Der Weg ins Jenseits
Der Weg ins Jenseits hieß die Ausstellung im Museum der Kulturen. Basel ist eine tolle Museums-Stadt. Ich ging also gemütlich vom Kunstmuseum durch die Rittergasse, war dann nach Jahren wieder im Münster-Kreuzgang und drinnen in der Kirche, aß an der Sonne vor dem Museumsbistro einen Apfelkuchen und machte mich dann auf den Weg zum Jenseits.
Vom Jenseits war dann jedoch nicht allzuviel zu sehen, was man verstehen kann: Viele glauben nicht, dass es existiert, wir haben keine Fotos oder Bilder, man ist auf die Fantasie angewiesen.
Interessant: Die Geister begannen am 20. September 2025, der Weg ins Jenseits (einen Kilometer vom Kunstmuseum entfernt) hatte bereits am 5. September seine Vernissage, dauert aber noch bis 26. April.
Da kann man also noch hin!
Aus einem Fenster hat man einen schönen Blick in den ruhigen Innenhof.
Man kann sich gut vorstellen, wie das in einem Museum abläuft. Ausstellungen haben ja eine lange Vorlaufszeit. Man wird sich also Ende 2024 überlegt haben, dass man Ende 2025 zu Halloween und dem Totenmonat November doch mal wieder was über Geister/Jenseits machen könnte. Erst einmal geht man in den Keller und schaut nach, was aus den eigenen Beständen dazu passt. Dann recherchiert man und bittet die Museen, in denen relevante Werke hängen, um eine Leihgabe.
Die Leute vom Museum der Kulturen werden viel in den eigenen Beständen gehabt haben; aber die meisten drehten sich um das Begräbnis und den Kultus um die Verstorbenen. Das Jenseits muss man sich dazudenken, was die ursprünglichen Völker auch getan haben; man denke an das Ägyptische Totenbuch oder das Tibetische Totenbuch, beide einige tausend Jahre alt. Wir sehen also im Kulturen-Museum viele Stücke aus Papua-Neuguinea, Haiti und Südostasien (Rechts ein Kremationsturm mit allerlei Symbolik).
Im Medienraum sind Ausschnitte aus Filmen geboten (das hat mich schon sehr inspiriert), kann man sich Rocksongs anhören, in denen es um Hölle und Paradies geht, und ein paar Informationen gibt’s. Da wurde dann offenbar, was die Macher übers Jenseits denken. Zitat:
Nahtoderfahrungen sind unabhängig von Herkunft, Kultur oder Religion. Was genau dahintersteht, ist nicht geklärt. Neurowissenschaftler gehen davon aus, dass ein Gehirnprozess Nahtoderfahrungen erzeugt.
Ein Gehirnprozess. Wo doch bei Herzstillstand das Gehirn keinen Sauerstoff mehr bekommt, also nicht mehr arbeitet. Das läuft unter Neurologie, wie groß an der Wand steht. Ein Horror. Ins Gästebuch habe ich das auf einer ganzen Seite kommentiert.
Es ist also wie bei den Geistern von gestern: Die Ausstellungsmacher wollten ein Thema, von dem sie sich aber gleichzeitig distanzieren, weil sie nicht ans Jenseits glauben. Man will das Publikum anfixen, desillusioniert es aber gleichzeitig. Das ist ganz schön schizophren, aber eben die ganz normale Heuchelei in der Konsumwelt. Es wird etwas gemacht, um auf sich aufmerksam zu machen, aber man glaubt nicht dran. (Links ein Maskenkostüm aus Neukaledonien. Jemand spielt damit den verstorbenen Anführer.)
Schauen wir uns ein paar Exponate an, die einem schon gefallen können.
Don Abilio aus Peru hat mit kleinen Figuren erst das Trinkgelage mit dem Sarg dargestellt und dann gezeigt, wie der Leichnam weitertransportiert wird.
Die kunstvollen malagan-Figuren aus Papua-Neuguinea, die unten zu sehen sind, werden aus Holz gefertigt. Sie stehen für die Toten, können aber auch für Schuldbegleichungen oder die Beilegung eines Streits gefertigt werden. Sie werden nach der Feier verbrannt oder liegengelassen, der Verrottung preisgegeben.
Im Amazonas-Gebiet baut man Matriguenga, das sind Holzfiguren. Dazu war zu lesen, der Name des Toten werde »vergessen« und über einen längeren Zeitraum nicht genannt. Wenn möglich, werde der Wohnort gewechselt. So viel Angst hatte man vor einer Rückkehr der Verstorbenen, die sich für irgendetwas rächen könnten.
Eine Wand hat Eddie Hara aus Haiti mit seinem Bild See You on the Other Side bemalt. Zu lesen ist der Spruch unten rechts.
Und dann noch die üblichen tanzenden Skelette zum Tag der Toten in Mexiko.





