Die Iden des März

Die hatten wir noch nicht, die Iden des März. Um sie ranken sich diverse Gerüchte; klar ist nur, dass diese Iden (Einzahl: idus) die Mitte eines Monats bezeichneten (also den 15. März) und dass Gaius Julius Caesar, der Diktator von Rom, gewarnt worden war, an der Senatssitzung teilzunehmen, in der er schließlich erstochen wurde.

Gaius Julius Caesar wurde im Jahr 100 vor Christi Geburt geboren. Er wurde Beamter, dann in den Senat aufgenommen, diente in Spanien und richtete pompöse Spiele aus. Bald wurde er zum Pontifex maximus gewählt, zum Oberpriester, heiratete eine reiche Erbin, Pompeia, und ließ sich vom reichsten Mann Roms unterstützen, von Marcus Licinius Crassus. Spätestens hier muss einem US-Präsident Donald Trump einfallen, da gibt es zahlreiche Parallelen.

Um 60 v. Chr. entstand das erste Triumvirat der Geschichte, ein Dreierbündnis aus Caesar, Crassus und Pompeius, einem Heerführer. Caesar regierte als Konsul autokratisch. Wikipedia:

Weil Caesar sich wiederholt mit offenen Rechtsbrüchen über Widerspruch und Obstruktionen eines großen Teils der Senatoren … hinweggesetzt und auch Gewalt eingesetzt hatte, musste er mit einer Anklage rechnen, sobald er wieder Privatmann wäre – und angesichts der Rechtslage auch mit einer Verurteilung. 

Dem kam er zuvor, indem er sich auf 10 Jahre als Prokonsul auf dem Balkan und in Gallien verpflichten ließ. In Gallien führte er Krieg und blieb von 58 bis 49. Wikipedia:

Um Macht und Reichtum auszubauen und seine Rechtsbrüche als Konsul vergessen zu machen, brauchte er einen großen Krieg außerhalb der Grenzen des Imperiums, den er bei den zerstrittenen Stämmen Galliens fand, unter denen es seit einigen Jahren größere Unruhen gab.

Dann die Rückkehr. Er überschritt am 10. Januar 49 mit seinen Truppen den Rubikon, was sprichwörtlich wurde: Es gab kein Zurück mehr. Mit 15.000 Mann erreichte er in Eilmärschen Rom und setzte den Truppen des Pompeius nach, der dann im Kampf fiel. Führte noch ein paar Kriege und wurde 48 v. Chr. wieder zum Konsul gewählt. Wikipedia:

Bereits vor dem endgültigen Erlangen der Alleinherrschaft in Rom entfaltete Caesar eine umfangreiche Gesetzestätigkeit, um das römische Staatswesen grundlegend zu reformieren. Er plante eine Kodifizierung und Überarbeitung der Gesetze, die Anlage einer umfangreichen Bibliothek, den Bau eines neuen Senatsgebäudes und große Bauvorhaben.

Im Jahr 46 ließ er sich auf zehn Jahre wählen, und Mitte Februar, bei den Feralia, bestätigte man ihn als Diktator auf Lebenszeit. Er trat herrschaftlich auf, so dass man fürchtete, Caesar werde sich zum König machen lassen wollen, zum Rex (Sein Nachfolger Octavian brauchte dann 17 Jahre, aber dann war er Kaiser: Augustus ließ er sich ab dem Jahr 27 nennen) Politiker waren der Ansicht, er sei ein Tyrann und müsse sterben, um dem Volk Roms seine Freiheit zurückzugeben.

Die Ermordung Caesars. Bild von Vincenzo Cammuccini (1771-1844)

Am 15. März des Jahres 44 war eine große Senatssitzung geplant. Caesars Frau Calpurnia träumte, das Dach stürze ein, und er sei in ihren Armen gestorben. Sie beschwor ihn, nicht hinzugehen. Auch der Seher Spurinna, der in Eingeweiden las, sah schon einen Monat zuvor Schlimmes, was sich bis zu den Iden des März vollziehen werde. Auf dem Weg zum Theater soll dem Diktator auch ein Schriftstück des Philosophen Artimodoros zugesteckt worden sein, das vor einer Verschwörung warnte; er, Caesar, gab sie weiter und wollte sie erst am nächsten Tag lesen.

Im Theater fielen viele über ihn her, 60 Menschen waren an der Verschwörung beteiligt.

Σ Σ

In Shakespeares Julius Caesar sagt der Titelheld am Morgen;

Zu Nacht hat Erd und Himmel Krieg geführt.
Calpurnia rief im Schlafe dreimal laut:
«O helft! Sie morden Cäsarn!» Niemand da? (,,,) 

Calpurnia:
Cäsar, ich hielt auf Wunderzeichen nie,
Doch schrecken sie mich nun. (…) 

Und Caesar tut den berühmt gewordenen Spruch:

Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt,
Die Tapfern kosten einmal nur den Tod.
Von allen Wundern, die ich je gehört,
Scheint mir das größte, dass sich Menschen fürchten,
Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller,
Kommt, wann er kommen soll.

Und vor dem Schauplatz der Sitzung sieht Caesar den Wahrsager
und sagt spöttisch:

Des Märzen Idus ist nun da.

Wahrsager:
Ja, Caesar. – Doch nicht vorbei. 

 

∅ ∇ ∅

Woher diese Bilder sind und wer die Urheber, ist mir nicht ganz klar. Sie fallen unter die Public Domain. Zwei Mal Caesar (ganz oben ein Standbild in Rom), dann Calpurnia und ganz unten Brutus, der im vierten Akt von Shakespeares Stück von einem Geist verfolgt wird. Recht geschieht ihm!

Caesar wurde so oft porträtiert und in Stein gemeißelt. Caesar und Napoleon! Die Machtmenschen werden geliebt, es ist wohl die heimliche Lust vieler, andere zu beherrschen, möglichst viele, und dass Trump so rüpelhaft und sprunghaft sich gibt, mag manche Leute sogar anziehen: Das ist einer von uns! (Obwohl er sich bereichert und austeilt, wo er nur kann.) Menschen mit Würde und Intellektuelle sind den Bürgern fern, denen fühlen sie sich unterlegen. Der Disput zwischen Links und Rechts ist primär ein Kampf Geist gegen Ungeist.

 

 

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