Der Chaosmensch

Kaum jemand kennt heute noch den lettischen Schriftsteller Konstantin Raudive (1909-1974), der zuletzt in Bad Krozingen lebte, wo er 1974 starb. Er beschrieb in einem Buch seine Aufnahmen der Stimmen Verstorbener, und die englische Übersetzung (Breakthrough) verschaffte dem Verfahren Popularität. Heute aber eine Auszug aus einem frühen Buch, Der Chaosmensch.

Raudive schrieb das 1951, bald nach Kriegsende.

IMG_4097Hier in Schweden, aus der Höhle meiner Einsamkeit, auf die Realität der vergangenen Jahre zurückschauend, auf all den Missbrauch, den man mit dem Christentum getrieben hat, auf die Labilität der menschlichen Beziehungen und den Völkerhass, der schlimmer ist  als die Angriffslust reißender Tiere, spüre ich deutlicher als in irgendeinem früheren Abschnitt meines Lebens, dass ein Mensch ohne Religion und Gott zur Ureinsamkeit verdammt ist, zur Isolation und zum Barbarismus. Schauriger als der physische Hunger ist der geistige, grausiger als die irdische Heimatlosigkeit ist die seelische, man hat keinen Boden mehr unter den Füßen, keinen gemeinsamen Boden, kein Gebiet, wo man einander treffen und verstehen kann, weder moralische Würde noch das Gefühl für die Einsamkeit des Menschen … Wir fürchten uns voreinander und streiten miteinander, wir kämpfen gemeinsam und leiden, aber wir leben nicht, wir freuen uns nicht über das geschenkte Leben. Ohne Gott sind wir einsam geworden, in unseren gegenseitigen Beziehungen gibt es weder herzensreine Einfalt noch das all verbindende Gefühl, dass wir Gottes Kinder sind …

20 Jahre nach seinem Tod hat sich Konstantin Raudive bei George Meek und Sara Estep telefonisch gemeldet. Früher konnte man das auf einer Seite über Instrumentelle Transkomunikation anhören, die es seit 1999 gibt, nun aber modernisiert wurde und so ist wie alles Andere. Es ist das ITC Journal von Anabela Cardoso, die kürzlich ihr drittes Buch Glimpses of Another World herausgebracht hat. Die schleppende Stimme habe ich nie vergessen, unheimlich klang das, doch auch auf einer Seite, die Raudives Namen trägt, finde ich sie nicht.

Nur logisch, dass jemand wie der Balte, der Tonbandstimmen von Toten aufnahm, sich selber meldet, um zu zeigen, dass es den Tod nicht gibt. Raudive sagte zu Frau Estep, einer Experimentatorin: »Ich bin der lebendigste Tote, den du dir  vorstellen kannst.«

 

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97b40a7e1dIm letztgenannten Artikel kommt Luci Werthmüller aus Basel vor, der uns alle mit seinem Einsatz und seiner Herzensgüte bereichert hat. Am 9. April ist er überraschend gestorben, und wir schenken ihm hier einen liebevollen Gedanken.

 

 

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