Stress im Jenseits (11)

Ich lese das nach vielleicht 10 Jahren wieder und bin hocherfreut, wie gut ich das hingekriegt habe. Anscheinend hatte ich die richtigen Bücher gelesen. Damals aber gab es keine Podcasts, darum wusste man nichts von den schönen Nahtod-Erfahrungen. Das Material kam von Medien oder von 100 Jahre alten medial vermittelten Büchern.

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Azrael zu Melanie und Viktor: Das ist so die Ansicht, die die katholische Kirche in die Welt gesetzt hat, vor einer Weile. Übrigens ist es im Islam genauso. Ist das nicht ein Skandal? Wir schuften uns hier einen ab, um denen zu helfen, und die sagen, wir schlafen.

Melanie lacht.

Viktor: Die wissen es halt nicht besser.
Azrael: Ach, Unsinn. Es gibt tausende Beweise durch Medien, unser Auftauchen, wo wir gesehen wurden, durch Nahtoderlebnisse, und da drüben steht alles in den Büchern. Ein Jammer, dass auch so stark getrauert wird. Das ist wie giftiger Smog und blockiert die Hinübergegangenen. Es ist ja, als wären wir auf einer Reise, wir sind ja da, und wenn wir wollen, ganz in ihrer Nähe. Wir sind ja da, nur in anderer Form.
Viktor: So anders auch nicht. Wenn die wüssten …
Melanie: Man muss es ihnen unbedingt sagen.
Azrael: Haben viele versucht, das hat nicht viel Sinn. Auch wir tun, was wir können. Null Effekt. Dann kommen sie selber hierher und sind erstaunt. Sie glauben, dass mit dem Tod die Klappe fällt und stehen hier. – Aber wir müssen jetzt endlich an die Arbeit gehen. Ihr beiden seid ausgewählt worden, um zusammenzuarbeiten und um zu lernen. Vielleicht müsst ihr dadurch eure Beziehung klären, ich weiß es nicht. Der ganze Plan ist mir auch verschlossen, glaubt mir. Yann ist die Leiterin des Vereinigungsteams.

Yann steht da. Hier bin ich. Ich erklär’s euch.

Azrael: Genau, tu das, Yann. Dann bin ich erlöst und kann mich anderen Aufgaben widmen.
Yann: Hier mitzumachen würde dir auch nicht schaden. Da gibt es viele Fehlschläge und wenig Erfolge. Die Materie ist komplex. Jedenfalls … gibt es Wissen darüber, welche Seelen zusammengehören. Die verwandten Seelen, die Soul mates, die Leute, die exakt zusammenpassen. Leider kommt es nur in 2 Prozent der Fälle vor, dass diese Partner zueinander finden. Oft leben sie in großer Entfernung voneinander, und durch gewisse Einwirkungen schafft man es auch, dass sie sich begegnen. Aber Ängste und Begriffsstutzigkeit, unglückliche Zufälle und anderes führen dazu, dass die Vereinigung nicht zustande kommt. Ich habe schon oft angeregt, unser Team zu verstärken, aber dann bekomme ich immer nur … entschuldigt … Anfänger.
Azrael: Die guten Leute gehen dahin, wo’s um Leben und Tod geht. Frauen kommen gern in unser Team, oder sagen wir besser: die, die früher Frauen waren. Die Kinder hatten und sensible Wesen sind. Die Liebe rettet die Welt, das wissen wir alle.
Melanie: Ich finde das schön.
Viktor: Wir werden ein paar schöne Verbindungen stiften.

Yann: Da wäre ich nicht zu optimistisch. Jedes Mal, wenn es wieder schiefgegangen ist, bin ich lange betrübt. Die Menschen begreifen nicht, worum es wirklich geht. Die Liebe hat einen hohen Stellenwert bei ihnen: scheinbar. Dann jedoch, wenn es gefunkt hat, gibt es tausend Möglichkeiten, zu scheitern. Und dann scheitern sie auch.
Melanie: Du solltest uns nicht so entmutigen.
Yann: Stimmt. Sollte ich nicht. Wir stürzen uns gleich in die Arbeit, und Azrael kümmert sich um Neuankömmlinge. Ihr habt ja das Gröbste hinter euch. Kommt mit.
Viktor: Sehen wir dich wieder, Azrael?
Azrael: Ihr müsst nur an mich denken, dann bin ich bei euch. Als Kopie, aber immerhin. Ab.

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Yann: Ich bin ja der Meinung, dass es etwas früh ist für euch. Aber passt nur gut auf. Hier herrscht keine Anarchie, sondern Teamwork. Es geht weder um Geld noch um Karriere, aber um die Sache, der alle liebend zugetan sind. Natürlich wollen alle persönlich weiterkommen, als Seele wachsen, aber nicht über andere hinweg, an anderen vorbei … Es ist ein Wachsen durch Selbstlosigkeit, und alle sind hier auf einem gewissen Niveau, wie soll ich das sagen? Man kann hier nicht tricksen, wie haben ja keinen Körper, der unsere Gedanken verbirgt. Jeder negative, ichbezogene Gedanke wird offenbar und entfernt den Urheber automatisch aus dem Team. Man könnte sagen, der Große CEO, das unendliche Licht in uns allen, das uns durchströmt, macht das. Gott nennen sie das auf der Erde. Hier ist, wer hierher gehört. Diese Arbeit ist dennoch eine Läuterung für die, die auf dem Weg sind. Wer völlig selbstlos ist, ist längst woanders.

Kommt mit. Sie gehen einen Gang entlang. Dann schauen sie hinunter in einen Großraum mit Bildschirmen und Leinwänden, getrennt von Wald und Moos, Bäumen, Beeten, Hecken. Weißgekleidete überall.

Yann: Das ist nur eins von tausenden Zentren. Alles regional aufgeteilt. Ich bin hier nur für Südengland zuständig, und ihr werdet später Hessen zugeteilt. Sie wendet sich ihnen zu. Es ist manchmal deprimierend. Gestern war ich im Katastrophenzentrum Südengland. Da war ein Mann, der wollte seine Familie töten, in Brighton. Ein Trupp fliegt hin, wirkt auf ihn ein: nichts zu machen. Er geht hin und tötet seine Frau und seine Kinder. Manchmal sind wir machtlos. Gegen den freien Willen können wir nichts tun. Dinge geschehen eben, und die Frage, warum angeblich Gott so etwas zulasse, ist Unsinn. Ich weiß nicht, welchen Gott sie meinen. Der, den ich meine, gibt den Menschen die Chance, sich zu entscheiden. Sie werden eines Tages lernen, zu lieben. Wir haben den Frust, wenig verhindern und wenig zustande bringen zu können. Ich meine, ihr sollt noch einiges kennenlernen, bevor ihr in der Soulmate-Zusammenführung tätig werdet. Legt die Hand an die linke Schläfe, schließt die Augen.    

Karama steht da. Du hast mich gerufen.

Yann: Gib den beiden doch eine Führung durch die Ebenen 22 bis 27. Ihr könnt drüberfliegen und kurz Station machen. Dann lieferst du sie in Zentrum Hessen-Mitte ab. Okay?
Karama: Kommt mit. Vertraut euch mir an. Ihr kennt schon einige Situationen durch Azrael, jetzt bekommt ihr einen Gesamtüberblick.

 

Und morgen Teil 12 und Finale.

 

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