Goethe und der Wein

In Sessenheim stellten die Elsässer eine Goethe-Büste des gereiften Autors in ihr Museum: als Titan der Literatur. Kürzlich las ich das Buch Christiane über Goethes Geliebte und Gefährtin, und auf unschuldigen sechs Seiten ging es um den Wein.

015Hier soll weder der Geistesheroe madig gemacht noch eine Entschuldigung für Alkoholgenuss gefunden werden; es geht um geschichtliche Wahrheit, und da unterrichtet uns Eckart Kleßmann in dem 1995 erschienen Taschenbuch, Kapitel XI: »Denn Goethe, formulieren wir’s freundlich, war ein überaus starker Zecher, der sich die geliebte Labe ein Vermögen kosten ließ.« (Rechts: Goethe-Büste in Sessenheim, Elsass)

Von dem Olympier selbst ist der Satz (1812 an Christiane) überliefert: »Nach dem Gelde ist wohl der Wein am ehesten wert, dass man sein gedenkt.« Die »Sorge um den geliebten Wein« nehme, schreibt der Autor, »in den zwischen Goethe und Christiane gewechselten Briefen einen nicht unerheblichen Platz ein.« Schon zum zweiten Frühstück trank er eine halbe Flasche Madeira, zum Mittagessen eine Flasche Wein, am Abend eine weitere.  »Ein Tageskonsum von drei Flaschen war zwar nicht die Regel, aber auch nicht unbedingt selten«, erfahren wir.

Nach seiner Rückkehr aus Italien hatte Goethe, 37 Jahre alt, die 23-jährige Christiane kennengelernt, und sie sollen gleich danach die Nacht vom 12. auf den 13.  Juli 1788 miteinander verbracht haben. Die Hofgesellschaft in Weimar rümpfte die Nase, denn die junge Frau war keine standesgemäße »Partie«, nicht übertrieben intelligent, spontan und lebenslustig. Die beiden liebten sich, keine Frage, und Goethe stand zu ihr. Sie heirateten auch und blieben zusammen bis 1815, als Christiane mit 50 Jahren starb. In ihrem letzten Brief an Goethe schrieb sie betrübt: »Champagner ist diesmal in unserem Keller gar nicht zu finden.«

Augusts Grabmal auf dem Cimitero accattolico in Rom

Augusts Grabmal auf dem Cimitero accattolico in Rom

»Wenn nur etwas Wein käme, sonst wede ich doch ein bißchen unglücklich«, schreibt sie am 13. August 1797. Denn den Wertheimer liebt sie nicht. Malaga mag sie, auch Champagner. Ich trinke gerade Rosé, Col de Ventoux, 2015, der im Supermarkt von Chalampé 2,99 Euro kostet. Goethe musste mehr löhnen. Ganze Buchhonorare gingen für den Wein drauf, denn zum Marktpreis kamen Frachtgebühren, Verbrauchs- und Getränkesteuer hinzu. Aber: Vergnügte Stunden werden die beiden verbracht haben.

Christiane vertrug wenig, Goethe viel. Dennoch soll er einmal mit Heinrich Meyer an einem Nachmittag einen weißen Chianti aus Florenz so ausgiebig probiert haben, dass Meyer einem ausländischen Besucher sagen musste: »Exzellenz könne Sie nit spreche, Exzellenz seien b’soffe!« Dennoch wurde Goethe 83 Jahre alt. Leider gewöhnte er seinen Sohn August schon früh an den Wein. August starb 1830, noch vor seinem Vater, in Rom. Er wurde nur 41 Jahre alt, und er hatte sich »in den Tod getrunken«, schreibt Kleßmann.

 

 

 

 

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