Der richtige Augenblick, um aufzuhören

Das Ende des Jahres … braucht uns nicht zu interessieren; das Jahr ist vorbei und kann gern in der Ablage verschwinden. Wir wollen weiterdenken, und dazu verhilft uns eine Passage aus Allan J. Hamiltons Chirurgen-Buch The Scalpel and the Soul, in dem es darum geht, wie wir etwas (wenn wir es in der Hand haben) gut und angemessen beenden.

Hamilton schreibt (recht passend auf Seite 99 unten in der amerikanischen Ausgabe, und der letzte Satz steht oben auf Seite 100, und er passt, finde ich!):

Eine der großen Geheimnisse der Chirurgie, die dir keine Autoritätsperson beibringen kann, besteht darin, zu wissen, wann man eine chirurgische Prozedur stoppt, wann man ihr ein Ende setzt. Es ist eine harte Nummer – sollst du dich weiter vorankämpfen oder … bist du schon zu weit gegangen? Sehr oft hängt das Ergebnis des Eingriffs davon ab, wo man ihm Einhalt gebietet. Wann du den Patienten sich von dem Eindringen erholen lässt. Denn chirurgische Arbeit ist genau das – ein Eindringen in den Körper. Ein fantastisches Ergebnis zu erzielen ist aber weniger eine Sache des Rückzugs, sondern eher eine eines Waffenstillstands zwischen am Angriff des Chirurgen und den Verteidigunsgmaßnahmen des Körpers. Im richtigen Augenblick hinauszugehen macht die Hälfte eines erfolgreichen chirurgischen Eingriffs aus (Getting out at the right moment ist half of a sucdcessful surgical outcome).

Großartig. Plötzlich öffnet sich eine Tür. Die Stelle passt auf alle möglichen Ereignisse unseres Lebens. Wir denken normalerweise nicht darüber nach, aber: Was immer wir tun, schließen wir immer auch ab, und da heißt es zu wissen, wann man fertig ist, wann eine Arbeit abgeschlossen ist. Man kann es auch übertreiben. Nobody is perfect. Den ganzen November und Dezember habe ich mein Buch Radsport furios überarbeitet, es von 250 auf fast 400 Seiten erweitert, und es war wie ein Rausch. Ich hätte immer weitermachen und es auf 500 Seiten aufblasen können … aber dann musste ich mir zurufen: Halt! Es reicht! Nun wiederholt sich einiges, nun wird es unübersichtlich, get out!

Wir sind ja auch zwanghaft. Ob’s um das Putzen der Wohnung oder des Autos geht, immer kann man sich verlieren und hier und dort ein Detail bearbeiten, aber man muss auch sagen können: Okay. Der nächste Punkt. Das klingt banal, aber wenn man darüber nachdenkt, ist was dran. Es ist eine Sache des Instinkts. Am einfachsten ist es, wenn es einen nervt. Dann hört man am besten auf (und macht vielleicht später oder morgen weiter).

Ernster wird die Sache, wenn es um eine Beziehung oder eine Arbeitsstelle geht. Es stimmt nicht mehr, man ist unglücklich, aber man macht weiter, weil das Aufhören ein Aufwand ist und viele Probleme nach sich zieht. Aber auch da muss man spüren, wenn einem etwas nicht mehr gut tut. Es gibt keine Regeln oder nur die eine: Schau, dass du dich gut fühlst! Das soll im neuen Jahr unsere Maxime sein.

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