aber Wunder nur zähneknirschend zur Kenntnis nimmt, sie am liebsten gar nicht hätte. Man will Kontrolle.

Vikersund liegt nicht weit von Drammen, es war vielleicht eine halbstündige Autofahrt. – Jan und ich und eine Kleinfamilie aus Leipzig waren zunächst die einzigen unten an der Anlage, später kamen noch acht andere Touristen dazu. Das Informationsgebäude war geschlossen. Direkt rechts neben der Sprungschanze führen kleine eiserne Treppenstufen nach oben, und frühere Wanderer hatte sie durchgezählt. Die Leipziger machten sich als erste an den Aufstieg, wir stiegen bei Nummer 500 ein und stiefelten eisern hoch.

Der Auslauf mit Rekordmarke links unten

Detail daraus: rechts Jan, ganz klein

Etwa bei Treppenstufe 1050 stand man neben dem Punkt, an dem sich der Flieger in die Tiefe gleiten lässt. (Kommt auf einem Foto nicht so rüber, zudem war die Batterie meines Fotoapparats erschöpft.) Es ist irre. Unten vielleicht 50.000 Zuschauer, eingeschaltete Fernsehkameras, der Sportler schiebt sich heran, bekommt vermutlich ein Signal und gibt sich den entscheidenden Schub, nach dem es kein Zurück gibt. Er wird wie hypnotisiert auf den Punkt achten, wo die Schanze abbricht, denn exakt da muss sich sein Körper straffen und sich in die Flugphase begeben.

Vor 40 Jahren, Anfang März 1976, verbesserte Toni Innauer aus Österreich in Oberstdorf den Rekord auf 176 Meter. Seither kamen die Flieger noch einmal ein Drittel weiter. Die zehn weitesten Sprünge, die über 240 Meter, wurden allesamt auf der Vikersund-Schanze erzielt, dem Vikersundbakken. Den Weltcup im Februar nächsten Jahres sollte man sich vielleicht vormerken.

Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 10. September 2015 um 00:33 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Flugverkehr zu finden. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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