Die dunklen 40 Jahre

Die ČSSR, also die Tschechoslowakische Sozialistische Republik, gehörte 40 Jahre lang zum Ostblock und wurde von der Sowjetunion dominiert. Es waren dunkle Jahre. Der Prager Frühling wurde 1968 niedergeschlagen, und dann dauerte es noch einmal 20 Jahre, bis der Alptraum zu Ende war.

Früher haben wir nie viel darüber nachgedacht.  Die ČSSR hatte ein tolles Eishockey-Nationalteam, das sah ich im Fernsehen gern. 1977, als ich beim Militär in Cham unweit der tschechischen Grenze Dienst tat, war der Ostblock immer noch eine Bedrohung. »Die Russen können in ein paar Stunden in München sein«, pflegte mein Vater zu sagen.

Vier Jahrzehnte herrschte die Kommunistische Partei. Die Bundeszentrale für politische Bildung zog Bilanz:

In mehr als 200.000 politischen Urteilen wurden 248 Bürger zum Tode verurteilt und hingerichtet, 4.500 starben in den Gefängnissen und 327 kamen an den Grenzen zu Tode. Fast 7.000 Personen wurden aus der Slowakei in Arbeitslager in die Sowjetunion verschleppt. In Gefängnissen und Internierungs- und Zwangsarbeiterlagern wurden 250.000 Menschen eingesperrt, dreimal so hoch war die Zahl der beruflich und sozial Verfolgten. Rund 500.000 bis 750.000 Menschen wurden aus religiösen Gründen diskriminiert. Die Gesamtzahl der politisch Verfolgten betrug zwei Millionen, so dass mit den Familienangehörigen sechs bis acht Millionen Personen von den Folgen der kommunistischen Repression betroffen waren. 

Menschen, die an der Grenze erschossen wurden

Unser guter Führer Danilo (links im Bild), ein römischer Architekt, der seit 10 Jahren in Prag lebt, wollten uns den Kommunismus zeigen und führte uns in einem kleinen Hotel am Wenzelsplatz (es hieß Jalta) in den Untergrund. Da war früher die Zentrale der Geheimpolizei, und da fand sich auch ein Bunker für immerhin 150 Personen. Es war die Kleinausgabe der Mielke-Zentrale in der Berliner Normannenstraße. Sie lag am Wenzelsplatz. Dort unten gab es Schreibtische, Abhöranlagen und elektronische Landkarten.

 

 

 

 

 

 

 

Waffen gehörten dazu

Die Kommandozentrale

Weiter unten sehen wir Autos vor dem berühmten Wenzelsplatz. Vor dem Nationalmuseum, der sozusagen hinter uns aufragt und den Platz abschließt, setzte sich am 16. Januar 1969 der 20-jährige Student Jan Palach aus Protest gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in Brand. Er starb 3 Tage später. Eine Gruppe von 20 Studenten, erzählte uns Danilo, hätten sich in lebende Fackeln verwandeln wollen, um für die Freiheit ihr Leben zu opfern. Sie warfen ein Los, und Palach wurde der erste. 20 Jahre später kam es zur sogenannten samtenen Revolution, und der Dichter Vaclav Havel (1936-2011) wurde Staatspräsident. In einer Bar am Wenzelsplatz ehrt man ihn an einer Wand.

 

 

 

 

 

 

 

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