Aphorismen des Hippokrates
Hippokrates von Kos war der berühmteste Arzt der Antike. Sein Geschlecht geht angeblich auf den Heilergott Asklepios zurück. Hippokrates lebte von 460 bis 370 vor Christus. Er war also ein Zeitgenosse von Plato und Sokrates. Eben im Phaidros wird der Arzt als Vertreter einer ganzheitlichen Heilkunst erwähnt.
Im Corpus Hippocraticum sind 70 Schriften erwähnt, doch weiß man nicht, ob sie von ihm persönlich stammen. Vermutlich sind die Aphorismen, die ihm zugeschrieben werden, auch erst Jahrhunderte nach Hippokrates‘ Tod entstanden. Interessant sind sie gleichwohl, und manche sind berühmt geworden.
Es ist gefährlich, den Körper unmäßig und plötzlich zu entleeren oder anzufüllen, zu erwärmen oder zu erkälten oder auf eine andere Art zu beunruhigen, denn alles, was zu viel ist, wird der Natur zuwider.
Das Leben ist kurz, die Kunst weit, die günstige Gelegenheit flüchtig, der Versuch trügerisch, die Entscheidung schwierig (oder auch: die Erfahrung trügerisch, die Beurteilung schwer).
Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Innern eines jeden von uns liegt.
Alle vertragen das Fasten am besten.
Nicht bis zur Sättigung essen, sich vor Anstrengung nicht scheuen!
Gehen ist der Menschen beste Medizin.
Richtschnur bei der Behandlung des Kranken: zweierlei im Augen haben, nützen oder wenigstens nicht schaden.
Entgegengesetztes wird durch Entgegengesetztes geheilt.
Durch Fehler und Irrtümer vervollkommnet sich der Mensch. Durch das Leid aber lernt er, dass alle Wege, die in Dunkelheit beginnen, zum Lichte führen müssen.
Nicht der Arzt heilt, sondern die Natur: der Arzt kann nur ihr getreuer Diener und Helfer sein, er wird von ihr, niemals aber die Natur von ihm lernen.
Auch gar nichts zu verschreiben ist zuweilen eine vortreffliche Arznei.
Die Natur hat nur ein Ziel, ein Bestreben, der ganze Körper nimmt daran teil, es herrscht in ihr eine vollkommene Harmonie.
Der Arzt muss nicht nur bereit sein, selber seine Pflicht zu tun, er muss sich auch die Mitwirkung des Kranken, der Gehilfen und der Umstände sichern.
In der Heilkunst ist das Geringfügige schwer, das Bedeutsame leicht zu erkennen, und um das Geringfügige können allein die Ärzte wissen.
Schlechte Ärzte sind wie nutzlose Pflanzen, sie kommen am häufigsten vor.
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