Archiv der Kategorie 'Medizin'

Krankensaal sechs

Sonntag, den 8. November 2020

Krankensaal sechs von Anton Tschechow ist berühmt geworden, weil diese Erzählung Reportage genauso ist wie absurdes Theater. Der Autor hatte 1890 die Insel Sachalin besucht und schreckliche Zustände in Krankenhäusern angetroffen, die von den Verantwortlichen nicht zur Kenntnis genommen wurden, weil sie sich den Irren überlegen fühlten. Das Stück erschien im November 1892 in einer […]

Ich arm, du reich

Freitag, den 2. Oktober 2020

Michel Foucault (1926-1984) dringt nach der Schilderung der guten Taten von Pinel und Tuke, gestern beschrieben, zum Thema Armut und Fürsorge vor. »Es gibt eine bestimmte Menge an Elend, die man nicht auszulöschen vermag«, schreibt er, und: Jene Armut sei außerdem notwendig, weil sie »den Reichtum möglich macht«. Dazu musste mir ein witziger (aber tiefsinniger) […]

Moralische Behandlung

Donnerstag, den 1. Oktober 2020

Ich finde, Publizistik (und auch der sogenannte Blog) sollte bisweilen auch etwas Positives verbreiten, das Mut macht. Heute ein Beitrag zum Thema mutige Männer.Keine Soldaten werden hervorgehoben, sondern mitfühlende Menschen. Philippe Pinel und Samuel Tuke haben es erreicht, dass die Irren Ende des 18. Jahrhunderts besser behandelt wurden: wie Kranke, nicht wie Verbrecher.

Der Wundermann vom Bodensee

Freitag, den 18. September 2020

Es gibt kleine Bücher, solide recherchiert und fein geschrieben, die man lesen kann, ohne sich übermäßig anzustrengen. Und man genießt es und lernt dabei. So ein Buch ist Der Wundermann vom Bodensee (1956) von Anton Gabele (1890-1966) über das Leben von Franz Anton Mesmer (1734-1815), den man nicht genug schätzen kann, weil er den Grundstein […]

Bad guy

Donnerstag, den 9. April 2020

In einem Altenheim, das ich gut kenne, steht neben dem Desinfektionsmittelspender ein Schild (und das seit Jahren): Wenn Sie sich die Hände desinfizieren, töten Sie schon Millionen unserer Feinde ab, der Bakterien. Hat mich immer gestört, denn Bakterien sind nicht pauschal unsere Feinde. Wir haben sie in uns. Doch auch das jetzige Virus ist der […]

Aids gibt es noch

Dienstag, den 17. März 2020

Die Sache mit dem Virus darf ich nicht ignorieren, nein: manipogo muss sich einschalten und kann nicht alle anderen schreiben lassen, zumal viele Bürgerinnen und Bürger nun Zeit haben, im Internet herumzulesen. Physischen Kontakt solle man vermeiden; eine Armlänge Abstand! Da dachte ich an Aids, durch ungeschützten Sexualverkehr übertragbar. Darüber schreibt man, das ist journalistisches […]

Historischer Sex

Dienstag, den 3. Dezember 2019

Wie es der Zufall wollte, las ich im Anschluss an meine letzten Ausführungen (über Sex im Taoismus) das Kapitel übers alte China in dem Buch Sex in History (1989, erstmals 1973) von Reay Tannahill. Die Autorin, 1929 in Glasgow geboren (und 2007 in London gestorben), hat unglaublich viele Details zusammengetragen und verstand es auch, sie […]

Der körperlose Körper

Mittwoch, den 27. November 2019

»Ballett ist vielleicht das körperlichste aller Bühnenfächer«, sagte einmal der berühmte südafrikanische Choreograf John Cranko (1927-1973), »doch Kunst wird Ballett nur, wenn es unkörperlich wirkt.« Absichtslos und mühelos soll sich der Körper bewegen, wenn der Taoist die Posituren von Kranich und Bär einnimmt, doch dem Adepten wird es erst nach Jahren gelingen. Doch ist der […]

Alles Trauma oder was?

Donnerstag, den 21. November 2019

Vor einiger Zeit gab es in Staufen einen Vortrag über transgenerationale Trauma-Weitergabe oder so ähnlich. Wie wirken sich schlimme Erfahrungen in den nächsten Generationen aus? Interessante Frage, ich bin hingegangen, ein Psychologen-Ehepaar referierte, und eine Stunde hielt ich es aus. Zum Glück machten sie ein Spiel, bei dem die Zuhörerinnen im Raum umhergehen mussten, und […]

Nijinskis Verdunkelung

Montag, den 30. September 2019

Wir hatten Vaslav Nijinski zu Wort kommen lassen, den »Gott des Tanzes«. Ich las seine Biografie, geschrieben von seiner Frau Romola, und war erst empört darüber, wie das gelaufen war 1919, als der Tänzer in die Psychiatrie wanderte. Erst nach 25 Jahren nahm er wieder Kontakt mit der Außenwelt auf. Versuchen wir die Indizien zu […]