Alchemisten in Prag
Rudolf II. lud Alchemisten nach Prag ein. Dort ging es ihnen gut. Der Kaiser litt an diversen Krankheiten, für die er auf Heilung hoffte, und außerdem fehlte ihm noch etwas Anderes: Geld. Rudolf kaufte ja andauernd Gemälde und musste seine Gelehrten bezahlen. Jemand, der Gold macht, wäre da willkommen gewesen. Es gibt keine Informationen darüber, doch vermutlich hat es keiner geschafft.
In dem Buch Nachts unter der steinernen Brücke von Leo Perutz, das ich in Prag einigen Fremdenführern ans Herz gelegt habe, wird in einem Kapitel auch ein Alchemist vorgestellt, der Rudolf einen Erfolg verspricht, der sich jedoch nicht einstellen will. Die Alchemie war die Vorläuferin der heutigen Chemie: Schwefel, Merkur und Salz werden auf bestimmte Weise zusammengekocht und wieder voneinander geschieden, bis irgendwann dann nach Schwärzung und Gelbfärbung eine rote Masse entsteht, der rote Löwe, der vielleicht dem lang gesuchten Stein der Weisen entspricht. Die Alchemie gab der Sehnsicht des Menschen nach dem Unbedingten Nahrung, und Carl Gustav Jung tröstete: Entstand dabei auch kein Gold, so verwandelte sich der Alchemist durch seine Arbeit innerlich, er reinigte sich und wurde vielleicht weise.
Unten sehen wir einen Alchemisten, wie ihn uns Carl Spitzweg 1840 zeigte. Das ist nicht der übliche bärtige Dunkelmann, sondern ein bürgerlicher Alchemist, der im Schlafrock vom Stein der Weisen träumt. Spitzwegs Gestalten wirken immer etwas dümmlich.
Ich war in Prag im Alchemie-Museum Speculum Alchemiae. Wir wurden unter die Erde geführt, und da durften wir in 5 Räume hineinblicken, die wirkten, als seien sie eben erst verlassen worden. Als sei der Alchemist für ein Gulasch mit Knödeln und ein Bier mal schnell für eine Stunde nach oben gegangen in die Gasse. Wir müssen uns dazu muffigen Geruch vorstellen und ein stetiges Tropfen von Wasser, denn die Räume lagen unter der Erde. – Oben konnte man für umgerechnet 300 Euro 1,5 Liter Jungbrunnentrank erwerben; nicht zuviel für eine erneuerte Jugend, aber wir sind ja so skeptisch geworden, wir wissen zu viel und glauben nicht an Wunder, an so offensichtliche jedenfalls nicht.
Bei einem Ausflug stieg ich aus dem Bus aus und stand plötzlich vor dem italienischen Kulturinstitut der Stadt. Es gab eine Ausstellung von Mario und Marisa Merz, und ich war dort. Und weil die Künstlerin ein Selbstbildnis und zwei Flüssigkeitsbehälter edlen Aussehens aufbot, dachte ich an die Alchemie und fotografierte es. Ansonsten: Auch Kochen ist Alchemie. Aus Zutaten entsteht durch Eindampfen und Brutzeln etwas Neues, Nährendes, Geniales. Die Alchemisten von früher wären heute gewiss Sterneköche. – Es gab aber auch einmal eine Frau unter ihnen, Maria die Alchemistin, der Link steht unten. In dem Beitrag über sie werden die Prinzipien der Alchemie näher erläutert.
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