Stress im Jenseits (8)

Eine Feier drüben, eine Beförderung. Und zwei Frauen unterhalten sich über Viktor, der nicht ganz vergessen ist. Neben den beiden Frauen gab es noch eine dritte, Pia … Hatte die was mit Viktor?

17

 In einem wunderbaren Saal.

Seraphiel zu Viktor und Melanie: Ich habe das genossen. War wie aus dem Lehrbuch. Als hättet ihr nie etwas anderes getan. Gute Zusammenarbeit auch.
Margo steht da: Ich hab’s mir später angesehen. Gute Idee, ein gemischtes Team einzusetzen. Sollten wir weiter so halten. Wenn Frauen unter den Opfern sind, brauchen wir auch weibliche Ersthelfer. – Aber gut, ich bekomme ja eine neue Aufgabe. Weit weg von hier.
Azrael: Wer macht dann deinen Job?
Margo: Maklun macht das. – Die 4 jungen Leute sind jetzt in der Station. Die Jungen erholen sich schnell, in ein paar Tagen kann man mit denen schon was anfangen. Ach, aber sie wissen nichts, es geht immer bei Null los.
Azrael: Wir feiern jetzt gleich deinen bevorstehenden Aufstieg in die nächsthöhere Sphäre. Schade, du verlierst einen schönen Körper. Zu Viktor und Melanie. Ihr seid entlassen. Schaut zu den 4 Kandidaten, wir sehen uns. Wisst ihr, es ist ja keine echte Beförderung. Es ist ein neues Leben, eine neue Geburt. Es ist unglaublich.
Seraphiel: Und ihr müsst da noch wissen: Bei uns gibt es keinen Neid. Jeder hat seinen Rhythmus. Jeder weiß selber, wo er steht und was ihm noch fehlt. Wo er sich noch verbessern muss. Die Beförderung wird früher und später kommen, für jeden von uns. Für alle. Für manche mag das hunderttausend Jahre dauern in menschlicher Zeit, aber Zeit ist nichts. Er verbeugt sich vor Viktor und Melanie, und diese gleiten fort.

Azrael: Solche Feiern sind auch traurig. Und dann doch wunderschön. Was tun wir ohne dich, Margo? Du wirst viele dieser Erinnerungen verlieren, dich in einen neuen Körper kleiden. Wirst noch durchsichtiger sein.
Margo: Ich werde von dort aus für euch wirken. Ich bin ja nicht weg. Wir werden immer in Verbindung sein, genau so wie jetzt. Nun habe ich eine Überraschung für euch.

Mehr weiß gekleidete Leute kommen herbei, lächeln und machen Witze, dann tritt Margo an ein Podium.

Margo: Mein Fest soll euch Freude bereiten. Es sind einige unter uns, die eine Epoche auf Erden miterlebt haben mit großartiger Musik, die sie lieben. Im nächsten Saal gibt es die Musik, die klassisch genannt wird. Aber hier gibt es die All Star Band. Darf ich vorstellen: John Lennon und George Harrison, beide Gesang und Gitarre, John Entwhistle am Bass und John Bonham am Schlagzeug!

Raunen, Beifall, Jubel.

Und noch was:  Im Saal 7 auf der andren Seite haben wir Jimi Hendrix, Gitarre, vereint mit Rory Gallagher – das wird interessant –, und die Rhythmusgruppe besteht aus Jaco Pastorius am Bass und Keith Moon am Schlagzeug. Wir hätten auch eine Beatles/Who-Gruppe basteln können, aber warum nicht einen anderen, neuartigen Mix? Wäre schön, wenn wir auch eine Electric Ladyband hätten, die ist in Planung. Viel Freude!

Die All Star Band spielt When We Was Fab. Es wird getanzt. Wunderschöne Farben und Lichter.  

18

Wieder auf Erden.

Franka und die alte Freundin Pia beim Tee.

Freundin: Nett, dass du mal wieder vorbeigekommen bist.
Franka: Du hast dich nicht mehr gemeldet, Pia. Ich weiß ja, dass es schwierig ist, wenn ein Partner gestorben ist. Was sagt man da.
Pia: Ja, was sagt man? Ja, ich hatte Angst. Vom Tod will man nichts wissen. Auch wenn es den Gedanken gibt, dass er vielleicht noch da ist.
Franka: Der Gedanke oder er?
Pia: Er natürlich. Und andere.
Franka: Wo er vielleicht ist, könnte freilich auch Melanie sein. Sie könnten vereint sein.
Pia: Eifersüchtig?
Franka: So toll war ihre Ehe wohl nicht, aber sie hat zehn Jahre gehalten. Die unsere hat nur fünf Jahre gedauert.
Pia: Aber das war danach, da zählt jedes Jahr doppelt. So seid ihr quitt.
Franka: Das ist Arithmetik. – Da fällt mir ein, es gab ein paar Tage, da war Viktor verändert, da hat er ein paarmal von dir gesprochen, das ist mir aufgefallen.
Pia: steht auf  Ach, und deshalb bist du gekommen – um dir Klarheit zu verschaffen? Geht zum Fenster.

Franka: Nicht nur, aber schon. Ich will das ganze Bild haben.
Pia: Ach, Viktor war liebenswert, aber, hab ich zu mir gesagt, kein Mann für eine längere Beziehung. Es war lustig mit ihm, aber dann war er auch wieder schnell weg. Ein flüchtiger Geselle.
Franka: Er war also hier Schaut sich um.
Pia: steht am Fenster und dreht sich um Nicht so oft, wie du vielleicht meinst. Und als er öfter von mir gesprochen hat, das kann nur nach dem Jubiläumsfest in der Versicherung gewesen sein, da waren ein paar Ostschweizer mit ihrem Weißwein dabei, und plötzlich waren wir heiß aufeinander. Hot hot hot.
Franka: Waren wir auch mal. Aber nicht oft. Und immer nur einmal Hot.
Pia: Zwei Wochen im Mai. Dann war er plötzlich unsichtbar. Hat sich versteckt, der gute Viktor.
Franka: Du warst nicht bei der Feier.
Pia: Och, ich war so verheult, da hätten es alle gleich gewusst. Alle Langweiler in der Firma leben noch, und Viktor musste sterben. Wie ungerecht!
Franka: Langweiler leben immer gesund. Haben niedrigen Blutdruck und geringe Herzfrequenz. – Ich weiß gar nicht, was ich jetzt denke. Ich bin nicht mal empört.
Pia: nähert sich Dem Viktor konnte man nichts übelnehmen. Los, wir umarmen uns jetzt und denken an ihn.

Franka steht zögernd auf, dann macht jede zwei Schritte auf die andere zu, und sie umarmen sich. 

 

Folgt Teil 9.

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.