Conchita zeigt alles

Das Buch über Alec Harris, bei dessen Séancen sich von 1940 bis 1970 Geister materialisierten, ist nun fertig übersetzt. Und seit einer Woche ist es schon bei Ann Harrison, der Verlegerin in Spanien. Nach dem Buch von Tom Harrison also nun das von Louie Harris. Und nun ein wenig Erotik.

Alec saß immer auf einem Stuhl hinter einem Vorhang, im »Kabinett«. Die Teilnehmer beten und singen bei rotem Licht. Aus den Körperöffnungen des Mediums in Trance tritt eine hauchfeine Substanz, das Ektoplasma, und in das kleiden sich die Geister ein. Dann kommen sie aus dem Kabinett, sind solide wie wir und man kann sie berühren und ihnen sogar den Puls fühlen. Wie das möglich ist, weiß ich auch nicht. Es geht nur, weil kundige Geistwesen die Substanz verändern. Das wäre ein Gebiet für die Wissenschaft gewesen, aber die Herren waren sich immer zu fein dazu. Gibt es doch nicht! 

Louie Harris hat das Buch geschrieben. Sie lebte von 1900 bis 1989, und ihr Mann Alec, das wunderbare Medium, von 1897 bis 1974. Erst hatten sie ein Haus in Cardiff (Wales), später ließen sie sich in Südafrika nieder. Nun zitiere ich aus meiner Übersetzung: 

»Grahame Watkins war unserem Zirkel durch seine Frau Marjorie vorgestellt worden, einer hervorragenden Pianistin. Ich wurde mit ihr bekannt, als sie im Continental Restaurant, wo ich die Violinistin war, Klavier spielte. Da sie oft mit ihrer Musik unterwegs war, konnte sie nur selten am Zirkel teilnehmen. Grahame wurde einer unserer regelmäßigen Mitglieder, dem wir vertrauten.  

Seine Führerin war eine spanische Tänzerin, die Conchita hieß, was wir liebevoll zu ‚Chita’ verkürzten. Sie war eine perfekte Frau. Das Medium, Alec, war natürlich ein Mann, und nun berichtete Grahame davon, wie es gewesen sei, als Chita auf seinem Knie gesessen und ihren Arm um ihn gelegt habe.  ’Sie ist ohne Zweifel eine Dame!’ kommentierte Grahame das. ’Aber sie ist viel leichter als eine Frau mit Körper’, sagte er uns.  

Conchita war delikat und außergewöhnlich feminin proportioniert. Sie materialisierte sich immer mit gleitenden, durchsichtigen Kleidern. Sie trug einen feinen Schleier aus dünnem weißen Ektoplasma. Chita schien ihre geistige Energie perfekt kontrollieren zu können. Nicht nur konnte sie ihre materialisierte Gestalt beträchtliche Zeit aufrecht erhalten, sondern sie tanzte und sprach auch gleichzeitig, während sie sich in großem Abstand vom Kabinett befand.  

Wenn Chita tanzte und dabei ihre Glieder anmutig und gekonnt bewegte, versetzte sie ihre Kleider in wellenartige Schwingungen. Zuweilen warf sie den Schleier um Grahames Nacken und zog ihn lachend ins Kabinett, wo sie mit ihm die ganze Zeit redete. Sie küsste ihn dann sanft auf die Wange, bevor sie ging und versicherte ihm, sie werde immer für ihn dasein.  

Um das Vorangegangene etwas zu beglaubigen, gebe ich in der Folge Auszüge aus einem Artikel wieder, den Ernest Thompson geschrieben hat, seinerzeit Herausgeber der ‚Two Worlds’. Er wurde Zeuge der außergewöhnlichen und lebensähnlichen Materialisation eines perfekten weiblichen Wesens durch ein männliches Medium.« 

Ernest Thompson, Herausgeber von Two Worlds: 

»Bei der ersten Séance mit Alec Harris, der ich beiwohnte, materialisierten sich an jenem Abend 15 Geister. Sie waren groß und klein, dick und dünn, männlich und weiblich. Manche waren Besucher aus anderen Ländern, einer etwa eine amerikanische indianische Rothaut, die über zwei Meter maß. Als Beweis für die Echtheit dieser Phänomene materialisierte sich Rohan, der über die Sitzung Aufsicht führende Geist, und streifte die Kabinettvorhänge beiseite, so dass wir das in Trance befindliche Medium auf der einen Seite sehen konnte, zusammen mit seinen Materialisationen. Bei zwei weiteren Anlässen waren die materialisierten Gestalten gleichzeitig mit der des Mediums zu erblicken. Rohan ließ als zusätzlichen Beweis für die Echtheit dieser materialisierten Formen den gesamten Prozess der Materialisation vor uns ablaufen. 

Dann ereignete sich das wunderbarste und schönste Phänomen der gesamten Séance. Ein bezauberndes spanisches Mädchen glitt anmutig durch die Vorhänge und entzückte uns mit einer tänzerischen Darbietung. Es war faszinierend, ihre eleganten Bewegungen zu verfolgen. Als sie sich blitzschnell auf ihren Zehen umdrehte, streifte der Saum ihres schwingenden weißen Kleids meine Wange. Es fühlte sich weich und sacht an wie Samt.

Sie kam dann zum hauptsächlichen Grund für ihren Besuch, nämlich das Überleben des Todes zu beweisen, indem sie zeigte, dass sie wirklich eine Frau war und nicht das Medium, das sich verkleidet hatte. Langsam öffnete sie ihr Kleid und enthüllte ohne jeden Zweifel einen nackten weiblichen Körper.« 

Maurice Barbanell, ein wichtiger spiritualistischer Journalist seiner Zeit, schrieb:  

»Am spektakulärsten war natürlich die Materialisation eines Mädchens. Es ließ jeden Gedanken, dass Materialisationen ein Trick sein könnten, als absurd erscheinen, als sie sich entblößte und ihren Körper zeigte, nackt bis auf die Taille hinab!«

 

 

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