Hamburg HH

Ich sollte mich heute bei Anbruch des Tages in Hamburg befinden. Mein Rad ist bei mir, und da es am Donnerstag sich aufzuhellen beginnt, könnte ich hoch zur Ostsee und dann noch in Richtung Polen fahren. Bin gespannt. Darum kommen die Beiträge der nächsten Tage aus der Konserve, wie eine Stimme aus einer anderen Dimension.  

Wie das so kommt im Leben: Ich hatte seit 1984 vage Kontakt zu einem dpa-Redakteur und bewarb mich — frisch mit Studium und Ausbildung bei der Deutschen Journalistenschule — bei der Deutschen Presse-Agentur. Nach längerem Warten war da etwas frei, sie ließen mich hochkommen und eine Woche zur Probe arbeiten. Mitte November 1985 hatte ich einen Vertrag und war Nachrichtenredakteur, mit Wohnung in der Nähe der Binnenalster. Die dpa-Zentrale lag in einem Zuckerbäckerbau, angeblich die frühere bayerische Botschaft; das hatte alles Stil. 

Das war 60 Jahre die dpa-Zentrale. Heute ist sie in Berlin.

Ich bin fünfeinhalb Jahre geblieben, aber am Ende zog sich das hin. Ich war wohl zu naiv, wusste nicht richtig, was ich wollte und wie ich es anstellen sollte, wegzukommen, ins Ausland am besten. Als Fachmann für Rockmusik hatte ich Einfluss, aber das Redigieren am Fließband zermürbte mich. Du musst da bald weg, rieten Kollegen, und das geschah ja auch, aber anders als erhofft. Homo homini lupus; wenn du andere wegbeißen musst, um schöne Artikel schreiben zu können, dann pfeife ich auf diesen Journalismus, dachte ich mir. Ich habe mich einfach nicht mehr beworben, und dann kam die »Para«. 

Abschied von Hamburg und vom großen Journalismus

Obwohl mir Hamburg nie Heimat war, hat es einen Platz in meinem Herzen. Der Lektor meines Romans saß in Kiel. Norddeutschland zieht mich an. Und wenn ich so nachdenke, dann bekommt alles Sinn: Ich habe nicht nur eine sanfte Seite, sondern auch eine strenge, und für diese beiden Pole stehen Rom und Hamburg. Also Hamburg im September, im Oktober vermutlich dann wieder Rom.

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