Selbst- und Weltliebe. Und die Hölle
Ich hatte mal wieder Lust, in Himmel und Hölle von Emanuel Swedenborg (1688-1772) herumzulesen, und der Meister, der 20 Jahre mit den Engeln sprach, verhehlt nicht, dass extreme Selbst- und Weltliebe in die Hölle führen; auch wenn er zugibt (wie auch unsere TestpilotInnen), dass Gott der Herr sie nicht hinabstößt: Sie gehen dorthin, wo sie es hinzieht, denn durch den Tod allein wird niemand besser.
Swedenborg war ein gefeierter Wissenschaftler, als er um 1749 sich mit jenseitigen Dingen zu beschäftigen begann. Er habe mit den Engeln konferiert, ihm seien alle Geheimnisse anvertraut worden. Immanuel Kant spottete, Swedenborg wolle seine Leser in ein »Schlaraffenland der Metaphysik« entführen; darum behandeln wir auch bald einmal die Metaphysik.
Swedenborg schrieb in Himmel und Hölle (1758 erschienen),
dass Gott das Gute selbst, die Liebe selbst und die Barmherzigkeit selbst ist; und dass das Gute selbst niemandem Böses zufügen und die Liebe selbst und die Barmherzigkeit selbst den Menschen nicht von sich stoßen kann, weil dies wider das eigentliche Wesen der Barmherzigkeit und Liebe, somit wider das Göttliche Selbst ist …
Den Weg in die Hölle stellt er dar. Als ich weiter unten las, wie sich extreme Selbstliebe zeigt, da dachte ich unwillkürlich an US-Präsident Trump, den großen Hasser, der alle unerbittlich verfolgt, die ihn kritisieren oder ihm im Weg stehen. Er ist der Prototyp des Machtmenschen, und wie absurd ist es doch, dass er manchmal an das Himmelreich erinnert, das er nie erleben wird, wenn er so weitermacht. Hat er doch gerade das US-Militärbudget, das heute schon alle anderen Länder bei weitem übertrifft, um 500 Milliarden Dollar erhöht, nachdem er aus der Usaid-Entwicklungshilfe ausgestiegen ist, was Hunderttausenden Kindern das Leben kosten wird. Und das Gesundheitsbudget in den USA wurde gekürzt, die Nahrungsmittelhilfe auch. Er und seine Spießgesellen zeigen uns, was böse ist.
Und dann noch Putin! Er ist noch schlimmer. er hat mit seinem sinnlosen Krieg Hunderttausende in den Tod geschickt. Was man aus Russland hört, klingt genauso absurd wie das, was der US-Präsident so auf Truth Social in die Welt schleudert. Wenn wir diese beiden mal hinter uns haben, wird die Welt eine bessere sein.
Doch es gibt keine ewigen Strafen; nach tausend Jahren der Besinnung könnte auch er, könnte auch Adolf Hitler in höhere Regionen aufsteigen. Doch wer immer unter Seinesgleichen ist, kommt nie zur Besinnung. Man gehe hinüber, wie man sei, sagt Swedenborg; dann aufzuwachen, sei schwierig. Nun der Weg!
Ω Ω
548. Wie dies geschieht, soll auch gesagt werden; wenn der Mensch ins andere Leben eintritt, so wird er zuerst von Engeln empfangen, die ihm alle Dienste leisten und auch mit ihm reden vom Herrn, vom Himmel, vom Engelischen Leben und ihn im Guten und Wahren unterrichten; ist aber der Mensch, nun mehr Geist, so geartet, dass er in der Welt dergleichen Dinge zwar gekannt, aber im Herzen geleugnet oder verachtet hatte, so sehnt er sich nach einiger Unterredung von ihnen weg und sucht auch wirklich wegzukommen; sobald die Engel dies bemerken, verlassen sie ihn.
Er aber gesellt sich nach einigem Zusammensein mit anderen, endlich solchen bei, die in dem gleichen Bösen mit ihm sind (…); indem dies geschieht, wendet er sich vom Herrn ab und kehrt sein Angesicht der Hölle zu, mit der er in der Welt verbunden war und in der sich diejenigen befinden, die in der gleichen Liebe zum Bösen sind.
Hieraus erhellt, dass der Herr jeden Geist zu Sich zieht durch Engel und auch durch einen Einfluss aus dem Himmel, dass aber Geister, die im Bösen sind, ganz und gar widerstreben und sich gleichsam vom Herrn losreißen und von ihrem Bösen, somit von der Hölle, wie am Strick gezogen werden, und weil sie gezogen werden und aus Liebe zum Bösen auch folgen wollen, so ist offenbar, dass sie sich freiwillig in die Hölle stürzen.(…)
559. Die Liebe zu sich ist auch so geartet, dass sie, inwieweit ihr die Zügel gelassen, das heißt, die äußeren Bande entfernt werden, … bis dahin fortrennt, dass sie zuletzt nicht nur über den Erdkreis, sondern auch über den ganzen Himmel und über das Göttliche Selbst gebieten will; nirgends ist für sie eine Grenze oder ein Endpunkt; dies liegt in jedem verborgen, der in der Liebe zu sich ist …
560. Stelle dir nun eine Gesellschaft von solchen vor, die alle nur sich lieben und andere nur insoweit, als sie mit ihnen eins ausmachen, so wirst du sehen, dass ihre Liebe keine andere ist, als die Liebe der Räuber zueinander; soweit diese in Gemeinschaft handeln, küssen sie einander und nennen sich Freunde, soweit sie aber nicht in Gemeinschaft handeln, vielmehr deren Herrschaft abwerfen, stürzen sie aufeinander los und hauen einander nieder; prüft man ihr Inwendiges oder ihre Gesinnung, so wird sich zeigen, dass sie voll feindseligen Hasses des einen gegen den anderen sind und dass sie im Herzen über alles Gerechte und Redliche lachen und auch über das Göttliche, das sie als Nichtiges verwerfen;
562. Das Böse derer, die in der Selbstliebe sind, ist im allgemeinen Verachtung anderer, Neid, Groll gegen alle, die ihnen nicht günstig sind, Feindseligkeit infolgedessen, Ausbrüche des Hasses von mancherlei Art, Handlungen der Rache, Arglist, Betrügereien, Unbarmherzigkeit und Grausamkeit; und in religiöser Beziehung nicht nur Verachtung des Göttlichen und der göttlichen Dinge, welche die Wahrheiten und das Gute der Kirche sind, sondern auch Erbitterung gegen dieselben, die sich ebenfalls in Hass verwandelt, wenn der Mensch ein Geist wird, und dann nicht nur nicht erträgt, etwas davon zu hören, sondern auch von Hass entbrennt gegen alle, die das Göttliche anerkennen und verehren.
570. … Und weil dieses Böse beständig Vernichtung und Tod derer schnaubt, die es für Feinde hält und gegen die es von Hass und Rachgier brennt, so ist seine Lebenslust, vernichten und töten zu wollen, und soweit es dies nicht kann, zu benachteiligen, zu schaden und zu wüten. Dies ist es, was unter dem Feuer im WORT verstanden wird, wo vom Bösen und von den Höllen gehandelt wird.
Mit dem WORT meint Swedenborg die Bibel. In dem in den Links aufgeführten Beitrag über die Hölle schildert er das Aussehen der Hölle, es ergänzt das oben Erklärte. Freilich gibt es keine objektive Hölle; jeder erlebt seine eigene, die ihm jedoch als ein normaler Zustand vorkommen mag.
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