Haus aus Sand und Nebel

Wer fast nie fernsieht wie ich, für den ist ein abendfüllender Film im TV wie Kino. Er bleibt tagelang im Gedächtnis, die Bilder sind da, man kann sie kaum abschalten. Schreiben ist weglegen, schrieb Mallarmé, also schreibe ich über Haus aus Sand und Nebel, das Anfang August im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Es ist ein amerikanischer Film aus dem Jahr 2003, gedreht von Wladimir Perelman. Jennifer Connelly mit ihren eisgrauen Augen spielt die weibliche Hauptrolle, Ben Kingsley die männliche. Jennifer (Kathy) ist das gefährliche Element. Sie hat Mahnungen ignoriert, ihr Haus am Meer wird versteigert, und ein früherer iranischer General (Massoud), heute Kaufmann in den USA, zieht mit Frau und Sohn ein, weil er seine frühere Villa am Kaspischen Meer nie vergessen konnte.

Die Familie (Kool Film distribution)

Die junge Frau will in ihr Haus zurück, lernt einen unbefriedigten Polizisten kennen, der ihr verfällt; die Behörden wollen den Verkauf rückgängig machen, ade Traumhaus für die netten Iraner, und dann schürzen sich die Knoten, gibt ein Missverständnis das andere, und das Ende wird furchtbar und tragisch: was für ein Melodram!

Man muss es dem Regisseur zugestehen: Er hat ein Herz für alle seine Figuren, deren Handlungsweisen schlüssig sind, und er baut etwas wie eine griechische Tragödie, der man nicht entrinnen kann. Man entrinnt sich selbst nicht und schafft es nicht, aus dem Alptraum zu erwachen, und man legt selbst den Keim des Untergangs; der Rest ist ein eiskalter zerstörerischer Mechanismus, der ohne einen abläuft.

Kathy (JUennifer Connelly)

Am Ende hat die junge Frau ihr Haus wieder, aber sie verzichtet. Das kennt man auch: Man hat ein Ziel mit Inbrunst verfolgt, aber die Kontrolle verloren, und der Sieg ist derart teuer erkauft, dass man mit diesem Preis nicht leben will. Man würde immer daran erinnert werden, dass man in seinem Egoismus zu weit gegangen ist; der Triumph ist schal und eine Lüge. Aber auch Weggehen ist keine Lösung. Die Schuld bleibt (für Kathy), die wie bei den Griechen keine Schuld ist, sondern Schicksal, Verstrickung, Auswirkung der hybris.

 

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