TestpilotInnen (110): Die niederländische Studie

In seinem Buch Endloses Bewusstsein stellt Pim van Lommel eine Studie über Nahtoderfahrungen in den Niederlanden vor, die im Dezember 2001 in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, was ein großer Erfolg ist und  Wikipedia ins Unrecht setzt, die van Lommel auf schamlose Weise als »Pseudowissenschaftler« bezeichnet.

Die Studie entstand zwischen den Jahren 1988 und 1992. Sieben niederländische Krankenhäuser waren beteiligt. Patienten auf Herzintensivstationen wurden befragt, ob sie vor der Reanimation etwas erlebt hatten, was sie erzählen wollten.

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Menschen, die in Podcasts entspannt von einer Nahtoderfahrung berichten können, die große Ausnahme darstellen. Thomas Fleischmann sagte einmal in einem TEDx-Vortrag 2015, er hätte Tausende Patienten zur Wiederbelebung vor sich gehabt, doch könne man bei plötzlichen Ereignissen nur 7 Prozent der Patienten wiederbeleben. (Van Lommel sprach von 10 Prozent.) Auf Intensivstationen wird viel wiederbelebt, und man muss damit rechnen, dass 60 bis 70 Prozent der Patienten sterben und 10 bis 20 Prozent einen Gehirnschaden erleiden. (Rechts oben: Type o negative by policezombie on DeviantArt. Ich hab’s etwas beschnitten. Ein freies Foto, danke!)

Für eine Langzeitstudie wurden die Probanden 2 Jahre und 8 Jahre nach dem ersten Interview nochmals befragt: Man wollte wissen, ob sich ihre Lebenseinstellung durch die NDE verändert hatte. Übrigens erhielten die Organisatoren der Studie keinerlei finanzielle Förderung. 5 Tage nach der Reanimation wurde die folgende Frage gestellt:

Können Sie sich an etwas aus der Phase ihrer Reanimation erinnern?

Pim van Lommel schrieb:

Alle Patienten in unserer Studie waren zeitweilig klinisch tot gewesen. Als klinischen Tod definiert man die Phase der Bewusstlosigkeit, zu der es bei einem Herzstillstand oder einem akuten Herzinfarkt infolge unzureichender Durchblutung des Gehirns, einem Krreislaufzusammenbruch und/oder einem Atemstillstand kommt. Wenn in diesem Zustand keine Reanimation eingeleitet wird, tritt nach fünf bis zehn Minuten eine irreversible Schädigung der Gehirnzellen ein und der Patient wird unweigerlich sterben.  

(Foto oben von ccnull.de, freies Foto!)

 

Aufgenommen in die Studie wurden 344 Menschen, an denen 509 Reanimationen vorgenommen worden waren.
Das Durchschnittsalter betrug 62 Jahre, es waren zu 73 Prozent Männer, zu 27 Prozent Frauen.
73 Prozent bezeichneten sich als religiös, und 57 Prozent hatten schon von Nahtoderfahrungen gehört.

Von den 344 berichteten 62 oder 18 Prozent von einer Nahtoderfahrung. 23 der 62 hatten eine ziemlich tiefe Erfahrung.

Die Elemente:

Die Erkenntnis, tot zu sein, hatten 50 Prozent der 62 Menschen. 56 Prozent hatten positive Gefühle, 21 eine außerkörperliche Erfahrung, 31 Prozent flogen durch den Tunnel, 23 Prozent kommunizierten mit dem Licht, 29 nahmen eine schöne Landschaft wahr, 32 Prozent trafen verstorbene Angehörigen und Freunde, doch nur 13 Prozent erzählten vom Lebensrückblick. Wir wissen ja: Jede Erfahrung dort drüben ist anders.

Alle möglichen Faktoren wurden in die Studie miteinbezogen (Dauer des Herzstillstands, Intubation, Medikation, Religiosität, Vorkenntnisse), doch keiner beeinflusste das Auftreten einer Nahtoderfahrung. Allenfalls spielt ein jüngeres Alter eine Rolle und ein erster Herzinfarkt.

Ärzte und Skeptiker wenden ja immer ein, der Sauerstoffmangel im Gehirn führe zu Halluzinationen, als die man eine  Nahtoderfahrung bezeichnen könne. Alle waren jedoch ohne Bewusstsein, hatten also zuwenig Sauerstoff im Gehirn, also hätten alle eine Nahtoderfahrung haben müssen. Die Autoren der Studie sind sich einig: Kein physiologischer oder psychologischer Faktor beeinflusst diese Erfahrung. 

Weitere Studien: Eine im Jahr 2003 aus den USA an 116 Patienten, 16 Prozent mit NDE; englische Studie 2001 mit 63 Teilnehmern und 11 Prozent NDE; zweite englische Studie 2006 mit 35 Patienten: 23 Prozent.

Zu den Langzeitfolgen meint der Autor, dass sich nach 8 Jahren alle Personen in vielerlei Hinsicht verändert hätten. Sie zeigten mehr Liebe und mehr Gefühle, liebten Natur, Umwelt und soziales Engagement, und manche waren plötzlich medial begabt. Im Buch ist das mit statistischen Zahlen belegt, doch diese zu interpretieren ist schwierig und muss auch nicht sein.

Noch einmal hält Pim van Lommel am Ende des Kapitels fest, dass die Patienten ihre Nahtod-Erfahrung

in der Phase ihres Herzstillstands, in der die Gehirndurchblutung vollständig zum Erliegen gekommen war, erlebt haben. Doch die Frage, wie das möglich sein kann, bleibt unbeantwortet. (S. 171)

Damit meint der Autor: Mit der gängigen Lehrmeinung muss diese Frage unbeantwortet bleiben. Denn die Wissenschaft schließt kategorisch die Möglichkeit aus, dass das Bewusstsein ohne Gehirn existieren kann. Van Lommel erklärt uns das alles im weiteren Verlauf seines Buchs, und wir behandeln das morgen.

 

 

 

 

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