Die Vulkangöttin und ihre Herausforderin

Da wir schon bei Hawaii sind: Im Internet-Archiv der heiligen Texte (ISTA) finden sich noch mehr ethnologische Berichte über die Völker Polynesiens. Wintervelt hat auch ein Buch über die Vulkan-Legenden Hawaiis vorgelegt (auch 1916), und zwei Episoden daraus schienen mir am interessantesten.

Hawaii hat ja 8 Hauptinseln, und die 3 größten sind Oahu, Maui und Hawaii. Auf einer Fläche, die der Größe Belgiens entspricht, leben heute 1,5 Millionen Menschen. Die Vulkangöttin Pele stellt Wintervelt ausgiebig vor. Da geht es ähnlich zu wie in der altgriechischen Götterwelt auf dem Olymp.

Es gab Götter, Göttinnen und Geistergötter in der Pele-Familie. Fast alle hatten ihr Heim in den vulkanischen Feuern und standen in Verbindung mit anderen verwandten Phänomenen wie Erdbeben, Donner und Blitz und Rauchwolken. Pele war die Chefin. Peles Bruder Ka-moho-alii und ihre ältere Schwester Na-maka-o-ka-hai gehörten zu den Mächten des Ozeans. Ka-moho-alii war der König der Haie und Peles Favorit. Leider wurde nach einem Streit in der Familie Na-maka-o-ka-hai zu Peles erbittertster Feindin. Ihre jüngere Schwester Hiiaka liebte sie sehr.

Einmal gingen sie hinunter zum Meer zum Schwimmen. Danach legte sich Pele hin zu einem langen Schlaf. Hiiaka solle sie erst nach 9 Tagen und 8 Nächten wecken, mit dem Hulihia-Gesang. Pele meinte:

Vielleicht treffe ich in diesem Schlaf einen Mann, meinen Ehemann. Wenn ich in meinen Träumen meinen Liebhaber treffen werde, wird es ein sinnvoller Schlaf gewesen sein. 

Pele erschien immer als strahlend schöne junge Frau. Doch im Schlaf zeigten sich ihre wahren Jahre: Sie sah plötzlich aus wie eine alte Frau. Dann erzählt Wintervelt:

Während Pele schlief, hörte ihr Geist den Klang einer Hula-Trommel mit einem wundervollen Gesang. Der Geist der Pele erhob sich von ihrem Körper und lauschte jener Stimme. … Peles Geist rief: »Die Stimme der Liebe kommt mit dem Wind. Ich werde hingehen und sie treffen.«

Von Insel zu Insel geht sie, bis sie endlich in Kauai landet, und die Musik kommt aus der Hütte von Häuptling Lohiau. Pele tritt, materialisiert als überirdische Schönheit, aus dem Nebel, singt und tanzt, und danach will Lohiau sie als seine Königin. Die Feiern dauern lang. Doch als sie einmal im Bett liegen, hört Pele den Gesang ihrer Schwester Hiiaka. Sie fängt an zu weinen und sagt zu Lohiau, sie müsse zurück, aber in seinem Königreich werde immer Friede herrschen; und der Geist schlüpft wieder in Peles Körper zurück. – Lohiau kommt später übrigens mit Hiiaka zusammen, die ihn aber vom ersten Tod zurückholen muss. Das sind alles dramatische, ausführlich erzählte Legenden! (Das Bild: Aphrodite by CyberFlora on DeviantArt)

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Die zweite Geschichte ist wahr. Sie sei wichtiger als jeder Mythos, betont der Autor. Die Heldin heißt Kapiolani (1781-1841) und wagt es, sich Pele entgegenzustellen. Wir müssen festhalten: Nun befinden wir uns nicht im Mythos, sondern in der Wirklichkeit. Kapiolani (die Himmelswölbung) herrschte mit ihrem Mann Na-ihe (die Speere) über die Region Kona im Westen von Hawaii (bekannt durch den Ironman, dies morgen!), die Missionare aus Boston am 4. April 1820 besuchten. 1822 wurden die beiden Regenten Christen.

Pele hatte viele Priesterinnen, und das Volk glaubte unbedingt an die Vulkangöttin. Da sagte Kapiolani, die scharfsinnige und mutige Frau, sie werde sich aufmachen, um zu beweisen, dass dies ein irriger Glaube sei. Es war im Dezember 1824. 100 Meilen wanderte sie mit ihren Begleitern bis zum Rand des Vulkans Kilauea. Eine Pele-Priesterin las ihr Gesänge vor, Kapiolani antwortete mit Sätzen aus der Bibel. Und ging furchtlos weiter. Viele hielten sie auf und beschworen sie, nicht weiterzugehen: Pele werde sie töten. Kapiolani sagte ungerührt: »Wenn ich zerstört werde, mögt ihr weiter an Pele glauben, doch wenn nicht, glaubt an die wahre Schrift!«

Im Morgenlicht stehen sie oberhalb des Kraters. Von unten dringen Rauch und Dampf, und ein ohrenbetäubendes Grollen ist zu hören. Kapiolani geht indessen weiter, steigt 100 oder 200 Meter hinab, isst die Beeren, die der Pele gewidmet waren und wirft Steine in den Krater. Pele tut nichts. Der Missionar schrieb später: »Die Menschen des Distrikts sahen nun, dass ihr nichts geschah und dass Pele machtlos ist.« Die Gruppe kehrte unbehindert zurück. 12 Jahre später bekehrte sich sogar die Hohepriesterin der Pele zum Christentum. Und Lord Tennyson schrieb eine Hymne über Kapiolanis Unternehmung. Die mutige Frau wird sogar  von Wikipedia vorgestellt.

Bekannter geworden ist indessen eine andere Kapiolani: die letzte Königin Hawaiis, die verheiratet war mit König David Kalakaua. Sie lebte von 1834 bis 1899 und regierte von 1874 bis 1891, dem Jahr, als ihr Mann bei einer Reise starb. Ihre Schwägerin amtierte danach für 2 Jahre als Königin, bis Hawaii am 4. Juli 1894 zur Republik wurde.

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Das nennt man Glauben! Hätte es nur in der menschlichen Geschichte mehr Menschen gegeben, die sich den Göttern entgegenstellten! Die frühen Menschen waren ja starr vor Angst; angeblich opferte man in Mexiko jeden Tag einen Menschen, damit die Sonne wieder aufgehen würde. Hätte man doch einmal stop! gesagt! Es wäre ein mutiger Schritt gewesen. Und die Sonne wäre trotzdem aufgegangen. – Doch auch den Machenschaften der christlichen Priester und Missionare hätte man entgegentreten können, um zu zeigen, dass sie unbegründete Ängste schürten. Die konventionellen Religionen sind ebenso gefährlich wie die Heidenkulte, denn oft ging es dem Klerus nur darum, Macht über die Seelen zu haben. Religionen haben mit Gott und dem ewigen Bewusstsein nichts zu tun. Eher sind sie dessen Feinde.

Die Bilder sind natürlich vom Stromboli. 

 

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