Flugverkehr (117): Mit Geistesschnelligkeit

Vor zwei Wochen, also noch vor Ostern, fiel mir eine Passage aus dem Gottesdienst auf. Der Dienstag nach dem Passionssonntag war es; die Katholiken haben vor Ostern jeden Tag  Evangelium + Lesung, und bei den Geschichten aus dem Alten Testament geht es immer um Heilung oder Errettung aus Todesnähe (im Vorgriff auf Jesu Auferstehung). Also: Daniel wurde verleumdet und in die Löwengrube geworfen. Sechs Tage taten die hungrigen Löwen ihm nichts, und auch er war hungrig. Da griffen die Engel ein.

Der Prophet Habakuk hatte ein Mus gekocht und garnierte es mit Brotstückchen. Das wollte er den Schnittern auf dem Feld bringen. Der Engel des Herrn sagte nun dem Habakuk, er möge das Essen Daniel in die Löwengrube bringen. Der Prophet hatte anscheinend keine Lust auf diesen anstrengenden Auftrag und versuchte sich herauszureden: Er sei nie in Babylon gewesen, und die Löwengrube kenne er natürlich auch nicht. Was passiert?

Da ergriff ihn der Engel des Herrn beim Schopfe, trug ihn an den Haaren seines Hauptes fort und setzte ihn mit Geistesschnelligkeit in Babylon oberhalb der Grube nieder.

Daniel freute sich, dass der Herr ihn nicht vergessen hatte, nahm das Mahl an sich und verzehrte es.

Der Engel Gottes aber brachte Habakuk alsbald wieder in seine Heimat zurück.

Husch, und vermutlich wieder am Schopfe! Das wird wehgetan haben. Hatte Habakuk aber nicht anders verdient, da er sich um den Auftrag herummogeln hatte wollen. Anders handeln »rechtgläubige Dämonen« in den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht: Sie tragen ihren Kandidaten auf Händen. Eine Dämonin pries die Schönheit des im Friedhof schlafenden Bedr al-dîn, und sie bat einen Dämonenbruder, unter den Jüngling zu kriechen und ihn emporzuheben.

Darauf hob er ihn vom Boden auf und flog mit ihm davon in die Lüfte; die Dämonin aber hielt sich eng an seiner Seite …

Der Jüngling heiratet in Kairo, und nach der Hochzeitsnacht sagt der Dämon zur Dämonin, sie möge für den Rückweg unter den jungen Mann gleiten.

Da schwebte sie hin und glitt unter den Saum seines Hemdes, während er schlief, hob ihn auf und flog mit ihm fort … während der Dämon ihr zur Seite war.

Doch der Morgen überraschte sie, und Engel warfen einen feurigen Stern auf den Dämonen, der verbrannte. Die Dämonin entkam.

Und wie es im Geschick vorherbestimmt war, kamen sie nach Damaskus in Syrien; da legte die Dämonin ihn an einem der Stadttore nieder und flog davon.

Anscheinend hilft es einem nicht, rechtgläubig zu sein, wenn einen die Engel nicht leiden können. Die Dämonin verliebte sich wohl in den Jungen und war deshalb so fürsorglich. In den Märchen verlieben sich auch manchmal Feen in Menschen und heiraten sie, und dann verschwinden sie auf einmal. Überhaupt kennen wir die Unterscheidung zwischen Dschinns und Dämonen nicht genau, die Dschinns habe ich einmal vorgestellt.

Astralreisende schildern manchmal, dass ihnen jemand beim Austreten aus dem Körper behilflich ist, ihnen wortwörtlich unter die Arme greift. Der Flug selber funktioniert wohl nach der Art des Autopiloten: Der Reisende hat sich ein Ziel vorgenommen, und der Geist trägt ihn dorthin, und manchmal wird er dort schattenhaft erblickt, sodass man meinen könnte, ein Engel habe ihn getragen. Zuweilen erscheint jemand auch an einem entfernten Ort, was Bilokation heißt. Von Pater Pio erzählt man sich das. Sollte ich eigens behandeln.

 

 

 

 

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