Kanadier am Radweg (II)

Kanadier am Radweg? Das hatten wir schon mal, am 5. April. Es ging um eine verrückte Geschichte aus Heitersheim. Nun aber befinden wir uns noch einmal in Südfrankreich, am Canal du Midi und rollen auf holprigem Weg nebenher, der Hafenstadt Sète entgegen. Pete aus Sheffield fährt vorn …

Da merke ich, dass links daneben eine schöne Teerstraße verläuft. Fahren wir doch besser auf ihr. Pete, der pensionierte ehemalige Fotolehrer, hat auch angehalten, und ich winke ihn zur Straße. Da fällt mein Blick auf die andere Straßenseite und ein Paar mit vollgepackten Rädern mit kleinen Reifen, und als ich den bärtigen Mann sah, dachte ich spontan an Rod und Annemarie Driver aus Canberra, aber sie waren es nicht. 

Wir treffen uns. Es handelt sich um Steve und Dodie Miller, die auf der Vancouver Island bei Duncan leben, British-Columbia, Kanada, am Golf von Alaska und den Gestaden des Nordpazifik. Sie sind nach Amsterdam geflogen und seit Mitte Juli unterwegs: Deutschland, die Niederlande, Dänemark, wieder Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Am 13. Oktober ist ihr Rückflug, also bald.  

Da gibt es ja (kurzer Einschub) die Blogplattform Crazyguyonabike. Jeder aktuelle Beitrag steht oben auf der Liste, und anscheinend sind viele Radfahrer da registriert. Steve sprach von 7000, aber das kann ich kaum glauben. Darauf dokumentiert das Paar seine Reise täglich mit vielen Fotos unter dem Titel Grampies Go in Circles. Wie Steve das macht, ist mir schleierhaft. Grampies ist anscheinend ein scherzhafter Ausdruck für Kanadier. Also wir vier. Pete und Dodie geraten plötzlich in Ekstase, und ich erfahre, dass sie einen gemeinsamen Bekannten haben: Tim, der, von Petes Wohnung ein paar Türen weiter, in Sheffield lebt.  

Dodie und Pete und ihr gemeinsamer Bekannter (abwesend)

Tim war schon in Duncan und hat übrigens bei einer Radtour ein Mädchen kennengelernt, das er dann heiratete. Sachen gibt’s! Aber dieser Zufall ist ungeheuer, und hätte ich nicht Pete gewunken, wir wären glatt aneinander vorbeigefahren. Tao muss man haben.  

Wir fahren also nach Frontignan, um so nach Sète zu gelangen. Pete klinkt sich aus, er muss etwas essen. Die Frau in der Touristenbehörde ist nicht vernehmungsfähig, sie hat wohl (es ist elf Uhr vormittags) ein Treffen und will schließen; aber Dodie setzt ihren Fuß in die Tür und verlangt Aufklärung: den Weg nach Sète. Dann Mittagessen. Dodie ist mütterlich und sagt, »good food« sei immer wichtig. Hier, nimm.  

Mittagspause in Frontignan

Sie fährt langsam, und so setze ich mich an die Spitze und lotse die Truppe langsam durch Sète. Endlich auf dem Radweg an der Küste entlang. Wir frohlocken. Ein freundlicher Franzose fotografiert uns. Dann geht es weiter, doch ich kann kaum so langsam fahren wie die drei hinter mir. Nach fünf Kilometern verabschiede ich mich. Dodie nennt mich einen »energizing bunny«, einen Hasen also, der kurz seine Energie einbringt und dann wieder abhoppelt. Ich zische los.  

Wir vier. Der Gelbe ist Steve.

Erst jetzt, als ich ihr Tagebuch las, merkte ich, dass sie auch in Vias Station gemacht hatten, jedoch vermutlich auf dem luxuriösen Camping Napoleon, während ich im Navarre abstieg und die netten Franzosen traf. Pete wurde vor über einer Woche durch einen Bus in Narbonne abgeholt, Steve und Dodie sind unterwegs nach Nantes. Ich schicke ihnen dann meinen Beitrag und meine guten Wünsche. Und Crazyguyonabike merken wir uns gut.  

Und da waren noch die beiden französischen Schwestern, die ich in Narbonne traf, und eine hieß Bernadette. Toll, zu zweit mit einem Zelt und zwei Rädern unterwegs, von der spanischen Grenze bis Narbonne.

 

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