Stress im Jenseits (6)

Nun das Thema Eifersucht im Jenseits. Klingt seltsam, aber so ganz unrealistisch ist es nicht. Verstorbene müssen freilich meist die Energie der Lebenden anzapfen, um sich bemerkbar machen zu können. Das klappt nicht immer. 11

Auf Erden. Ein Mann und eine Frau im Schlafzimmer. Die drei stehen wieder beobachtend in einer Ecke.

Mann: Hast du keine Lust oder was?
Frau: Wenn du mich in den Hintern kneifst.
Mann: Hab ich gar nicht. Du träumst wohl.
Frau: Hast du doch. Und kalt ist es auch.
Mann setzt sich auf.
Mann
: Es ist wie verhext. Irgendwie geht es nicht. Was ist das?

Eine Frau, ein Geist, steht neben dem Bett: Hannah. Grinst. Winkt den dreien in der Ecke zu.

Frau: Es ist auch unheimlich. Als wären wir nicht alleine. Manchmal denke ich, dass Hannah …
Mann: Du glaubst doch nicht an Geister? Hannah ist zwei Jahre tot. Du musst sie mal vergessen.
Frau: Sie war schon sehr besitzergreifend. Manchmal rieche ich ihr Parfum, Vanille.
Mann: Wirklich?
Frau: Wenn ich’s dir sage.
Mann: Ich halte das für Blödsinn. Es war auch oft schön mit uns.
Frau: Da hatte sie vielleicht anderes zu tun.
Mann: Kann nicht sein. Hannah ist tot und begraben. Laut  Wenn du hier bist, Hannah, lass uns in Frieden. Hannah dreht ihm eine Nase und verschwindet.

Frau: Wir versuchen es nochmal. Komm.

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Margo zu Azrael: Die Sache mit Hannah. Sie hört nicht. Hängt bei ihrem Ex-Mann herum. Macht mir Sorgen.
Azrael: Viktor und ich wollen ja zum Soulmate-Team. Was du machst, ist nicht sein Job. Zu Viktor Das hier ist die Suche nach den verlorenen Seelen. Es gibt welche, die wissen nicht, dass sie tot sind, suchen ihre alten Stätten heim, spuken herum, versuchen, Beziehungen zu stören und wollen nicht hören. Ist das so mit deiner Hannah?
Margo: Genau. Völlig auf ihren früheren Mann fixiert. Sie will nicht, dass er Sex mit seiner neuen Partnerin hat. Diese Partnerin ist leider medial begabt, und so haben ihre Interventionen Erfolg. Ich hab schon so viele Leute hingeschickt, nichts hat geholfen.
Azrael: Schick ihre Mutter hin. Oder wir schicken Viktor. Er könnte, bevor er zu seinem neuen Team stößt, ein paar Erfahrungen sammeln. Zu Viktor Los, Viktor, du hast einen guten Draht zu Frauen, du holst uns Hannah heim. Versuch es, dann darfst du zu deinem Dream team.

Viktor: Muss das sein?
Azrael: Ja, das muss sein. Hier ist auch nicht alles Honig und Zuckerschlecken. Wir wären dir sehr dankbar.
Viktor: Wie finde ich sie?
Azrael: Du hast sie gesehen. Du musst nur an sie denken, dann bist du bei ihr. Viel Glück.

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Viktor ist alleine. Vor der Alten Oper in Frankfurt.

Viktor zu sich: Schön eigentlich. Da war ich auch oft. Aber jetzt bedeutet mir es nichts mehr. Du kannst überall hinfliegen, aber es kennt dich ja keiner. Man sieht dich nicht mal, auch wenn viele Geister überall herumhängen. Doch die, die man trifft, sind die Verlierer, mit denen hat man keinen Spaß. Idioten sind das. Hannah, ich rufe dich! Komm zu mir, wir müssen uns unterhalten.

Hannah steht plötzlich da, etwas verwirrt, blass.

Hannah: Warum rufst du mich. Kannst du mich nicht in Ruhe lassen? Immer wieder nervt mich einer. Ich muss bei Walli sein.
Viktor liebevoll: Aber wenn Walli dich nicht sieht! Du kannst ihm nicht mehr viel helfen.

Hannah setzt sich auf den Boden: Kann ich doch. Ich bin bei ihm, er spürt mich, dann ist er nicht alleine.

Viktor setzt sich zu ihr. Er hat doch jemanden. Sie ist nicht so toll wie du, aber am Leben. Er braucht eine lebende Frau. Wenn du ihn liebst, gönnst du ihm das.
Hannah: Ach, die blöde Tussi. Die ist nicht richtig für ihn. Ich muss sie wegtreiben. Sie schadet ihm.
Viktor: Hannah, du bist schon lange tot.
Hannah: Was soll das? Aber ich bin froh, dass mal einer mit mir redet. Alle ignorieren mich. War früher schon so, aber jetzt ist es schlimmer geworden, finde ich.
Viktor: Es sind schon zwei Jahre. Du bist einsam, Hannah. Drüben warten viele Freunde auf dich. Da kannst du Walli viel besser helfen. Du kannst ihn immer besuchen. Aber ihn zu stören, finde ich nicht gut.
Hannah: Findest du nicht gut. Bis dass der Tod euch scheidet, und uns hat er nicht geschieden. Ich bin in Hochform.
Viktor: Ach, mach dir nichts vor, Hannah. Du fühlst dich alleine. Und dort drüben warten sie auf dich, ehrlich! Deine Mutter, dein Vater …
Hannah: Die haben sich nie was aus mir gemacht.
Viktor: Aber jetzt tut’s ihnen leid. Komm, wir rufen sie. Denk an deine Mutter.
Hannah: Wenn du meinst. Sie schließt die Augen.

Mutter: Hannah, mein Kind!

Hannah: Mutter? Zu Viktor  Wir haben oft über die Tussi geredet, wir waren uns einig, die ist nichts für Walli. Dann kam … Sie legt sich die Hand über die Augen … kam diese Krankheit, stimmt, mein Gehirn, ein Tumor …

Mutter nähert sich und streicht ihr übers Haar: Hannah, ich habe mich geirrt. Es war falsch, was ich über die Tussi gesagt habe. Sie ist in Ordnung. Walli kommt mit ihr klar. Wir warten auf dich. Und wie!

Hannah verwirrt: Was wollt ihr alle von mir? Plötzlich erinnere ich mich, ich war in der Klinik, mir war furchtbar schlecht – und dann ging es mir wieder gut und ich war frei. Komisch war das schon.
Viktor sanft: Du bist gestorben, Hannah. Walli war sehr traurig.
Hannah schluchzt und umarmt ihre Mutter. In der Ferne steht Azrael und schaut herüber.

Mutter: Bei uns hast du das schönste Leben, ich kann dir gar nicht sagen, wie schön es ist. Onkel Albert ist da, Vati und die Großeltern. Fehlst nur noch du.
Viktor: Siehst du, Hannah, da ist was los. Was glaubst du, wie froh Walli wäre, wenn er wüsste, dass du glücklich bist!
Hannah: Glaubst du?
Viktor: Sicher. Azrael in der Ferne hebt die Hand und nickt.
Gib dir einen Stoß. Wir schicken jetzt das Licht, und du gehst darauf zu. Bist du bereit? Kannst immer mal zurückkommen und schauen, wie es Walli geht.

Mutter nimmt sie bei der Hand und zieht sie mit sich. Das Licht kommt. Hannah winkt Viktor noch einmal zu. Sie verschwinden.

Azrael bei Viktor: Hey, das war richtig gut. Wenn dir die nächste Abteilung nicht gefällt, – die spirituellen Helfer nehmen dich mit Kusshand. Das hast du wirklich ganz sensibel gemacht. Die Mutter zu rufen, war ein guter Einfall.
Viktor: Was meinst du, gibt es auch andere, die sich nicht von ihrem früheren Leben trennen können?
Azrael: Millionen. Ein paar Millionen. Vielleicht hunderte Millionen. – Was angesichts der Tatsache, dass es acht Milliarden Menschen auf Erden gibt, nicht mal viel ist. Unsere Teams sind regional geprägt. Jeder arbeitet da, wo er früher gelebt hat. – Ach, das ist schön, mal einen Erfolg verbuchen zu können. Bist du glücklich?
Viktor: Ja.
Azrael: Dann lass uns das schöne Frankfurt verlassen. Wir fliegen weiter.

 

Wir auch. Morgen Teil 7. 

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