Geister auf Hawaii

Die Geister auf Hawaii … Ich musste erst lange im Atlas nach Hawaii suchen, mitten im Pazifik liegt es und 7000 Kilometer nordöstlich von den Trobriands. Von Hawaii sind es noch einmal 4000 Kilometer nach San Francisco an der Westküste der Vereinigten Staaten. Kaum vorstellbar. Es gibt jedenfalls ein Buch im Internet Sacred Text Archive, das auch über 100 Jahre alt ist.

Geschrieben hat es William Drake (W. D.) Westervelt (1849-1939) aus Oberlin in Ohio. Oberlin! Tatsächlich benannten zwei Presbyterianer die Kleinstadt (8500 Einwohner heute), die sie 1833 gründeten, nach dem Pädagogen. Westervelt zog als 50-Jähriger nach Hawaii und beschäftigte sich mit der dortigen Mythologie. Seine Arbeit wird sehr geschätzt. Unser Buch heißt Hawaiian Legends of Ghosts and Ghost-Gods und ist rechts abgebildet zu sehen.

Die Geister teilte man vor über 100 Jahren in 3 Klassen auf. Vermutlich geht das Jahrhunderte zurück, und die Ureinwohner werden wohl ihre Erfahrungen gemacht haben; sie waren auch konkrete Leute und hätten nicht über etwas spekuliert, was keiner gesehen hat. Heute mag dieses Wissen verschwunden sein.

Die Ao-Kuewa sind heimatlose Geister, die weder Freunde noch Besitz haben. Sie leben in der Wildnis und ernähren sich von Schmetterlingen, Spinnen und anderen Insekten.
Ao-Amakuas sind die Geistergötter oder Geister der Vorfahren, die sich in der Nähe der Hütten ihrer Angehörigen aufhalten, um zu helfen.
Eine eigene Klasse gilt für Ao-o-Milu, den Chef der Unterwelt in Polynesien, der Inselregion zwischen Hawaii und Neuseeland.

Der Pfad der Geister führte stets nach Westen, und er hieß Leina-a-ka-uhane. Wai-kua ist der Geist, der manchmal kurz nach Eintreten des Todes gesehen wird. Wenn die Verstorbenen in der Unterwelt Po durch das Tor der Toten eintreten (Lei-lono), gibt es keine Rückkehr. Wenn ein Geist nach einer Ohnmacht oder einer Nahtod-Erfahrung wieder in den Körper zurückkehrt, ist das der Kino-wai-lua, und ein Ao-Amakua hilft beim Rückweg.

Nach dem Tod wurde der Leichnam oft durch eine extra Öffnung aus der Hütte nach draußen geschafft, und diese wurde dann verschlossen; der Geist erinnert sich nur an diesen Weg und kann so nicht mehr hier spuken. Man sagte auf Hawaii, der Geist steige von den Füßen hoch und trete aus dem Augenwinkel aus; nach dem Tod sitzt der Geist noch länger auf einem Stein oder einem Baum in der Nähe.

Manchmal warf man die Leiche ins Meer in der Hoffnung, so würde ein Hai-Gott entstehen. Oder man warf ihn in den Krater des Vulkans Kilauea in der Hoffnung, der Geist würde zu einer Flamme werden in Diensten der Pele, der Vulkangöttin.

Manchmal, meinte man, sitze der Vorfahr als Gast einem auf der Schulter oder auf dem Kopf, und er gleiche einer Flamme oder einem Licht. Manchmal äußern sie sich auch, darum kennt man den pfeifenden Geist (Akua-hokio) und den flüsternden Geist (Akusa-muhi). Manche Geister sind lang (Akua-loa), andere kurz (Akua-peko). Furcht hatte man vor den Kupuas, den Dämonen, die Menschen zu Tode beten konnten: pale-ana-ana.

Das glorreiche Land, das verheißene Land wurde als Ke-alohi-lani bezeichnet, und eine andere himmlische Region im Westen hieß Moku-mana-monu.

Und interessant: Alles außerhalb von Hawaii war Kahiki.
»Was machst du?« – »Ich fahre weg, nach Kahiki.« – »Sie kam gerade wieder, war in Kahiki.«

 

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