Psi-Experimente (IV): Fernwahrnehmung

Fernwahrnehmung gefällt mir. Ich habe manchmal meine Mutter gebeten, sich in ihrer Umgebung etwas anzuschauen zu einer festgelegten Zeit: Sie sollte sich auf das Objekt konzentrieren und an mich denken. Ich versuchte dann, in Trance zu gehen und meine Eindrücke aufzuzeichnen. Später habe ich ihr meine Zeichnung geschickt, und sie sollte mir ein Foto ihres Objekts schicken. Manchmal war es sehr gelungen.

Telepathie- und Hellseh-, auch Psychokinese-Experimente können recht langweilig sein. Amerikaner fanden wieder einen Weg, Spannung in die Sache zu bringen. Seit Anfang der 1970-er Jahre führten im Stanford Research Institute (SRI) in Menlo Park (Kalifornien) ein paar Enthusiasten Feldversuche durch, die »Remote Viewing« hießen. Im Osten Amerikas machte das an der Universität Princeton Professor Robert Jahn. Ein »Empfänger« setzt sich hin, während aus vier Kuverts zufällig ein Ziel gewählt wird, das ein »Agent« ganz konkret ansteuert.

Der Agent sieht sich das Objekt oder die Gegend an, die ihm zugewiesen wurde, konzentriert sich 15 Minuten lang und denkt an den Empfänger, macht ein Foto oder eine Skizze und fährt wieder heim. Unterdessen hat sich der Empfänger entspannt und die Eindrücke aufgezeichnet, die ihm in den Sinn kamen. Ein unabhängiger Richter vergleicht später die Ergebnisse und entscheidet, ob ein »Hit« vorlag oder ein »Miss« (kein Treffer) … später wurde das Versuchsprotokoll sehr anspruchsvoll, und nach 30 Kriterien musste geurteilt werden, wie nah der Empfänger dran war.  

In Stanford beschränkte man sich bald auf höchst begabte Versuchspersonen. Sie blickten einfach auf eine Landkarte, gingen vielleicht in Trance, und später zeigte sich oft, dass ihre Eindrücke zutreffend waren. Das sprach sich bis in höchste Regierungskreise herum, und die USA wandten sich an die Späher, da sie fürchteten, die Russen seien ihnen in einem (unerklärten) Psi-Krieg voraus. Schon 1953 hatte der CIA-Direktor Allen Dulles über das künftige Schlachtfeld des Mind Warfare (Bewusstseinskrieg) gesprochen. Die Armee experimentierte mit Drogen und Hypnose, doch erst als das Gerücht von russischen »Psi-Spionen« die Runde machte, kam Stanford ins Spiel.

Auf ähnliche Weise wie dort lokalisierte die Leningrader Wünschelruten-Sektion und die Marinebasis etwa 1990/1991 den Standort von russischen U-Booten. Die Seher arbeiteten, wie Jewgeni Bondarenko berichtete, über einer Seekarte mit der Rute und dem Pendel, und dabei empfingen sie Signale, was eine zuverlässige Ortung möglich machte. Sogar der Weg von Schiffen konnte angegeben werden; die schwächeren Signale stammten aus der Vergangenheit oder der Zukunft.    

Den Amerikanern ging es darum, geheime Atomanlagen auszuspionieren oder den Aufenthaltsort der Geiseln, die 1979 aus Teheran verschleppt worden waren. Sogar auf der Suche nach Bin Laden sollen »Remote Viewer« bemüht worden sein. 20 Jahre lang finanzierte die CIA (Central Intelligence Agency, der Geheimdienst der USA) die SRI, die 1990 nach Palo Alto in Kalifornien umzog und dann Science Application International Corporation hieß (SIAC). Ende 1995 kam die Sache heraus, und die CIA beeilte sich zu erklären, dass die Ergebnisse dürftig gewesen seien und stoppte die Finanzierung.

Edwin May, der seit 1990 das Team leitete, zeigte sich 1996 bei einem Vortrag in Freiburg begeistert von den Leistungen seiner Leute. 1984 hatte Joseph McMoneagle (erwähnt in Psi I) von der US-Armee die Medaille »Legion of Merit« erhalten, die wichtigste Auszeichnung in Friedenszeiten, weil er bei 169 Gelegenheiten für wichtige Informationen gesorgt habe. Der US-Parapsychologe Dean Radin berichtete, dass May und seine Kollegen alle Psi-Experimente von 1973 bis 1988 analysiert hätten, also 154 Experimente mit 26000 Trials. Dass die Ergebnisse auf Zufall beruhen (odds against chance), war höchst unwahrscheinlich, nach den Berechnungen bei eins zu 1010, also 10 Milliarden Milliarden. Wer bietet mehr?

Übrigens untersuchte die amerikanische Air Force auch 22 Jahre lang die Ufo-Berichte. Am 17.12. 1969 zog sie einen Schlussstrich und vernichtete 80000 Seiten Papier. 12618 Sichtungen waren untersucht worden, 701 blieben ungelöst. In den 22 Jahren hatte alle 11 Tage jemand ein Ufo gesehen.  

Erklärungsversuche

Aber die Frage, wie die Fernwahrnehmung funktioniert, ist immer noch offen. Es wird vermutet, es könne sich um einen präkognitiven Kontakt mit dem eigenen Gehirn handeln: Der Seher sieht jetzt, was er sehen wird, wenn ihm ein Foto der fraglichen Szenerie präsentiert werden wird. Das Feedback wäre dann die Erklärung. Allerdings fällt dies bei Versuchen aus, die sofort und gleichzeitig (in real time) stattfinden; außerdem gab es hervorragende Ergebnisse, ohne dass jemals ein Bild vorgelegt worden wäre und ohne dass ein Agent etwas »gesendet« hätte. Was zapft der Remote Viewer oder Hellseher dann an?  

Vielleicht müssen wir hier das holographische System von Pribram und Bohm bemühen, nach dem alles in allem eingefaltet ist, eine alte magische Vorstellung, und das ferne Wissen ist irgendwo gespeichert. Das wäre eine Theorie einer mehrdimensionalen Raumzeit, und Dean Radin hat weitere Psi-Theorien genannt: die skeptischen Theorien (alles ist Illusion); die Theorien einer Signalübertragung (Teilchen fliegen hin und her); zielorientierte Theorien (orientiert an psychologischen Bedürfnissen); Feldtheorien (Verbindung der Psi-Pole durch noch unentdeckte Felder); Theorien des kollektiven Bewusstseins (ein uns allen zu Grunde liegendes Potenzial von Informationen); quantenmechanische Theorien. Letzteren wollen wir uns im letzten Teil dieses Essays zuwenden.

 

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