Ich – ein Team? (7)
Heute folgen ein paar schöne Beispiele, die auch den Parapsychologen erfreuen würden. Es soll ja nicht zu theoretisch werden! Da geht es um Gedankenformen, die von anderen gesehen werden können; auch Astralreisende wurden stellenweise gesehen, wie sie (körperlos) die Wohnungen von Freunden inspizierten.
L. David Leiter arbeitete Ende der 1970-er Jahre 50 Kilometer von seinem Heim entfernt und pendelte mit dem Auto. Eines Tags im Frühjahr 1979 oder 1980 fuhr er nach Hause, fühlte sich entspannt, dachte vielleicht schon ans Heimkommen und betrat dann sein Haus. Seine Frau fragte ihn: »Du schon wieder? Du bist doch schon vor zehn Minuten gekommen.« Sie habe ihn ankommen sehen, und er sei gleich in sein Zimmer hinaufgegangen (was er sonst nie tat; er begrüßte immer seine Frau). Auch sein Sohn hörte ihn kommen. Leiter musste annehmen, dass er unwillentlich eine Gedankenform ausgesandt hatte.
Fast zehn Jahre später, Ende August 1988, wurde er von Kollegen gesehen, als er sehr früh zur Arbeit erschien und einen schönen Anzug trug. Aber L. David Leiter kam in Wirklichkeit erst eine halbe Stunde später und trug Jeans und ein einfaches Sakko. Doch er hatte den Tag frei genommen und das Begräbnis seiner Lieblingstante besucht, und auf dem Weg hatte seine Frau gesagt: »Nun musst du zu der Beerdigung, anstatt in der Arbeit zu sein!« Vielleicht hatte diese Bemerkung etwas in ihm ausgelöst.
Anscheinend werden diese Gedankenformen ausgesandt, ohne dass man davon weiß. In Aufnahmen der Stimmen Verstorbener kommt es vor, dass Sätze auf dem Band sind, die ein (lebender, anwesender) Teilnehmer nicht ausgesprochen, sondern nur gedacht hat.
Der Parapsychologe D. Scott Rogo (1940-1980) schilderte einmal, er habe eine Firma anrufen wollen, um eine Bestellung zu widerrufen, habe sich dann aber aufs Sofa gelegt. Später rief ein Angestellter der Firma an und sagte, Rogo habe ja kürzlich angerufen, er habe sich nun kundig gemacht. Aber er hatte nie angerufen, hatte es nur vorgehabt! Dieses Phänomen klärt manche unerklärliche Episoden, bei denen sich jemand nicht erinnern kann, etwas getan zu haben, andere ihm aber davon berichten.
Wir sind also anscheinend in der Lage, Gedankenformen von uns auszusenden, die andere sehen können. Es ist auch berichtet worden, dass sich jemand nach dem Geliebten sehnte und tatsächlich dort schattenhaft gesehen wurde. Und es gibt viele Berichte von »Death Coincidences«, die in einer großen Umfrage in den 1880-er Jahren der Society for Psychic Research (SPR) berichtet wurden. Sterbende tauchten als Geist vor einem geliebten Angehörigen auf und nahmen Abschied. Sie hatten in ihrer letzten Lebensminute an diesen gedacht und projizierten ein Abbild dorthin. Anscheinend wirkt die Stärke der Konzentration, dass man dort erscheint (und in genau der Kleidung, die man gerade trägt).
Ein ähnliches Phänomen ist die Bilokation, zu der einige Heilige imstande waren, etwa Pater Pio. Wenn es solche verbürgte Beispiele gibt, dann müssen wir daraus schließen, dass es sich um eine Fähigkeit des Bewusstseins handelt, sich verdoppeln zu können. Und sollte, wer sich verdoppeln kann, sich nicht auch verzehnfachen können? Alles eine Sache der Technik.
In früheren Zeiten haben Menschen Wesen außerhalb ihrer selbst erschaffen. Manchen gelang das durch eine ungeheure Konzentrationsleistung. Alexandra David-Néel soll einen Mönch auf die Welt gebracht haben durch irrsinnige Konzentration und Meditation, der dann aber blieb und sich nicht wegwünschen ließ. Auch das Medium Dion Fortune hatte Mühe, den Wolf, den sie geschaffen hatte, loszuwerden. Sie hatte sich mit ihm an jemandem rächen wollen, doch schwarze Magie tut nie gut. Eine Gruppe unter George Owen schuf um 1970 in Kanada bei Séancen einen Geist, den sie Philip tauften und der auch paranormale Phänomene erzeugte. Vermutlich spielten Darsteller in der jenseitigen Welt mit; für Schabernack sind sie immer zu haben.
Yeshe Tsogyal ist eine literarische Gestalt und gilt als Reinkarnation der Mutter Buddhas. Sie verkörpert die Weisheit und nimmt die Gestalt einer Frau an, damit sie auch dem durchschnittlichen Mann verfügbar ist. Sie ließ immer mitteilen, man dürfe sie nicht als eigenständige Person sehen, abgetrennt vom Beobachter; sie bittet jemanden, sie als Begleiterin (consort) zu akzeptieren, und sie ist in der Lage, ihm das gnostische Bewusstsein zu schenken. Jeder Mensch ist ein Guru und ein Dakini, ein Himmelstänzer oder eine Himmelstänzerin. Padmasambhava hatte neben Tsogyel noch vier weitere Begleiterinnen.
Im westlichen Mythos haben wir den Bildhauer Pygmalion, von dem der römische Dichter Ovid in seinen Metamorphosen erzählt. Pygmalion lebte ehelos, doch dann schuf er eine Statue, eine wunderschöne Jungfrau. »In Entzücken verloren, fasst zu dem scheinbaren Leib Pygmalion glühende Liebe.« Er küsst die Statue und nimmt sie auch in sein Bett. Der Bildhauer opfert der Venus und bittet sie, ihm die Jungfrau zur Gattin zu geben. Das Opferfeuer flammt drei Mal auf – das ist das Zeichen. Venus gewährt ihm die Bitte. Pygmalion kehrt heim und küsst die Statue … »Und die Jungfrau fühlt mit Erröten, wie er sie küsst, / und scheu aufschlagend zum Lichte die lichten Augen / erblickt sie zugleich mit dem Himmel des Liebenden Antlitz.«
William Shakespeare lässt seine Winter’s Tale mit einer solchen Erweckung enden. Hermione, die Frau des Königs Leontes, war 16 Jahre tot. Dann zeigt Paulina dem König ihre Statue, die ungeheuer lebensecht wirkt. Leontes kann seine Augen nicht von ihr lassen. Paulina gibt ihm zu verstehen, sie könne die Statue mit Leben erfüllen, aber wer etwas gegen Magie habe, möge den Raum verlassen. Dann spricht sie Zauberformeln, Hermione steigt vom Podest herab, und Leontes sagt den berühmten Satz: »O, she’s warm! If this be magic, let it be an art / Lawful as eating.« Wenn das Magie sei, dann müsse sie als Kunst gelten, so legitim wie zu essen. –
In einem Kommentar zum Buch Sefer Jezirah der Kabbala wird beschrieben, wie man mittels schier unzähligen, schwierigen Kombination hebräischer Buchstaben und deren Rezitation eine Gestalt erschaffen könne, einen Golem. Dem Rabbi Judah Löw soll das in Prag gelungen sein, aber auch dieser »Homunkulus« geriet außer Kontrolle, und es blieb nur eine Möglichkeit: Man musste von dem Wort emet (Wahrheit), das er auf der Stirn trägt, den ersten Buchstaben, das Aleph, tilgen, so bleibt met: der Tod. (In ein paar Tagen tritt er wieder auf: bei Dan Brown)
Im Französischen gibt es das Wort Égregoire, das die Personifikation von Gedanken bezeichnet. Er entsteht durch starke kollektive Wünsche und Gebete. Manchmal kann man den auch Eindruck haben, man hätte eine Geschöpf, das in sein Leben tritt, erschaffen, wo man es vermutlich nur durch intensive Wünsche angezogen hat. Doch eine Person braucht eine Seele; ohne eine solche ist sie ein Zombie.
Victor Frankenstein lebt in Genf, und bei einem Internataufenthalt in Ingolstadt erschafft er seine Kreatur, die nie einen Namen erhält. Sie flüchtet; wieder in England, muss Victor vermuten, dass seine »Ausgeburt« seinen kleinen Bruder getötet hat. Nun will er Rache nehmen. Die Kreatur ist menschlicher Regungen fähig, ist hilfsbereit, aber … einsam. Weil sie sehr groß und hässlich ist, laufen alle vor ihr davon. Sie bittet Frankenstein, ihm doch eine Partnerin zu erschaffen, dann würde er den Kontinent verlassen und woanders glücklich sein können. Frankenstein ist gerührt und stimmt zu. Ach, auch Monster wollen nur geliebt werden.
Doch der junge Mann bricht sein Versprechen. Er fürchtet, eine Monsterrasse heranzuzüchten, wenn er der Kreatur ein weibliches Gegenstück zur Seite stellt. Nun ist Frankensteins Geschöpf traurig und verzweifelt und schwört, es werde ihn verfolgen bis zur (geplanten) Hochzeitsnacht (mit Kusine Elizabeth). Wie angekündigt, bringt es Elizabeth auch um. Victor ist wie von Sinnen und schwört alle Eide, er werde sich rächen und das »Monster« zur Strecke bringen.
Der Experimentator ignoriert die Gefühle seines Geschöpfs und wird selber böse; die beiden hängen untrennbar miteinander zusammen, und man könnte sagen, das Geschöpf habe seinen Schöpfer erschaffen. Victor Frankenstein stirbt vor Schwäche, und seine Kreatur entfernt sich Richtung Pol, um, wie sie ankündigt, auf einem selbst gebauten Scheiterhaufen zu sterben (wie Jeanne d’Arc).
Morgen Teil acht