Herz & Schmerz

Pain & Gain heißt eigentlich Schmerz & Gewinn, und in der Gratiszeitung 20 Minuten fand ich in der Schweiz diese Werbung für einen neuen Film, und in diesem Mini-Plakat steckt konzentriert alles drin, was Hollywood ist: reaktionärer Dreck voller Gewalt und Kampf und Sieg. Irgendwie auch genial: weiß und schwarz, Leid und Sieg und als Sirene eine blonde Frau. 

»Vom Regisseur der Bad Boys« heißt es, und das soll uns wohl etwas sagen. Der Böse war ja immer das Leitbild; wir wollten alle böse sein, damit man uns achtete und wir uns durchsetzen würden, denn man hatte auch uns eingeschärft: Schlag dich durch. Da sind also zwei richtig böse Männer zu sehen, die jedoch vermutlich die Guten sind im Kampf gegen die Bösen (die richtig Bösen), aber so groß ist der Unterschied nicht, sie wenden dieselben Mittel an wie die wirklich Bösen und sind nur zufällig auf der guten Seite, bezahlt vom Staat, unterstützt vom System. Diese beiden Gesichter sind eigentlich fast lachhaft bedrohlich, sie wirken wie das Klischee gefährlicher Männer. Wie böse der linke schaut! Wenn man ihnen die Sonnenbrillen wegnimmt, brechen sie vielleicht in Tränen aus.  (Und passt der Galgenstrick unten nicht perfekt ins Bild?)  

Und unter den Männern eine Landschaft und als Staffage, sozusagen als hübsches Zierat die blonde Frau, die immer eine Rolle spielt. Cherchez la femme! Die Love story gehört zum Muster dieser Filme. Man tut so, als sei die Frau das Wichtigste, aber es geht und ging immer ums Sich-Prügeln, ums Zerstören und Vernichten, und in Filmen haben die Helden das Glück, ein Motiv zu haben, zerstören und vernichten zu dürfen. Sie sind nämlich auf der guten Seite. Man denke sich einen Titel aus, der gut über die Lippen fließt (Pain & Gain) und garniere ihn mit einem bibelartigen Motiv: »Nehmen ist seliger als geben.« Das hat ja alles seine Wurzeln im Christentum und den christlichen Kriegern: bete und arbeite; erst die Arbeit, dann das Vergnügen; durch Leid zur Freude.  

Dass alles gut ausgeht, ist uns das eine Hoffnung? Nein; es wäre gut, wenn einmal die Bösen gewännen, dann würden die Zuschauer vielleicht weniger gut schlafen. Aber so gehen die jungen Männer lachend nach draußen, setzen sich in ihre schnellen Autos und rasen, vom Adrenalin gepeitscht, los – oder sie schlagen einen zusammen, der sie nervt. Gut, das klingt jetzt übertrieben, aber die Zuschauer dieser Filme sind so, und das Widerwärtige ist, dass man sie andauernd mit roher Gewalt konfrontiert und sich dann heuchlerisch wundert, dass einer, der mehr Probleme hat als andere, das wörtlich nimmt. Dann sagen alle: So eine abscheuliche Brutalität, was sind das denn für Zeiten? Schaut euch die Hollywood-Blockbuster an, dann wisst ihr es.

 

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