Tyrannen und Heuchler
Julius Caesar und alle anderen Tyrannen und Potentaten, die ihm vorausgingen und ihm folgten … Wir müssen schon wieder negativ werden, auch wenn wir das in der zweiten Februarhälfte zur Genüge hatten, denn die Welt ist so, und ein kurzer Rundblick macht einen mutlos. Doch wir halten das aus, wir stellen uns dieser Herausforderung.
Der Präsident des mächtigsten Staates der Erde ist von seinem eigenen Ego besessen, die Bürger seines Staates interessieren ihn nur am Rand. Viele Mächtige werden der Verantwortung für ihr Volk nicht gerecht. Sie wollen Macht und Geld, und immer leiden darunter die Menschen. Mich beschäftigte das, seit Frau Zürcher so nebenbei bemerkte, die Menschheit sei nicht sehr weitergekommen: Man kaufe Waffen und führe Kriege, statt den Menschen ein gutes Leben zu bieten. Israel lässt nun Bomben über Iran regnen, die es von den USA bekommt, und Trump, der den Friedensnobelpreis möchte, will die Waffenproduktion stark ankurbeln. Das wird gewisse Kreise freuen, weniger die armen Leute in Iran.
Kuba steht am Abgrund, denn Venezuela und Mexiko liefern aufgrund Drucks durch die USA kein Öl mehr. Der kubanische Tourismus (die einzige reelle Einkommensquelle) geht allmählich zugrunde. Die Kubaner haben keinen Strom und kaum Benzin. In Iran litten 90 Millionen Menschen unter ein paar verwirrten, irren religiösen Extremisten, deren Helfer auch
an der Macht teilhaben wollten, und es ist zu befürchten, dass es trotz der Luftschläge so weitergeht. Die Wut ist groß und die Armut auch. Ähnlich ist es in Afghanistan.
Der ägyptische Machthaber Al-Sisi verwirklicht irrsinnig teure Großprojekte, unterdrückt die freie Meinung ind lässt die Gefängnisse füllen. In Syrien wurden die Kurden eingegliedert, aber die IS-Kämpfer machen Sorge. Krieg im Sudan, aber aus Afrika hört man wenig. Der Gaza-Streifen ist zerbombt. In Osteuropa starb womöglich bereits eine Million Menschen –Soldaten und Zivilisten – in dem sinnlosen Krieg um die Ukraine, den Putin wollte. Die multilaterale Weltordnung ist in Gefahr, nur weil zwei Herrscher vom Weltreich träumen wie andere von der totalen Herrschaft in ihrem Land. Immer Männer! (Rechts klein das Bild Terror und Volkstrauer von Julien Valéry, Haiti, 1987. )
Aber halten wir fest, dass in der Mehrzahl der Länder auf diesem Planeten es sich gut lebt, ohne Repression und Gewalt. Der Tag wird kommen, da es überall so ist. Unser Mitteleuropa ist ja auch weitergekommen seit dem Dreißigjährigen Krieg, auch wenn es schlimme Rückschläge gab durch zwei Weltkriege, die von hier ihren Ausgang nahmen.
Das erwähne ich, weil ich ja derzeit den Simplicissmus lese und den Schwejk. Der Simpel fragte sich angesichts der Soldaten, die sich ihrer Meucheltaten brüsteten: »Sind wir noch unter Christen?« Ihm fiel nur ein, die Menschen in »zahme« und »wilde« zu unterteilen, und Viktor Frankl sprach von »anständigen« und »unanständigen« Menschen.

Leben der Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg. Erstellerin: Lore Liebscher, Heimatmuseum Ebersbach-Neugersdorf
Diese meine beiden Bücher sind pazifistisch.
Es müssen klare Worte gesprochen werden. Der Oberfeldkurat Ibl hält im Schwejk eine Rede und preist den sterbenden Soldaten, der vor dem Kaiser sich noch ein »Hoch Österreich!« abringt. Der Kurat, ein christlicher Heuchler und Kriegstreiber, der mit schönen Worten den schmierigen Tod der Soldaten zum Heldentod verklärt, ist eine typische Gestalt. Hašek schrieb:
Als Schwejk an diese Rede des Oberfeldkuraten Ibl dachte, konnte er ihn tatsächlich, ohne ihm das geringste Unrecht zuzufügen, einen Blödian ohnegleichen nennen.
Haben nicht christliche Priester auch Waffen gesegnet? Ich schaute in meinen »Schott« von 1938, was da über den Beginn der Fastenzeit, den Sonntag Septuagesima, geschrieben wäre, und was musste ich lesen?
Durch Kampf zum Sieg, durch Sterben zum Leben, zur Auferstehung, zur Erlösung. … Mit ihm (Laurentius, der den Tod auf dem glühenden Rost starb, Anm.) treten wir entschlossen, starkmütig und kampfbereit in die Rennbahn … So entsagen wir uns selbst, bringen uns in der Opfergabe Christus zum Opfer, … werden zugleich auch selbst Märtyrer und Sieger.
So ein Blödsinn! Das sind reine Nazi-Parolen: Durch Kampf zum Sieg, das war Hitlers Beschwörung, und die Kirche bediente sich auch dieser barbarischen, hochtrabenden Sprache des Nazireichs, das den Tod für die Nation feierte, das Opfer. Kein Wort verlor der damalige Papst Pius XII., der von 1939 bis 1958 das Amt bekleidete, über das Schicksal der Juden, das ihm in allen Details bekannt war.
Agnes Sassoon war als 12-jähriges Mädchen 1944 auf einem Todesmarsch durch Ungarn zur österreichischen Grenze. Die armen Menschen schleppten sich so dahin, bewacht durch die gnadenlosen Pfeilkreuzler, – da wurde ein katholischer Kirchenfürst im vollem Ornat vorbeigetragen. Es war der spätere Kardinal Mindszenty. Er segnete die Gruppe. Agnes:
Ich hörte seine Worte, gesprochen in Gottes Namen, aber ich hörte keine Worte der Menschlichkeit.
Und heute, so ist (bei t-online) zu lesen, unterstützt die orthodoxe Kirche Putin und stimmt in den Ruf ein: Russland ist in Gefahr! Die Opfer kümmern den Klerus anscheinend nicht. Das passt ja perfekt ins Bild machthungriger, liebedienerischer Kirchenfürsten. Tyrannen und Heuchler.
