John Wetton. Und Asia

In diesen Tagen wieder die Band Asia entdeckt. Gerade sehe ich mir ihr Konzert von 2013 in Plovdiv in Bulgarien an, da unterstützte sie das  Symphonieorchester der Stadt. Symphonie ist das Stichwort: Asia waren Anfang der 1980-er Jahre das Beste, was der Symphonic Rock zu bieten hatte: großartige Melodien, opulent produziert, aber mit ungeheuren Drive. Und was für ein Sänger! John Wetton.

Über ihn wollte ich eigentlich schreiben. Wollte einen traurigen Song hören, und da fiel mir einer der schönsten traurigen Songs der Rockgeschichte ein, Starless von King Crimson. (Im Video folgt gleich Easy Money.) Oder, da bin ich mir unschlüssig, ist es Fallen Angel, das Wetton 2013 hier auch mit District 97 sang, neben ihm die entzückende Leslie Hunt? John Wetton gehörte von 1972 bis 1974 zu den Crims und wäre gern länger geblieben. Für eine Tournee schloss er sich Roxy Music an und spielte dann ein Jahr bei Uriah Heep. 1981 kamen dann Steve Howe (Ex-Yes), Geoff Downes, Carl Palmer (Ex-ELP) und Wetton zusammen und nannten sich Asia. Ihr Debütalbum war ein großer Erfolg.

Ich weiß noch, wie ich Kopfhörer aufhatte, öde Straßen durchwanderte und hinüberschaute zur Hamburger Außenalster, das Asia-Album im Ohr. Das war traurig und voller Energie, es drückte die Leidenschaft aus, die man spürte und mit der man nicht wusste was tun, und es peitschte einen auf. Diese Platte drückte das Leben aus, wie man es sah und gern gelebt hätte; diese Musik war eine Offenbarung. Sie machte glücklich. Wow, das Leben ist gut! In the Heat of the Moment Sole SurvivorOnly Time Will Tell. (Ein Kommentator zum letzten Song: »This song still holds up so well, after 42 years. In some ways, we never grow old.«

Habe ich sie nicht zwei Mal live gesehen? Einmal vielleicht 1989 in Hamburg, ein zweites Mal zehn Jahre später, woanders. (Rechts oben die Originalbesetzung, unten Wetton, im Uhrzeigersinn Downes, Palmer und Steve Howe.)

Wetton wurde im Juni 1949 in England geboren. Er war Bassist und besaß eine großartige Stimme. Ende der 1970-er Jahre verstärkte sich sein Alkoholkonsum, der sich in den 1980-er Jahren noch in Grenzen hielt, doch in den 1990-ern musste er viele Konzerte absagen oder schaffte nur einen Song. 2006 vereinigten sich Asia in ihrer Originalbesetzung, und so sehen wir sie 2013 in Bulgarien. Diese Musik macht glücklich. Wow, das Leben ist gut! Mächtiger Beginn mit Sole Survivor, dann gleich Time Again, und wenn John Wetton später singt »Extraordinary Life«, hebt er die Arme, und einen Moment lang leuchtet sein weißes Hemd, bevor alles dunkel wird: Ende eines Songs. Der Sänger bekam Krebs und starb am 31. Januar 2017 mit 67 Jahren. Seine Frau hat ihm eine schöne Erinnerungsseite gebaut.

Bleiben wir bei Asia. In den 1970-er Jahren beherrschten die Hardrock-Gruppen Led Zeppelin, Deep Purple und Uriah Heep die Szene, und ihnen gegenüber standen die ambitionierten, ernsten Musiker von Yes, Genesis und Emerson, Lake & Palmer. Das ist jetzt ganz vereinfacht gesagt. 1980 war die erste Phase dieser Supergruppen vorüber (der Punk meldete sich auch zu Wort), und die 1980-er Jahre brachten andere Musik: die englische New Wave (Tears for Fears etwa), den Disco, und ich finde, Asia kombinierte dabei auf geniale Weise Hard Rock und Art Rock, Melodie und Metal. Es packt mich immer noch, wenn ich sie höre, es ergreift mich.

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