Metaphysik mal komisch

Bei der Metaphysik geht’s um die letzten Dinge, haben wir gestern erfahren, und da man davon so wenig weiß, wird es zum Ringen mit Begriffen. Aber die letzten Dinge gehen jeden an, und man kann sich auch über alles lustig machen. Nehmen wir ein paar lustige Beispiele, und auf den Einfall brachte mich wieder einmal der Schwejk. 

Denn der Schwejk Josef führt zur Reinkarnation aus:

So hab ich meinen Feiertagsanzug genommen und bin mal in die Museumsbibliothek gegangen und hab mir mit meinem Kameraden ein Buch über Seelenwanderung ausgeborgt, und dort hab ich gelesen, dass ein indischer Kaiser sich nachn Tod in ein Schwein verwandelt hat und dass er sich, wie man das Schwein abgestochen hat, in einen Affen verwandelt hat, dass er ausn Affen ein Dachshund gewesen is und ausn Dachshund ein Minister. Beim Militär hab ich mich dann überzeugt, dass etwas Wahres dran sein muss, denn jeder, wers auch gewesen ist, der ein Sterndl gehabt hat, hat die Soldaten entweder Meerschwein oder überhaupt mit einem Tiernamen geschimpft, und demnach sollte man meinen, dass die gemeinen Soldaten vor tausend Jahren irgendwelche berühmten Heerführer waren.

Aber wenn Krieg ist, is so eine Seelenwanderung eine sehr dumme Sache. Der Teufel weiß, wieviel Verwandlungen der Mensch durchmacht, bevor er, sagen wir, Telefonist, Koch oder Infanterist wird, und auf einmal zerreißt ihn eine Granate, und seine Seele fährt in ein Pferd der Artillerie, und in die ganze Batterie platzt, wie sie auf irgendeine Kote fährt, eine neue Granate und erschlägt wieder das Pferd, in dem sich der Verstorbene wieder verkörpert hat, und gleich übersiedelt die Seele in irgendeine Kuh beim Train, aus der man Gulasch für die Mannschaft macht, und aus der Kuh übersiedelt sie meinetwegen gleich in einen Telefonisten, ausn Telefonisten … 

Das findet der Telefonist, der ihm zuhört, gar nicht witzig.

Das Leben und seine Kürze … Heinz Erhardt hatte etwas dazu zu sagen. Banal zwar, doch auch genial.

Zu kurz

Kaum, dass auf diese Welt du kamst,
zur Schule gingst, die Gattin nahmst,
dir Kinder, Geld und Gut erwarbst –
schon liegst du unten, weil du starbst. 

Ein Nachruf 

Du warst ein Musiker und Dichter,
ein Maler und Kaninchenzüchter,
doch trotzdem war’s dir nicht gegeben,
den eignen Tod zu überleben. −

Wir wollen nur das eine hoffen:
du hast es oben gut getroffen!

 

Karl Valentin darf nicht fehlen. Ich komme von der Hölle ‚rauf, heißt die Teufelsszene, und der Vortragende ist als Teufel kostümiert und singt (zur Melodie von O Tannenbaum) … und wir schauen uns als Prolog das denkwürdige Erscheinen des Teufels Angus Young auf der Bühne von River Plate an, wo seine Riffs den Song Highway to Hell entfachen. 2009 im Dezember war das, und das Video wurde auf Youtube sage und schreibe 685 Millionen Mal abgerufen. Es ist ja auch gigantisch, die Menschenmenge bewegt sich wie ein Meer unter der Dünung, und die Riffs peitschen sie auf. – Nun Karl Valentin:

Ich komme von der Hölle ‚rauf, wie Pluto mir befohlen,
auf dieser Welt sind viele Kerls, die soll der Teufel holen,
und was mein Meister mir befiehlt, besorg ich ohne Zweifel,
’s ist Pflicht und Schuldigkeit, für was bin ich der Teufel. 

Nach einem längeren Monolog bereitet er seinen Abschied vor:

Nun fahr ich wieder in die Höll‘,
da drunt is mir viel lieber,
da gibts koan Streit, kein Zank, kein Hass,
kein Wuch’rer und kein Schieber.
Die Menschen all auf Erden hier,
da gibt es nichts zu zweifeln,
sind zehnmal schlechter, meiner Ehr‘,
wie unsre ganzen Teufeln.

AC/DC haben auch einen Song mit dem Titel Hell Ain’t a Bad Place to Be: Die Hölle ist gar nicht so übel.

Kinder wollen ja alles genau wissen. Der Eingang zum Paradies beginnt bei Valentin mit einer Frage des Sohns an seinen Vater:

S: Du Vater, was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Himmel und Hölle?
V: Sehr einfach – der Himmel ist oben und die Hölle ist unten.
S: Wo unten – unten auf Erden?
V: Die Hölle kann doch nur unten auf Erden sein! Pass auf! – Zuerst kommt der Himmel, dann die Erde und unter der Erde ist die Hölle.
S: Gell Vater, die Erde ist eine Kugel?
V: Ganz richtig.
S: Und unter dieser Erdkugel ist die Hölle.
V: Ganz richtig.
S: Des is dann auf der ander’n Seite der Weltkugel.
V: Ganz richtig.
S: Du hast aber einmal zu mir gesagt, auf der ander’n Seite von der Weltkugel ist Amerika.
V: Ganz richtig.
S: Ja Vater, ist denn in Amerika auch der Himmel oben und die Hölle unten?
V: Ganz klar.
(…)
S: Ja, wo ist denn dann die Höll‘?
V: Innen drin in der Weltkugel.

Der Sohn behauptet dann, der Eingang sei beim Vesuv, wenn er nicht speit. Vorher hatten die beiden über das Paradies gesprochen. Der Sohn fragt, wie groß es sei, und der Vater erwidert: »So groß fast wie ganz Bayern.« Adam und Eva seien brave Menschen gewesen, die seien in den Himmel reingekommen, betont der Vater.

Und der Sohn fragt listig:

Trotz dem ersten Sündenfall?

 

Der Teufel wurde von Franziska Himmelsbach gestaltet; ich weiß, in welchem Keller er steht.

 

 

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