Im Alpfieber

Neuerdings liegen vor Häusern Pappschachteln mit Gegenständen und der Aufschrift Zu verschenken. An vielen Stellen kannst du dich bedienen, Bücher sind manchmal dabei, und da schau ich hin. So kam ich zu dem Buch Traum Alp, das in meiner Straße in einem Kistlein lag. Wollte ich lesen. Darin werden Älplerinnen porträtiert.

Das Schöne an den Second-Hand-Buchregalen und den Zu-verschenken-Kisten ist das Wirken des Zufalls. Manches ist darunter, das einen frontal anspricht. Meine Güte, es gibt Millionen Phänomene und Millionen Lebensläufe und Millionen Bücher dazu, es ist nicht überschaubar. Ich wusste gar nicht, dass es Älplerinnen gibt und hätte mir nie ein entsprechendes Buch geholt. Aber es schlug eine Saite in mir an.

Hier bei manipogo geht es ja um das Zeitlose und das Subjektive. Ich stelle vor, was mir gefällt, und da kann ein Buch auch alt sein. (Die Älplerinnen sind von 2013.) Der Journalismus kommt von la jour, dem Tag auf Französisch, und Journalisten sind dazu verdammt, für den Tag zu schreiben und das Aktuelle vorzustellen. Was gestern war, ist alt. Wir machen das anders.

Nach dieser langen Vorrede: zum Buch. Traum Alp ist ein genialer Titel, da er auf den Alptraum anspielt, der jedoch mit der Alp nichts zu tun hat: Ein alb oder elb war im Althochdeutschen ein Geist oder Dämon. Also Albtraum, ich merke es mir.  Daniela Schwegler und Vanessa Püntener haben für den Rotpunktverlag in Zürich Frauen zu Wort kommen lassen, die damals auf 12 Alpen der Schweiz arbeiteten (die Alm hingegen ist bayerisch/österreichisch). Ich habe viel dabei erfahren.

Sie sprechen über die harte Arbeit, ihr Lebensgefühl und ihre Liebe zu den Tieren. Die Alpen werden im Sommer mit Tieren »bestoßen«; diese werden »gesömmert«. Das fängt im Mai an und endet im Oktober, wenn das Licht schwindet. Meist gibt es schon Ende September den Almabtrieb. Die Tiere kehren zu ihren Besitzern zurück für den Winter. Auf einigen Alpen gibt es keinen Strom, keine Heizung und kein fließendes Wasser.

 

Aufstehen um halb fünf, die Kühe anbinden, sie melken gegen halb acht, sie auf die Weide schicken, Mittagessen, Käse machen, um 16 Uhr nochmal melken, und Dienstschluss um halb neun, zu Bett gegen zehn. So war der Tagesablauf von Oskar und Anne, und sie sprach von der »Grenzerfahrung Alp« und sagte:

Mein Wohnort müsste immer in der Nähe der Berge sein. Ohne sie kann ich nicht leben.    

Anne Mathis Neza von der Güner Alp meinte:

Das Alpvirus wird man nicht los. 

Zwischendurch wurde zalp.ch erwähnt, die Plattform für Älplerinnen und Älpler. Es gibt sie noch, klickt hier!

Susanne 53 Jahre alt, arbeitete am Engelberg. Sie sagt:

Bauern und Älpler haben unterschiedliche Interessen. Die Hirten sind im sozialen Status ganz unten.

Manche Älplerinnen sind geschieden, das ist wie überall in der Welt. Manchmal hat man den Eindruck, Ehen halten im Schnitt 10 Jahre.

Johanna war verheiratet und sagte über ihren Mann, der dann wegging:

Ich wurde Mutter, er aber nicht Vater.

Renate von Malschüel:

Ich will einen Hof, aber keinen Bauern.

Franziska lernte oben Giacomo kennen:

Unsere Zuneigung wuchs und wuchs und wuchs. Und schließlich wurden wir ein Paar.

Die »komplizierten Beziehungskonstrukte im Unterland« erwähnt Maria, aufgewachsen in Teufen.

Morgen Teil 2.

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