Bomben auf Bagdad

Es war vor zehn Jahren, dass US-Truppen in Irak einfielen, um das Land von Saddam Hussein zu befreien, wie die offizielle Lesart hieß. Die Lage dort spielt durchgängig in meinem Roman Mörderisches Rom von 2006 eine Rolle, dessen Geschehen eine Woche im März 2003 einnimmt. Aus den Buch kann ich nun zitieren:

»Ich ziehe mich an und schleiche mich hinaus. Kaufe vier Cornetti, eine Flasche Milch und hole mir von einem Kiosk ums Eck nach der Enttäuschung von gestern ›La Repubblica‹. Die Titelseite ist nicht zu übersehen. Freitag, einundzwanzigster März. Die Amerikaner haben den Irak angegriffen. Bomben auf Bagdad. Wir wissen es seit gestern abend. 250.000 US-Soldaten sind im Land.  

Auf der Mitte der Titelseite ist ein Reuters-Foto abgedruckt. Eine riesige schwarze Rauchwolke, die vom Boden, von einem getroffenen Panzer oder einem Ölfeld aufsteigt, deckt fast 80 Prozent des Bildes ab, zieht sich nach rechts oben. Der Erdboden – die Wüste – ist leicht schräg aufgenommen, das gibt dem Foto etwas Irreales. Wie der Mondboden, der Marsboden wirkt die Oberfläche, wie feindliche, fremde Welt; ein gepanzertes Gefährt fährt rechts. Dieses Foto heißt: Krieg. Wüstenkrieg.

Die ersten zehn Seiten gehören diesem neuen Spektakel. Auch Chiaras Boss ist abgebildet, der aalglatte kühl-schöne Mann, und er findet das alles ganz richtig und steht hinter der Linie der Amerikaner. Fein. Das wäre das. Nun geht, weltpolitisch betrachtet, das Licht über dem Schwarzen Kontinent aus. Denn jetzt dreht sich vermutlich alles jahrelang nur noch um den Nahen Osten. Armes Uganda.« 

Illustration: Rolf Hannes

 

Die Amerikaner haben Mitte Dezember ihre letzten Kampftruppen aus Irak abgezogen, und dann explodierten dauernd Bomben wie zuletzt Mitte Februar. Seit dem Abzug der US-Truppen sind 5000 Menschen bei Attentaten ums Leben gekommen, und ob es eine funktionierende Regierung gibt, weiß man nicht. Der UN-Sonderbeauftragte Martin Kobler ist pessimistisch für die Zukunft, wie er in einem Interview der FAZ sagte.

Die Geschichte mit Saddam hätte natürlich ein schlimmes Ende genommen, so oder so. Ein starker Diktator ist den internationalen Politikern recht, der hält interne Konflikte unter Kontrolle. Aber wenn es sie gibt, werden sie ausbrechen, denn einmal stirbt auch der mächtigste Boss. Die Aufgabe, in ihrem Land Frieden zu schaffen, kann den Irakern keiner abnehmen.  

Auch mit Syriens Machthaber wird es ein schlimmes Ende nehmen. Nun dauert die Agonie des Regimes schon zwei Jahre und hat 60000 Menschenleben gefordert. Obama hätte die Rebellen bewaffnen können, seine Außenministerin und deren Vize waren dafür, aber er wollte sich wohl nicht gegen Russland und China stellen und auch keinen neuen, wenn auch nur indirekten Kriegsschauplatz eröffnen. Wenigstens »nicht tödliche« Ausrüstung soll die Opposition erhalten, wie es Ende Februar hieß.  Auch die EU denkt über solche einen Schritt für den Mai nach.

Trotzdem werden wohl noch einmal 10000 Menschen sterben, bis Assad endlich im Herbst seinen Platz geräumt haben wird. Am 8. März widmete Laura Boldrini, die neue Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer, den leidenden syrischen Frauen einen Blog-Beitrag, italienisch zwar, aber wichtig.   

 

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