Streaming, Netflix und KI

Wie können professionelle Musiker heute Geld verdienen? Es wird gestreamt, es wird Youtube geschaut, aber für die Protagonisten fällt dabei nichts ab. Wer keine Konzerte gibt, sitzt auf dem Trockenen. Das ist ein Problem, das auch Schriftsteller haben und überhaupt alle Geistesarbeiter, denen nun auch noch die Künstliche Intelligenz auf den Leib rückt.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals, um 1989, die Plattenfirmen dazu übergingen, CDs zu produzieren. Zwar gab es sie schon seit 1983 in Europa, doch erst gegen Ende des Jahrzehnts setzte sie sich durch. Jetzt, über 30 Jahre später, sieht es auch für die Silberlinge schlecht aus. 2009 sollen noch 100 Millionen CDs in Deutschland verkauft worden sein, 2018 waren es noch 50 Millionen. Und diese 50 Millionen sind 20 Prozent weniger, als 2017 verkauft wurden. Experten rechnen damit, dass spätestens in 5 Jahren das Ende kommt. Streaming-Dienste wie Spotify und Deezer haben den Einbruch verschärft.

Ein Kommentator auf Youtube schrieb über Steely Dan, also Walter Becker und Donald Fagen, sie hätten von Plattenverkäufen leben wollen. Er schrieb: »Das konntest du damals wirklich noch machen.«

Martin »Widge« Orford, Keyboarder und Gründer der Band IQ, tourte mit der John Wetton Band von 1995 bis 2012. Er antwortete auf die Frage, ob er heute noch Musik mache, so:

Ich muss zugeben, dass dieses ganze Piratierie/Downloading/Streaming-Ding im Internet meine Motivation vollständig zerstört hat, weiterhin Musik zu produzieren, und seit vielen Jahren warten wir auf ein tragfähiges neues Geschäftsmodell, das es Musikern ermöglicht, für ihre Arbetit angemessen entlohnt zu werden. Aus diesem Grund steht die Musik für mich nicht mehr im Vordergrund, auch wenn ich sie zuweilen noch ausübe.

Einen Tag in der Woche arbeitet er an der Watercress-Linie, auf der Dampflokomotiven verkehren, und die restliche Woche hilft er mit, einen Freizeitpark zu pflegen. Jüngere Musiker werden sich auch etwas überlegt haben. Wer mehr darüber wissen will, sollte den Artikel Live in der Krise: Die Pop-Szene hat Long Covid lesen, den Imre Grimm Anfang Februar für das Redaktionsnetzwerk Deutschland geschrieben hat. Das ist gründlich recherchiert, danach weiß man alles über die Lage heute.

Wie kann man die kreativen Musiker und Schreiber entlohnen? Auch Zeitungen haben keinen Weg gefunden, ihre digitalen Produkte zu vermarkten. Wie sollte das gehen? Wer zahlt 2 Euro für einen Artikel? Lieber verzichtet er auf die Lektüre. Die Zeitung verschwindet auch.

Diese Veränderungen sind dramatisch. Denken wir daran, dass Netflix die Krise des Kinos, die immer im Raum stand, richtig bedrohlich gemacht hat. Netflix bietet für den Preis eines Kino-Billetts Hunderte hervorragende Filme für Zuhause an; wer will da noch sich anziehen und ins Kino fahren?

Dann las ich noch einen »Transparenzhinweis« von t-online:

Dieser Text wurde teilweise mit maschineller Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

KI (Künstliche Intelligenz) könne zeitintensive Routineaufgaben schneller erledigen, finde Quellen im Internet, schlage Überschriftenvarianten vor und helfe, Fachbegriffe verständlicher auszudrücken. Und dann heißt es noch:

Nicht zuletzt unterstützt uns die KI dabei, Meldungen der Polizei und von Nachrichtenagenturen sprachlich an die t-online-Richtlinien anzupassen.

Umständliches Behördendeutsch werde so vermieden. Ich war ja von 1986 bis 1991 bei dpa in Hamburg und später auch zeitweise in Freiburg. Ja, die Polizeiberichte musste man immer etwas umformulieren, und ich dachte mir damals, vor 30 Jahren schon: Das könnte doch der Computer erledigen! (Ohne etwas von KI gewusst zu haben.) Denn diese Meldungen von Unfällen klangen ja immer ähnlich, und es war nicht einfach, das zu variieren. Auch politische Meldungen, die dann in den Zeitungen in der Randspalte stehen, ähneln sich. Sie zu redigieren, ist wirklich öde.

Da werden viele Journalistenstellen wegfallen, das ist klar, und Anwälte braucht man auch weniger; die Künstliche Intelligenz durchforstet alle Archive und findet garantiert den Präzedenzfall und vergleicht mit anderen!

Zu Beginn der Computerzeit dachte man, die Maschine werde uns die stumpfsinnigen Arbeiten abnehmen, und die Menschen könnten kreativ und frei sein. Doch es hat nur zu Speicherwahnsinn geführt, zu rechtlichem Chaos, zu allgemeiner Verwirrung. Man weiß nun nicht mehr, ob ein Student und Schüler eine Arbeit wirklich selber geschrieben hat. Mails schreiben wird einfacher, alles wird datengesättigt, und die Leute verblöden, weil sie alles von KI erledigen lassen. Dann brauchst du mit keinem mehr zu reden. Lies beeser ein Buch, am besten eins, das 100 Jahre alt ist.

Dieser Text wurde nicht maschinell erstellt. Kein manipogo-Text wird jemals maschinell erstellt werden. Und der manipogo-Autor hat in den 12 Jahren seines Blogs auch nicht einen Cant damit verdient. Vielleicht meldet sich ja mal eine Mäzenin. Ein Haus am Thuner See wäre schön. Oder eine Bankkarte mit 100.000 drauf. Geht aber auch ohne.

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