Facel Vega und Jaguar

Den polnischen James Dean hatten wir gestern. Der echte James Dean verunglückte mit dem Porsche tödlich, dazu kann man stundenlang auf Youtube den Unfallhergang analysieren; und Albert Camus, den ich verehre, starb im Wrack eines Facel Vega FV, weshalb man diesen Typ nicht mehr vergisst (zumindest ich). Kürzlich stand ein Facel Vega im Nachbarort geparkt.

SDC10621Da habe ich mir zu Hause meinen Fotoapparat geschnappt und bin hingefahren, um das Auto zu fotografieren. Das Fahrzeug aus der Schweiz war allerdings ein HK500, das Nachfolgemodell des Facel Vega FV, der von 1955 bis 1958 in Frankreich gebaut wurde. Der Firmengründer Jean Daninos verwendete starke Chrysler-Motoren. Die Firma existierte von 1954 bis 1964, und ein paar Jahre lang fuhren viele Politiker und Filmstars einen Facel Vega, der fast einen Status wie Bentley und Rolls Royce besaß.

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255px-Camus_Harcourt_1945Albert Camus war 47 Jahre alt und hatte die Tage über Neujahr bei Michel Gallimard und dessen Familie im Lubéron in Südfrankreich verbracht. Michel war der Neffe des berühmten Verlagsinhabers Gaston Gallimard und wurde von diesem als sein »geistiger Sohn« betrachtet. Camus hatte schon eine Bahnfahrkarte — da überredete ihn Michel, doch zu ihnen ins Auto zu steigen. Es war der 4. Januar 1960. Der Schriftsteller nimmt den SDC10623Beifahrersitz ein, und nach hinten setzen sich Gallimards Frau Janine und seine Tochter Anne. 80 Kilometer vor Paris, auf der Nationalstraße 5 kurz nach Pont-sur-Yonne, explodiert ein hinterer Pneu, der Wagen gerät ins Schleudern und prallt mit der rechten Seite an eine Platane. Camus war sofort tot, der Fahrer Gallimard starb fünf Tage später in Paris. Die Insassen auf der Rückbank blieben unversehrt. (Das letzte Bild dieses Beitrags zeigt den Facel Vega FV3B.)

Männer wollen halt schnell fahren. Dass es schwere Fahrzeuge gibt, die ein irrsinniges Tempo erreichen, ließ sich damals ebenso schwer mit praktischen Motiven erklären wie heute. Der Besitz eines geilen Sportwagens erhöht das Sozialprestige, und eine rasante Fahrweise macht den Mann zu einem richtigen Mann, denkt vermutlich der Fahrer, und sogar Schriftsteller waren nicht immun. Der Schweizer Max Frisch kauftse sich 1967 — mit 56 Jahren — einen Jaguar 420 mit 246 PS, den er bis kurz vor seinem Tod (1991) besaß. Auf einer Seite der ETH Zürich heißt es (2018):

Als ihn 1990 der Regisseur Volker Schlöndorff besuchte, führte er den Oscar-Preisträger, der Homo faber verfilmte, in die Tiefgarage seines letzten Wohnhauses an der Zürcher Stadelhoferstrasse. Er zeigte auf den glänzenden Wagen, hielt ihm die Schlüssel hin und sagte: „»Der gehört jetzt dir. Da, wo ich hingehe, brauche ich ihn nicht mehr.« Volker Schlöndorff fährt den Jaguar bis heute. Von 25 Litern Verbrauch spricht er.

Sein Kollege Friedrich Dürrenmatt machte erst spät den Führerschein, und als er dann plötzlich 60.000 Franken an Tantiemen bekam, legte er sich einen Chevrolet Bel-Air zu, und es folgten Modelle von Buick und Volvo, bis auch er beim Jaguar landete. Dürrenmatt und Frisch hatten in den 1960-er Jahren ihre große Zeit und besprachen sich regelmäßig in Zürich. Allerdings soll Dürrenmatt ein schlechter Autofahrer gewesen sein. 10 Autounfälle gingen auf sein Konto, zum Glück kam dabei kein Mensch zu Schaden.

 

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